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Hans Kauhsen verabschiedet sich aus dem ALRV-Aufsichtsrat

Nach dem CHIO Aachen 2017 beginnt für Hans…


Nach dem CHIO Aachen 2017 beginnt für Hans Kauhsen ein neuer Lebensabschnitt. Denn er verlässt nach vielen Jahren den Aufsichtsrat des Aachen-Laurensberger Rennvereins e.V. (ALRV). Heute wurde er am späten Nachmittag im Rahmen des CHIO Aachen offiziell im Hauptstadion verabschiedet.

„Ich verschwinde ja nicht komplett von der Bildfläche“, beschwichtigt der 79-jährige Aachener mit einem Lächeln. „Solange ich gesund bin, werde ich das Turnier selbstverständlich weiter besuchen.“ Dann allerdings privat. Der Grund für seine Entscheidung ist simpel: „Nächstes Jahr werde ich 80. Daher möchte ich noch in diesem Jahr all meine ehrenamtlichen Tätigkeiten abgeben.“ Seine Ehefrau Elisabeth und Golden Retriever Luba wird‘s freuen, werden beide doch in Zukunft mehr vom Ehemann bzw. Herrchen haben. Natürlich, so betont ALRV-Präsident Carl Meulenbergh, stehen die Türen beim ALRV nach wie vor offen: „Nicht nur Hans Kauhsens Ideen werden wir im ALRV-Aufsichtsrat vermissen, sondern auch ihn als Menschen. Aber so wie ich ihn kenne, wird er auch in Zukunft das eine oder andere Mal bei uns vorbeischauen.“

Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn Kauhsen hat seine Aufgabe zu jeder Zeit gerne ausgeübt. Insbesondere die sehr gute Zusammenarbeit mit dem ALRV-Vorstandsvorsitzenden Frank Kemperman und ALRV-Vorstandsmitglied Helen Rombach-Schwartz, Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART), und ART-Prokuristin Conny Mütze, den anderen Aufsichtsratsmitgliedern und ALRV-Präsident Carl Meulenbergh hebt er hervor. „Das waren immer sehr konstruktive Treffen – die werde ich vermissen.“ Überhaupt denkt der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen gerne an seine Zeit beim ALRV zurück. Als Schatzmeister hat er den Verein viele Jahre entscheidend mitgeprägt. Im Jahr 2000 begann er als Mitglied des Präsidiums, 2008 folgte der Wechsel in den Aufsichtsrat. Sein Motto „Sparen“ machte er auf dem CHIO-Gelände in Aachen „salonfähig“. Aber nicht nur das: Es waren vor allem seine nachhaltig und gemeinnützig geprägten Ideen sowie eine nachhaltige Investitionsplanung, die viel zum Erfolg des die viel zum Erfolg des CHIO Aachen, der Weltreiterspiele im Jahr 2006 sowie der Reit-EM im Jahr 2015 beigetragen haben. Redet er von den Weltreiterspielen, gerät er noch heute ins Schwärmen. „Es war ein Riesenerlebnis, dabei zu sein. Aber auch eine enorme organisatorische und finanzielle Herausforderung.“ Apropos Finanzen – auf eine Sache ist Kauhsen besonders stolz: „Obwohl das Turnier immer weiter gewachsen ist, haben wir es geschafft, vertretbare Eintrittspreise in allen Kategorien beizubehalten.“ Der „volkstümliche Charakter“ sei trotz der internationalen Ausrichtung des Turniers nie verlorengegangen. Und ganz nebenbei hat er beim CHIO Aachen auch seine „späte“ Leidenschaft – das Gespannfahren – entdeckt. Auch wenn er mittlerweile nicht mehr auf dem Kutschbock sitzt, zuschauen findet er ebenso spannend. „Der XXXL Pallen Marathon am Turniersamstag ist für mich Jahr für Jahr eines der Highlights.“

Wünsche hat Kauhsen aber nicht nur für seinen „Ruhestand“, sondern auch für die Zukunft des ALRV: „Es ist schön, dass bei uns auf dem Turnier alles fußläufig erreichbar ist. Dennoch sind wir das größte Reitsport-Event der Welt, das auf einer sehr begrenzten Fläche ausgetragen wird. Da wir die Nachwuchsförderung viel mehr in unsere Aktivitäten integrieren möchten, sind wir dringend auf mehr Platz angewiesen – da würde sich das Gelände, auf dem sich derzeit noch das Polizeipräsidium befindet, sehr gut anbieten.“ Den CHIO Aachen 2018 hat er bereits dick in seinen Kalender eingetragen. „Ab nächstem Jahr werde ich mir dann allerdings den Luxus erlauben können, etwas später am Tag vorbeizuschauen“, schmunzelt er.

