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MARCUS EHNING SIEGT IM ROLEX GRAND PRIX: “DAS BLEIBT FÜR IMMER!”

Was Marcus Ehning heute im Rolex Grand Prix…


Was Marcus Ehning heute im Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen 2018 gezeigt hat, war nicht nur der Ritt zum Sieg. Es war eine Demonstration schönen Springreitens, Werbung für den Pferdesport und ein bisschen auch der Verdienst des „besten Publikums der Welt“, wie Ehning die Aachener bezeichnet.

Unter den 40 Paaren auf der Starterliste für den Rolex Grand Prix 2018 waren elf Deutsche. Drei schafften es in den zweiten Umlauf: das Rolex Grand Prix-Siegerpaar 2016, Philipp Weishaupt und L.B. Convall, sowie die Nationenpreishelden Marcus Ehning mit Pret a Tout und Maurice Tebbel auf Chacco’s Son. Marcus Ehning musste als erster ran und lieferte schon hier einen fehlerfreien Ritt fürs Lehrbuch. Philipp Weishaupt und Convall hatten einen ärgerlichen Fehler gleich im ersten Drittel des Parcours. Maurice Tebbel und Chacco’s Son hatten einen perfekten Lauf und sahen schon wie das sechste Paar fürs Stechen aus. Doch am letzten Sprung traf Tebbel die falsche Entscheidung, analysierte Bundestrainer Otto Becker anschließend. Sein Hengst kam etwas zu dicht ans Hindernis, die Stange fiel. Aus der Rolex-Traum.

 

Das Stechen

 

Da waren es nur noch fünf im Stechen. Außer Ehning, dessen bislang einziger Sieg im Großen Preis von Aachen zwölf Jahre her ist, noch der Ire Darragh Kenny auf Babalou, der Brasilianer Pedro Veniss auf Quabri de L’Isle, der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat mit Bianca und die Vorjahres-Zweite Luciana Diniz auf ihrer Superstute Fit For Fun. Darragh Kennys Oldenburger Balou du Rouet-Tochter Babalou hatte ihren Reiter im zweiten Umlauf an der zweifachen Kombination gerettet, als der sich beim Anreiten verschätzt hatte und die Stute anscheinend 1000 Beine bekam, um sich über die Sprünge zu retten. Sie schaffte es. Aber im Stechen schien sie die Kraft verlassen zu haben: drei Abwürfe.

Pedro Veniss und Quabri de L’Isle waren nach ihrem Sieg im Rolex Major von Genf 2016 als Anwärter auf den Rolex Grand Slam zum CHIO Aachen 2017 gereist. Sie konnten aber im Grand Prix nicht antreten, weil der Hengst sich während des Turniers verletzt hatte. Jetzt standen sie im Stechen und hatten die Chance, den Grand Slam erneut in Angriff zu nehmen. Das gelang: fehlerfrei in 41,62 Sekunden. Eine Zeit, die zu schlagen sein würde? Die Antwort gaben rund eine Minute später Marcus Ehning und Pret  a Tout.

Die beiden wurden mit frenetischem Applaus im Stadion begrüßt. Rhythmisch klatschend begleiteten die Aachener den Publikumsliebling an den Start. Womöglich hatte das einen Anteil am späteren Erfolg, denn Pret a Tout liebt die Aufmerksamkeit, verriet Marcus Ehning später: „Wenn er in den Parcours reinkommt und hört das Publikum, ist das ein Ansporn für ihn.“ Es hat gewirkt. Wie an der Schnur gezogen cruisten Ehning und der 15-jährige Selle Français-Wallach Pret a Tout über den Stechparcours – eben Ehning-Style: Unaufgeregt, einfach zügiges Galoppieren auf den kürzesten Wegen. Bei 38,34 Sekunden stoppte die Uhr. Aber noch war nichts entschieden.

Olympiasieger Steve Guerdat ist schließlich nicht gerade bekannt dafür, auf Sicherheit zu reiten. Und mit seiner schwedischen Balou du Rouet-Tochter Bianca hat er ein grundschnelles Pferd unter dem Sattel. Doch schon am dritten Oxer bekam die Stute eine Stange zwischen die Beine.