Rolex Grand Prix 2017 – ein Traum wird wahr für Gregory Wathelet

Auf der Tafel neben dem Einritt ins Soerser…


Auf der Tafel neben dem Einritt ins Soerser Hauptstadion verewigt werden – für Springreiter Gregory Wathelet wurde dieser Traum heute Wirklichkeit als er mit dem Sieg im Rolex Grand Prix des CHIO Aachen 2017 ein neues Kapitel in der Geschichte des Rolex Grand Slam aufschlug.

Zwei Umläufe, ein Stechen, ein Ziel: Der Rolex Grand Prix von Aachen. Vier Reiter hatten es ins Stechen geschafft. Für Parcoursdesigner Frank Rothenberger war der Moment zum Feiern schon gekommen, noch ehe das wichtigste Springen des Wochenendes entschieden war. „Ich war froh, dass ein Stechen zustande kam, nicht wie im letzten Jahr“, so der erfahrene Aufbauer. Im vergangenen Jahr war Philipp Weishaupt nämlich als einziger Reiter zweimal ohne Abwurf durch die Umläufe gekommen und siegte so ohne die dritte Runde gegen die Uhr bestreiten zu müssen. Das war dieses Jahr anders. Drei bis vier Reiter wollte Rothenberger im Stechen haben. Der Plan ging auf, es wurden vier: Marc Houtzager (NED) mit Sterrehof‘s Calimero, Luciana Diniz (POR) auf Fit For Fun, Gregory Wathelet (BEL) im Sattel von Coree und Laura Kraut (USA) auf Zeremonie.

Marc Houtzager und der erst zehnjährige KWPN-Wallach Calimero v. Quidam de Revel eröffneten das Stechen. Es sah ein bisschen aus wie eine Springpferdeprüfung, was die beiden da ablieferten. Die Taktik war es offenbar, fehlerfrei zu bleiben. Das gelang. In Bilderbuchmanier, aber definitiv zu schlagenden 53,66 Sekunden galoppierten die beiden über den Parcours.

Luciana Diniz und ihre zierliche Hannoveraner Stute Fit For Fun v. For Pleasure betraten die Soers in aller Seelenruhe im Schritt am hingegebenen Zügel. Stechen? Heute nicht. Zumindest sah das für Außenstehende so aus. In Wahrheit hat das System: „Das ist der Moment, in dem wir zu Ruhe und  zu unserer Kraft finden“, erklärte Diniz später. In der Mitte des Stadions angekommen, nahm die für Portugal startende Brasilianerin die Zügel auf. Fit For Fun spitzte die Ohren, war sofort auf Sendung. Und segelte förmlich über die Hindernisse. Man hat den Eindruck, der kleinen Stute müssten Flügel wachsen, um die Hindernisse zu überwinden. In einer engen Wendung auf den Mercedes-Benz Oxer rutschte sie einmal weg, ein kollektives „Oh!“ aus 40.000 Mündern. Aber Fit For Fun rettete sich über den massiven Sprung ohne in die Nähe der Stangen zu kommen und nahm sofort wieder Fahrt auf. Fehlerfrei, 47,40 Sekunden. Eine super Zeit!

Gregory Wathelet wusste: Alles oder nichts! Wie er sagte: „Hier in Aachen reicht es nicht, 100 Prozent zu geben, hier müssen es 500 Prozent sein!“ Und 500 Prozent gab nicht nur er, sondern auch seine Stute. Heute wollten beide gewinnen. Seit 2014 sind Wathelet und die elfjährige Westfälin Coree v. Cornet Obolensky ein Team. Schon „zwei- oder dreimal“ waren  sie fehlerfrei in Großen Preisen. Aber zum ganz großen Wurf hatte es bis jetzt noch nicht gereicht. Dass Coree jedoch alle Möglichkeiten hat, das weiß Wathelet: „Wenn sie so ist wie heute, kann sie alles springen. Das Gefühl war super. Ich hatte eine gute Anlehnung und gute Kontrolle. Sie wurde heute von Runde zu Runde besser, gewann an Selbstvertrauen.“ Und so galoppierten sie an zum entscheidenden Stechen. Wathelet ging volles Risiko, nahm die Wendungen so eng, wie der Boden es nur zuließ und Coree gab alles. Als die beiden über das letzte Hindernis segelten, den Rolex Oxer, stoppte die Uhr bei 46,60 Sekunden. Führung! Jubel! Aber noch war die Entscheidung nicht gefallen.