Dann Luciana Diniz und Fit For Fun. Es gehört zum Ritual der beiden, dass sie im Schritt am hingegebenen Zügel zum Start reiten. Ein letzter Moment der Stille, der Konzentration. Im vergangenen Jahr waren sie schon Zweite. Nun wollten sie es wissen. Sie wussten, was zu tun war. Luciana Diniz: „Ich habe Marcus reiten sehen und mir vorgenommen, so mache ich es auch.“ Das klappte bedingt. Die Stangen blieben liegen. Aber an die Zeit von Pret a Tout kam Diniz‘ kleines Springwunder heute nicht heran: 40,96 Sekunden. Diniz trug es mit Fassung: „Ich bin sehr glücklich über Platz zwei. Und es gibt mir Motivation, es weiter zu versuchen.“

 

Ein Sieg für die Ewigkeit

 

Und Marcus Ehning? Der hat nun seinen Kindeskindern etwas zu erzählen: „Das ist eine Sache, die für immer bleibt!“ Ansonsten ist er eben ein echter Horseman: „Mein Dank gilt in erster Linie meinem Pferd. Er hat einen unglaublich guten Charakter und kennt seinen Job!“ Üblicherweise bedanken die erfolgreichen Sportler sich dann auch noch beim Sponsor, dank dem Marcus Ehning heute 330.000 Euro mit nach Hause nimmt. Er tat das auch, gab aber zu: „Da bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich Rolex sehr dankbar, dass sie das hier ermöglichen. Auf der anderen Seite fallen die Stangen an den Rolex-Hindernissen einfach viel zu leicht!“ Das nächste Mal kann er sein Glück an den grün-gelben Sprüngen versuchen, wenn er Ende September in Spruce Meadows als Anwärter im „Rolex Grand Slam of Show Jumping“ an den Start gehen sollte. Das hatte er eigentlich gar nicht geplant gehabt. Nun muss umdisponiert werden. Aber das hat Zeit. Jetzt wird erst mal dieser Erfolg genossen nach einem CHIO Aachen mit insgesamt 362.000 Zuschauern und fantastischem Sport.

 

Unter den 40.000, die sich heute mit Marcus Ehning gefreut haben, war einer, der besonders mitgefiebert hat: Bundestrainer Otto Becker. „Ich gönne es Marcus! Er ist unheimlich wichtig fürs Team und war Donnerstag ein wichtiger Baustein“, spielte er auf den Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis an (dem dritten in Folge, jedesmal mit Marcus Ehning und Pret a Tout in der Mannschaft). „Außerdem macht er das mit dem Management der Pferde vom Allerfeinsten!“

Es soll ja Leute gegeben haben, die vor Aachen von einer Krise des deutschen Springsports gesprochen haben. Otto Becker: „Die Krise kann weitergehen!“ Zum Beispiel in Spruce Meadows beim nächsten Major des Jahres.

O-Töne: Rolex Grand Prix

Marcus Ehning (GER) „Pret a Tout hat einen…


Marcus Ehning (GER)

„Pret a Tout hat einen unglaublich guten Charakter. Er kennt seinen Job, er kennt die Höhen und er hat es mir heute wirklich sehr einfach gemacht. Für ihn ist es ein zusätzlicher Ansporn, wenn er hier in dieses riesige Stadion kommt und von dem Publikum angefeuert wird. Es gibt kein besseres Publikum als hier in Aachen!“

„Das Stechen lief super für mich. Zwei Sachen muss ich jedoch noch loswerden: Ich bin sehr dankbar, dass Rolex für uns Reiter diesen großartigen Preis sponsert. Die Rolex-Sprünge allerdings sind für uns Reiter furchtbar (schmunzelt).“

„Heute war unser Tag. Ich hatte schon eine sehr gute erste Runde, eine phantastische zweite Runde und ein Stechen ganz nach meinem Geschmack. Die erste Runde war eindeutig schwieriger als die zweite, in beiden gab es viele Sprünge. Für mich war der Wettbewerb aber heute anscheinend wie gemacht! Meine Nervosität war am größten, als ich den Ritt von Luciana im Stechen verfolgt habe. Mein Pferd ist allerdings in einer super Verfassung! Das habe ich auch schon beim Mercedes-Benz Nationenpreis gespürt.“

„Ich werde jetzt erst einmal in Ruhe darüber nachdenken, ob ich in Calgary starten werden, denn auch die Weltreiterspiele in Tryon stehen ja an. Nun ist die Situation eine neue. Eine Entscheidung treffe ich aber nicht heute Abend.“

Luciana Diniz (POR)

„Fit for Fun war sehr gut und es war phantastisch hier in Aachen zu sein, am Rolex Grand Prix teilzunehmen. Ich habe Marcus‘ Ritt im Stechen gesehen und habe ihn als Vorbild genommen und wollte es noch besser machen. Zum Schluss hat es dann nur für den zweiten Platz gereicht. Jetzt habe ich beim Rolex Grand Prix insgesamt schon drei Mal den zweiten Platz erreicht. Vielleicht reicht es ja beim nächsten Mal für den ersten (schmunzelt).

Pedro Veniss (BRA)

„Es ist sehr gut für uns gelaufen. Für mich ist ein Traum wahr geworden, hier in Aachen zu reiten. Denn es ist das erste Mal, dass ich hier teilnehme. Daher bin ich mit meinem heutigen Ergebnis natürlich sehr, sehr glücklich!“

Viele Gäste aus Wirtschaft und Politik

Bevor heute die besten Pferdesportler der Welt beim…


Bevor heute die besten Pferdesportler der Welt beim traditionellen „Abschied der Nationen“ dem Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen, und seinem einmaligen Publikum „Auf Wiedersehen“ sagen, sind noch einmal prominente Gäste aus Wirtschaft und Politik auf das traditionsreiche Turniergelände gekommen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der Evonik-Vorstandsvorsitzende Christian Kullmann, SAP-Vorstand Bernd Leukert, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Christian Sewing, der ehemalige Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau Stephanie, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet genossen die Atmosphäre. „Für uns ist es jedes Jahr ein Highlight, nach Aachen zu kommen, ein echter Familienausflug“, so Karl-Theodor zu Guttenberg.

CHIO Aachen: Margie Goldstein-Engle siegt im SAP-Preis, Michael Kölz Zweiter

Der Bronzegewinner der Deutschen Meisterschaften der Springreiter 2018,…


Der Bronzegewinner der Deutschen Meisterschaften der Springreiter 2018, Michael Kölz, ist zum ersten Mal in Aachen am Start und hatte als Parole ausgegeben, er wolle „kein ganz schlechtes Bild abgeben“. Das ist ihm gelungen – auch wenn er heute von der schnellen US-Reiterin Margie Goldstein-Engle im SAP-Preis abgehängt wurde.

 

Margie Goldstein-Engle hatte für das 1,45 Meter-Springen gegen die Uhr den neunjährigen Rheinländer Dicas gesattelt, den sie seit gut einem Jahr hat. Auf diesem Niveau hat der Wallach schon Schleifen in Serie gesammelt, aber er war noch nie beim CHIO Aachen am Start. Doch offensichtlich mag er die Soers: 65,97 Sekunden-Bestzeit, null Fehler, Sieg.

 

Michael Kölz, der DM-Bronzegewinner, für den ein langgehegter Traum in Erfüllung ging als er hörte, dass er in der Soers starten darf, wurde heute Zweiter mit dem Moritzburger Landbeschäler FST Dipylon v. Dinglinger (68,10). Nicht seine einzige Schleife an diesem Wochenende. Im Eröffnungsspringen waren er und Dipylon Dritte gewesen und im Zwei-Phasen-Springen am Mittwoch Zehnte.

 

Rang drei im SAP-Preis sicherte sich der Italiener Lorenzo de Luca auf Limestone Grey nach einer 69,84 Sekunden-Runde.

CHIO Aachen: Ijsbrand Chardon Sieger auf der ganzen Linie beim CHIO 2018

Der erste Sieg des niederländischen Vierspännerfahrers Ijsbrand Chardon…


Der erste Sieg des niederländischen Vierspännerfahrers Ijsbrand Chardon beim CHIO Aachen ist 31 Jahre her, der letzte genau zehn Jahre. Dieses Jahr war es wieder so weit. Chardon gewann nicht nur die Einzelwertung um den Preis der Familie Richard Talbot, sondern auch heute das Kegelfahren um den Preis der Heitkamp & Thumann Group sowie zusammen mit seinem Sohn Bram und Koos de Ronde den Nationenpreis.