Eine Reiterin war da noch, die Wathelet den Sieg hätte streitig machen können: Laura Kraut auf der Holsteiner Cero-Tochter Zeremonie. Die beiden gaben sich die größte Mühe, aber um Wathelet einzuholen, reichte die Zeit einfach nicht. Und dann fiel am letzten Hindernis auch noch eine Stange. Platz vier. Und der Sieg für Gregory Wathelet. Endlich! 2015 feierte er bei den Europameisterschaften in der Soers mit der Silbermedaille seinen größten Einzelerfolg. Und nun ist er der nächste Anwärter auf den Rolex Grand Slam. Wobei, davon wollte der sympathische Belgier erst einmal nichts wissen: „Jetzt genieße ich erst einmal diesen Erfolg! Und heute Abend unternehme ich etwas zusammen mit meinem Team. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, damit, dass ich nun dort auf dieser Tafel stehen werde. Nur, da wird nur mein Name stehen. Aber dahinter steht ein ganzes Team und natürlich mein fantastisches Pferd.“

Zwar reitet Gregory Wathelet Coree erst seit 2014. Aber er kennt sie schon wesentlich länger: „Ich habe die Stute schon beobachtet, seit sie sechs-, siebenjährig ist. Damals gehörte sie dem Haras de Hus, für das ich andere Pferde geritten habe. Der Plan war, sie achtjährig zu übernehmen.“ So wurde es gemacht. Allerdings war immer klar, dass die Stute eines Tages verkauft werden sollte. Wathelet erkannte, was für ein Juwel er da unter dem Sattel hatte. Und in Judith Gölkel fand er eine Mäzenin, die ihm die Stute kaufte. Eine Weitsicht, die sich für beide Seiten bezahlt gemacht hat.

Auch wenn er jetzt erst einmal diesen Sieg genießt, geht für Gregory Wathelet die Rolex Reise nun weiter. Nächste Station Spruce Meadows. Am 10. September geht es dort um den nächsten Rolex Major. Der Tag ist gleichzeitig Wathelets 37. Geburtstag. Ein Sieg im zweiten Major in Folge wäre doch ein tolles Geschenk! Und so ging sein Blick schon ein bisschen voraus: „Es ist großartig, was Rolex für den Sport tut. Im Rolex Grand Slam sind vier prestigeträchtige Turniere vereint, eine großartige Herausforderung. Heute Abend feiern wir erst einmal den Sieg in Aachen und dann machen wir uns an die Planungen für den Rolex Grand Slam of Show Jumping.“

Flash Quotes

SAP-Preis in die USA

Zwei ausgesprochene Routiniers sicherten sich heute den SAP-Preis:…


Zwei ausgesprochene Routiniers sicherten sich heute den SAP-Preis: der zweifache Mannschaftsolympiasieger McLain Ward und HH Carlos Z.

Die 60,21 Sekunden vom amtierenden Weltcupsieger Ward zusammen mit dem 15-jährigen Zangersheider Wallach HH Carlos Z v. Chellano Z waren nicht zu unterbieten. Auch wenn Felix Hassmann und der zwölfjährige, in Brasilien gezogene Schimmel SL Brazonado v. SL Baluarte sich alle Mühe gaben. 60,80 Sekunden lautete ihre Zeit. Rang drei ging an den Chilenen Samuel Parot auf einem weiteren Zuchtprodukt des Stutbuchs Zangersheide: Atlantis v. Andiamo (61,60 Sekunden).

Der Sieger kommentierte nach seinem Ritt: „Ich war achter Starter der Prüfung. Aber es war für mich kein Nachteil, früh dran zu sein. Carlos ist so ein erfahrenes und schnelles Pferd, dass ich mir die anderen Reiter nicht anschauen musste. Er ist 15 Jahre alt, aber er ist in großartiger Verfassung. Dieses Jahr habe ich sechs Weltranglistenspringen in Calgary mit ihm gewonnen sowie den Großen Preis von Falsterbo. Ich werde ihn auchbeim CSIO Dublin kommende Woche reiten. Ich bin glücklich, diese Prüfung gewonnen zu haben und ich hoffe, dass mein Glück anhält.“

Boyd Exell im Preis der Familie Talbot, Hollands Nationenpreis-Sieg und der belgische Shooting-Star

Im Nationenpreis der Vierspänner-Fahrer war mal wieder kein…


Im Nationenpreis der Vierspänner-Fahrer war mal wieder kein Vorbeikommen am Team Oranje. Boyd Exell sicherte sich zum achten Mal den Preis der Familie Talbot. Und der Preis der Heitkamp & Thumann Group wurde zur Beute eines Exell-Protegees, der die Zukunft des Fahrsports sein könnte.

Die Holländer feierten in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum beim CHIO Aachen: zum zehnten Mal in Folge sicherten sie sich den Nationenpreis der Vierspänner. Gleichwohl machte ihr Equipechef Harry de Ruyter deutlich, dass er mit der Leistung seines Teams – Theo Timmermann, Koos de Ronde und Ijsbrand Chardon – eigentlich nicht so recht zufrieden war. Obwohl die drei mit 336,53 Minuspunkten einen deutlichen Vorsprung vor den Belgiern (352,49 Minuspunkte) und den Deutschen (357,62) herausfuhren. „Ja, er ist streng“, seufzte Ijsbrand Chardon daraufhin. Er hatte mit Rang drei im Preis der Familie Talbot den Löwenanteil zum Erfolg des Teams Oranje beigetragen.

Platz zwei ging an ein junges belgisches Trio mit Edouard Simonet (27), Dries Degrieck (22) und Glenn Geerts (28). In der Pressekonferenz wurden die Niederländer gefragt, wie sie den Aufstieg der Belgier verhindern wollen. Eine eindeutige Antwort konnte offenbar nicht gegeben werden. Wohl aber diese Aussage von Chardon: „Kompliment an die Belgier! Es ist gut für unseren Sport, wenn gute junge Leute kommen!“ Womöglich steht da demnächst ein Wachwechsel an.

Platz drei war für die Deutschen in Anbetracht des äußerst mäßigen Starts in der Dressur ein gutes Ergebnis. Nach der ersten Teilprüfung hieß es noch, es werde schwer werden, einen Podiumsplatz zu ergattern. Im XXX Pallen Marathon haben die Deutschen dann gewaltig aufgeholt und sich auf Rang zwei vorgekämpft. Nach dem Kegelfahren um den Preis der Heitkamp & Thumann Group blieb der Bronzeplatz. „Zu viele Fehler“, so die nüchterne Erklärung von Teammitglied Georg von Stein. Mit ihm zusammen fuhren Christoph Sandmann und Europameister Michael Brauchle für die Mannschaft. Gerade für letzteren lief es nicht rund, er belegte Rang 20. Christoph Sandmann, der sich nach seinem gestrigen Marathon-Sieg auf Rang fünf vor der Entscheidung im Kegelparcours nach vorne geschoben hatte, wurde am Ende Sechster. Georg von Stein rutschte vom siebten auf den achten Rang.

 

Preis der Familie Talbot – immer wieder Exell

Auch wenn der Australier Boyd Exell auf die Siegerrunde im Preis der Heitkamp & Thumann Goup verzichtete, war ihm sein achter Sieg im Preis der Familie Talbot, also der kombinierten Wertung der Vierspänner-Fahrer nicht zu nehmen. Mit 152,75 Minuspunkten setzte er sich vor seinen Musterschüler, den Belgier Edouard Simonet (164,41), sowie seinen Dauerrivalen aus den Niederlanden, Ijsbrand Chardon (168,48). Dem schlossen sich seine Teamkollegen Koos de Ronde und Theo Timmermann in dieser Reihenfolge an. Erst danach folgte Christoph Sandmann als bester Deutscher.

Warum Boyd Exell die Siegerrunde nicht mitgefahren war? „Die Pferde hatten genug getan. Die Woche war lang und anstrengend.“ Er ist eben ein Horseman. Außerdem konnte er so seinem Schüler Edouard Simonet zuschauen, wie dieser mit einer brillanten Runde den Preis der Heitkamp & Thumann Group für sich entschied. 2010 hatte Simonet sein Studium der Agrarwissenschaften in Frankreich beendet und wollte künftig „mehr machen als nur Samstags und Sonntags zu fahren“, wie er sagt. Boyd Exell hatte er schon vorher kennenlernen dürfen, so entstand eine Zusammenarbeit, deren Früchte man heute bewundern konnte. Simonets Mentor schwärmte: „Ihm muss man nichts sagen. Er schaut sich alles ab und saugt alles auf!“

Auf diese Art und Weise setzte Edouard Simonet sich heute gegen seinen Landsmann Glenn Geerts sowie den Tschechen Jiri Nescavil durch. Simonet brauchte 85,42 Sekunden. Sein Teamkollege war nicht viel langsamer: 85,92 Sekunden. Und zwischen ihm und Jiri Nescavil lagen gerade mal fünf hundertstel Sekunden. Über Platz vier konnte sich die Schleswig-Holsteinerin Mareike Harm freuen.