 

En CHIO Aachen wird Ijsbrand Chardon wohl so schnell nicht vergessen. Mit der einzigen fehlerfreien Runde heute im Kegelfahren um den Preis der Heitkamp & Thumann Group machte Chardon den Sieg in der Gesamtwertung des CAIO perfekt. Das Kegelfahren hatte es noch einmal in sich. In 105,46 Sekunden bewies Chardon nicht nur seine Meisterschaft an den Leinen, sondern auch gute Nerven. Zweiter wurde hier Georg von Stein (109,19), gefolgt von dem Belgier Edouard Simonet (110,04). Bemerkenswert waren auch der vierte und fünfte Platz der beiden deutschen Fahrerinnen Mareike Harm und Anna Sandmann. Letztere, die Tochter von Christoph Sandmann, einem von Deutschlands Topfahrern, ist noch ein ziemlicher Neuling im Vierspännersport, durfte auf Einladung des Veranstalters erstmals in Aachen an den Start gehen und schlug sich hervorragend.

 

Preis der Familie Richard Talbot

 

Apropos Neuling – ein solcher ist in Aachen auch Ijsbrand Chardons Sohn Bram. Der 25-Jährige hat schon Vierspännerturniere gewonnen, war aber noch nie in Aachen am Start und hatte im Vorfeld gesagt, er wolle unter die besten zehn kommen. „Das Potenzial für die top fünf wäre aber auch da“, so der Niederländer vor dem heutigen Finale. Tatsächlich wurde es Rang drei in der Einzelwertung mit insgesamt 165,51 Minuspunkten hinter seinem siegreichen Vater (157,87) und dem Australier Boyd Exell (158,82). Exell durfte sich sogar einen Fehler erlauben, ohne seinen Gesamtsieg zu gefährden. Doch es fielen zwei Bälle. Damit war der Weg frei für Chardon.

 

In der Siegerrunde des Preises der Heitkamp & Thumann Group war Exell dann gar nicht mehr am Start. Er hatte freiwillig verzichtet, weil ihm sein gebrochenes Sprunggelenk, mit dem er in Aachen am Start war, doch zu schaffen gemacht hat: „Ich hätte es nicht gedacht, aber ich bin müde! Man braucht sein Bein doch mehr als man denkt …!“

 

Elfter Nationenpreissieg in Folge

 

Auf den Sieg im Nationenpreis von Aachen haben die Niederländer quasi schon ein Abo: Es war der elfte in Folge. Mit 319,8 Minuspunkten ließen die Oranje-Fahrer (Ijsbrand Chardon, Bram Chardon, Koos de Ronde) das Team Deutschland (Michael Brauchle, Mareike Harm, Georg von Stein) locker hinter sich. Hier kamen 341,26 Minuspunkte zusammen. Rang drei ging an die Belgier (Dries Degrieck, Glenn Geerts, Edouard Simonet) mit 353,95 Minuspunkten.

CHIO Aachen: Isabell Werths Aufforderung zum Tanz im Deutsche Bank Preis

Die Zuschauer klatschten im Takt, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze…


Die Zuschauer klatschten im Takt, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich verstohlen ein Tränchen weg und Isabell Werth ballte die Faust im Triumph. Was für eine Kür sie heute zum Finale des CHIO Aachen 2018 mit Emilio im Deutsche Bank Preis zelebriert hat!

 

Nach der heutigen Kür geht Isabell Werth endgültig als Königin des Deutsche Bank Stadions in die CHIO-Geschichte ein. Der heutige Triumph ist der zwölfte ihrer Karriere im Deutsche Bank Preis, Emilio das vierte Pferd, das sie in Aachen zum Sieg reitet. Mit persönlicher Bestleistung von 87,625 Prozent kamen Werth und der zwölfjährige Westfale v. Ehrenpreis aus dem Viereck. Zweite wurde die US-Amazone Kasey Perry-Glass auf ihrem Dänen Goerklintgaards Dublet v. Diamond Hit mit 85,205 Prozent, gefolgt von deren Landsfrau Laura Graves auf Verdades v. Florett As (85,085).

Vierte wurde nach einem teuren Fehler die Dänin Cathrine Dufour auf Cassidy mit 84,835 Prozent. Helen Langehanenberg war mit Damsey zweitbeste Deutsche auf Rang fünf 82,575. Dorothee Schneider und Sammy Davis. Jr, wurden Siebte (81,295). Dazwischen schob sich mit 82,195 Prozent der Däne Daniel Bachmann Andersen auf Blue Hors Zack, der als einziger Reiter eine Kür hatte, die den Schwierigkeitsgrad 10,0 hat – das macht ein Zehntel der Gesamtnote aus.

 

Namen, Noten und Nationalitäten bestätigen Isabell Werths Fazit dieser Tage in der Soers: „Das war eine spannende Woche für uns alle!“ Eine Woche mit Favoritensiegen und -stürzen, Überraschungserfolgen und Comebacks, die für Werth mit einem höchst bescheidenen Grand Prix begann, mit dem Sieg im Special weiterging und mit ihrer bislang besten Kür auf Emilio endete. Emilio schien von Lektion zu Lektion an Sicherheit und Selbstverständlichkeit zu gewinnen und tanzte zu perfekt auf ihn abgestimmter Musik von Beethoven, Puccini und Verdi, dass einem auch bei 30 Grad im Schatten eine Gänsehaut über den Körper kroch. Als der Braune auf der letzten Mittellinie zur Passage ansetzte, fingen die ersten an, im Takt mitzuklatschen, es wurden immer mehr, Isabell Werth zog die Hand zum Gruß und ritt die letzten Meter bis zur Grußaufstellung einhändig. Kaum angehalten, brandete ohrenbetäubender Applaus auf, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich eine Träne weg und Isabell Werth konnte Emilio gar nicht genug loben. Was für ein Ritt. So eine Leichtigkeit, so eine Harmonie, so muss Dressur sein!

 

Als Werths schärfste Konkurrentin wurde bislang Laura Graves betrachtet. Tatsächlich siegte sie US-Reiterin im Grand Prix auf ihrem Verdades. Doch im Special, in dem sie Werth im vergangenen Jahr noch schlagen konnte, erschreckte sich ihr Pferd vor der Kamera und war völlig von der Rolle. Heute in der Kür zeigte der KWPN-Wallach sich wieder von seiner besten Seite. Aber vielleicht fehlte ihm heute der letzte Glanz, der dann am Ende über Sieg oder Niederlage entscheidet.

 

Jedenfalls gelang es Graves‘ Trainingskollegin Kasey Perry-Glass – beide reiten bei der ehemaligen Olympiateilnehmerin Debbie McDonald – erstmals, an der Olympia-Vierten vorbeizuziehen. Und an allen deutschen Reiterinnen außer Werth. Auch das ist ja ein Statement!

Kasey Perry-Glass war 2016 erstmals in Europa am Start gewesen und sorgte für Furore mit ihrem eleganten Dunkelbraunen. Doch 2017 erlebten die beiden einen ziemlichen Einbruch, auch hier in Aachen. Danach gönnte die Reiterin ihrem Sportpartner eine Pause. „Er brauchte das. Und ich auch. Wir haben das Training geändert, nicht so viele Lektionen geübt und mehr Abwechslung ins Training gebracht. So haben wir wieder zu unserer alten Form zurückgefunden.“ In der Tat – den beiden zuzuschauen wie sie mit größter Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ihre Kür zur Filmmusik aus „Herr der Ringe“ zelebriert haben, hat einfach nur Freude gemacht. So wie die gesamte Prüfung heute. Ein würdiger Abschluss für die Dressurprüfungen des Weltfests des Pferdesports!

O-Töne Deutsche Bank Preis

Isabelle Werth (GER) „Ich bin so glücklich mit…


Isabelle Werth (GER)

„Ich bin so glücklich mit Emilio. Wir konnten uns hier in Aachen Tag für Tag steigern. Heute war er in bester Verfassung. Meiner Meinung nach war das bislang unser bester Grand Prix. Die Atmosphäre hier in diesem Stadion mit den phantastischen Zuschauern ist einfach gigantisch. Unser Ritt hat so gut zu der Musik gepasst. Das Gefühl, als das Publikum zum Schluss gejubelt und geklatscht hat, ist einfach unbeschreiblich. Einfach ein toller Tag! Und das nach dieser doch sehr aufregenden Woche mit diesen ganzen Hochs und Tiefs. Niemand wusste, was am nächsten Tag passieren würde, ob ein Reiter nun einen guten oder schlechten Tag haben würde. Eine wirklich aufregende Dressurwoche! Selbst das Wetter hat diese Woche mitgespielt.“

„Der CHIO Aachen ist wirklich ein außergewöhnliches Turnier. Jeder weiß, dass ich Aachen liebe! Neben Championaten ist Aachen wirklich das beste Reitturnier der Welt. Die ganze Atmosphäre, diese Mischung aus Sportveranstaltung und Volksfest, ist etwas ganz Besonderes.“

Kasey Perry-Glass (USA)

„Ich habe immer an mein Pferd geglaubt. 2016 war unser erstes Grand-Prix-Jahr und wir sind beide sehr schnell nach oben gekommen. Doch irgendwann wurde es zu viel. 2017 habe ich ihm und mir dann eine Pause gegönnt. So konnten wir uns wieder regenerieren und haben wieder zu unserer alten Form zurückgefunden. Und in Aachen haben wir heute eine tolle Leistung gezeigt. Wir waren sehr gut aufeinander abgestimmt und mein Pferd wollte unbedingt zeigen, was es kann. Ich bin einfach nur glücklich mit diesem Ergebnis, ich kann es selbst noch nicht so ganz fassen.“

Laura Graves (USA)

„Leider konnten wir heute nicht unsere optimale Leistung abrufen und wir haben ein paar für uns uncharakteristische Fehler gemacht. Das war schade. Aber okay, das ist unser Sport – erst recht, wenn man gegen so viele andere internationale Topreiter antritt. Man kann vorher nie wissen, wer zum Schluss an der Spitze steht. Das ist die Herausforderung in unserem Sport, auf den Zeitpunkt genau seine Topleistung abzurufen. Ich gebe Isabelle recht, das war wirklich eine sehr aufregende und verrückte Dressurwoche in Aachen (lacht). Wie gestern war mein Pferd auch heute ein bisschen nervös. Ich muss ihm von Turnier zu Turnier einfach ein bisschen Zeit geben, sich an diese Stadionatmosphäre zu gewöhnen.“

 

Nach Unfall: Zuschauern geht es gut

Nach dem Sturz des Reiters Oliver Townend beim…


Nach dem Sturz des Reiters Oliver Townend beim Geländeritt am Samstag ist sein Pferd in den Zuschauerbereich geraten. Dabei sind zwei Besucher verletzt und in die Uniklinik RWTH Aachen gebracht worden. Ein Zuschauer konnte die Klinik inzwischen verlassen, dem anderen geht es den Umständen entsprechend gut, und die Turnierorganisatoren konnten bereits mit ihm/ihr kommunizieren.

 

 

Persönliche Bestleistungen und Schampus-Duschen im LUMILEDS-Preis

Sakrale Stille am Dressurviereck? Nicht in Aachen. Okay,…


Sakrale Stille am Dressurviereck? Nicht in Aachen. Okay, nicht immer. Heute Abend im LUMILEDS-Preis, der Grand Prix-Kür der CDI4*-Tour, war jedenfalls ordentlich was los, als Shelly Francis die Siegerschleife entgegennahm und Ingrid Klimke ihren Franziskus zu DJ Ötzi tanzen ließ!

 

„Das war die beste Kür die wir je geritten sind!“, platzte es aus der US-Amerikanerin Shelly Francis heraus nach ihrer 79,305 Prozent-Runde zum Sieg mit Danilo. „Es hat so einen Spaß gemacht! Er war so toll! Ich war so glücklich, dass ich weinen musste“, kam sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Brrraver Junge“, lobte sie mit unverkennbar amerikanischem Akzent. Nanu? Deutsch? „Naja, er ist ja ein deutsches Pferd!“ Genauer gesagt, ein Oldenburger. „Ich hatte nicht den besten Grand Prix. Daher war ich einfach nur glücklich, dass er heute so toll ging, egal, was dabei herauskommt.“ Umso besser, wenn es dann auch noch zum Sieg reicht. Dafür gab es nach der Siegerehrung erst einmal eine Champagnerdusche vom Equipechef Robert Dover. Das muss schließlich gefeiert werden.

 

Die Sektflasche kreiste auch bei Familie Klimke, nachdem Ingrid Klimke und Franziskus die nach eigener Einschätzung beste Kür ihrer gemeinsamen Karriere gezeigt hatten und dafür mit 78,390 Prozent und Rang zwei belohnt wurden. „So gut war er noch nie“, freute sich die Reitmeisterin als sie aus dem Stadion kam und der tosende Applaus hinter ihr nur langsam wieder verebbte. „Wenn die Leute klatschen und mitgehen, das liebt er!“ Also nix mit Ruhe am Viereck. Franziskus blüht auf, wenn es heißt: Spot an, Bühne frei! So rührte er seinen Besitzer, Hengsthalter Wilhelm Holkenbrink, zu Tränen, der doch immer davon geträumt hatte, eines Tages mal ein Pferd in Aachen zu haben und nun sogar eines hat, dass das Deutsche Bank Stadion von den Sitzen reißt.

 

Den zweiten Grund zum Feiern im Lager der US-Reiter lieferte Olivia Lagoy-Weltz, die mit ihrem Dänen Lonoir Dritte wurde mit 77,435 Prozent.

Ingrid Klimke mit Bluetooth zum Sieg im WOTAX-Preis

In einem für das Deutsche Bank Stadion etwas…


In einem für das Deutsche Bank Stadion etwas ungewöhnlichen Aufzug nahm Reitmeisterin Ingrid Klimke heute die goldene Schleife entgegen für den Sieg in der Intermédiaire I um den WOTAX-Preis 2018.

Vielseitigkeitsreiter und -pferde kennt man im Deutsche Bank Stadion. Aber das dürfte definitiv das erste Mal gewesen sein, dass die Siegerehrung einer Dressurprüfung von einer Reiterin mit Sicherheitsweste, kurzen Bügeln und im leichten Sitz angeführt wurde. Aber da Vielseitigkeitsolympiasiegerin Klimke wenige Minuten nach der Siegerehrung mit ihrem Trakehner Parmenides im Lavazza-Preis auf Sekundenjagd gehen sollte, musste der die Gratulationen von Richtern und Sponsoren stellvertretend für den Stallkollegen Bluetooth entgegennehmen. Und ganz nebenbei konnte er sich bei der Ehrenrunde schon mal auf die Stimmung einstellen, die ihn wenige Minuten später im Hauptstadion erwarten würde.

 

Dabei hatte Ingrid Klimke heute gar nicht vorgehabt, auf Sieg zu reiten in der Intermédiaire I. „Bluetooth war am Mittwoch im Prix St. Georges doch noch sehr beeindruckt und hatte einen dicken Patzer. Darum wollte ich ihn da heute einfach nur locker durchsteuern.“ Den Richtern hat es jedenfalls gefallen. 72,676 Prozent gaben sie dem Oldenburger, von dem seine Reiterin sagt, er sei ein bisschen wie ein Riesenbaby, noch sehr schüchtern und brauche einfach noch ein wenig Zeit, bis er mit seinen großen Bewegungen umgehen könne. Sie reitet ihn erst seit wenigen Monate, kann aber jetzt schon sagen: „Er ist total liebenswert und unglaublich bemüht. Nur an seinem Selbstbewusstsein müssen wir noch ein wenig arbeiten.“

 

Als Aachen-Sieger kann er von nun an jedenfalls mit stolz geschwellter Brust in jedes Viereck der Welt galoppieren. Heute ließ er den US-Amerikaner Steffen Petes auf Donavan hinter sich (72,176). Dritte wurde mit 71,441 Prozent Stefanie Wolf im Sattel der einstigen Dressurpferde-WM-Finalistin Saphira Royal.

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