Prädikat Wert(h)voll – die Dressurkönigin verzaubert im Deutsche Bank Preis

Es heißt immer, Dressur zu verstehen, sei kompliziert….


Es heißt immer, Dressur zu verstehen, sei kompliziert. Als Isabell Werth heute zum elften Mal den Deutsche Bank Preis in der Aachener Soers gewann, hat sie mit der Oldenburger Stute Weihegold die Faszination Dressur fühlbar gemacht.

Als Isabell Werth und Weihegold das Deutsche Bank Stadion betraten, wurde es still. Dann erklangen die fröhlichen Italo Popmelodien, die die Kür der beiden Weltcup-Sieger untermalen und Weihegold begann zu tanzen. Dressur kann so einfach sein: Von der Passage in die Piaffe und wieder raus und wieder zurück und wieder raus, immer im Rhythmus, ein Tritt wie der andere, in vollkommener Losgelassenheit. Aktuell gibt es weltweit kein Pferd, das der Oldenburger Don Schufro-Tochter in diesen Lektionen das Wasser reichen kann. Wie Dr. Evi Eisenhardt, Chefrichterin bei C, es ausdrückt: „Meine Kollegen und ich hätten uns heute gewünscht, auch Elfen und Zwölfen geben zu können.“ Unter anderem hätten sie damit nämlich die Übergänge von Weihegold und Werth bedacht. In der ganzen Kür leistete die Stute sich nicht einen einzigen Patzer. Das Ergebnis: nahezu 90 Prozent, nämlich genau 89,675. Nach der letzten Grußaufstellung war es vorbei mit der sakralen Stille. Das Publikum tobte, gab der sechsfachen Olympiasiegerin stehende Ovationen. Werth selbst bestätigte nach ihrem Ritt: „Ich hatte heute ein super Gefühl. Sie war vom ersten bis zum letzten Moment bei mir, die Abstimmung war perfekt. Ich wollte heute an Omaha anknüpfen (wo sie im Frühjahr mit derselben Kür das Weltcupfinale gewonnen hatte, Anm. d. Red.) und ich denke, das ist uns gelungen.“

 

Cosmo, der fliegende Holländer

Noch einmal hatten die Richter den Wunsch, die Notenskala nach oben öffnen zu können, nämlich als Sönke Rothenberger und sein Königlich Niederländischer Warmblut-Wallach Cosmo im starken Trab übers Viereck flogen. Der erst zehnjährige Van Gogh-Sohn zeigte heute, was in ihm steckt. Und das ist noch weit mehr als starker Trab. Sönke Rothenberger: „Ich bin wirklich wirklich glücklich! Heute hat Cosmo sein ganzes Potenzial für Piaffe und Passage gezeigt!“ Und Sönkes Mutter Gonnelien, die unter anderem 1996 olympisches Silber mit der niederländischen Dressurmannschaft gewann, bestätigte: „Ich glaube, Cosmo hat heute demonstriert, wo es noch hingehen kann.“ Tatsächlich haben der 22-Jährige und sein zehnjähriger Wallach eine Karriere gemacht, dass einem schwindelig werden kann. Im Schnelldurchlauf: Vom Junge Reiter-Lager über die ersten Grand Prix-Starts hin zum ersten Teameinsatz beim CHIO 2016 und von dort nahtlos zu Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen in Rio. Im vergangenen Jahr durften die beiden in der Kür noch nicht antreten, weil sie viertbestes deutsches Paar waren. Und nun lieferten sie 85,750 Prozent und wurden Zweite im Deutsche Bank Preis 2017. Vor der Olympia-Vierten des vergangenen Jahres. Man könnte sagen: ein „cosmischer“ Aufstieg, dessen Ende noch nicht in Sicht ist.

 

Bitte nächstes Jahr wiederkommen!

Platz drei ging an die große Herausforderin aus Übersee, Laura Graves auf Verdades. Die beiden haben eine ganz ähnlich rasante Karriere hinter sich wie Sönke Rothenberger und Cosmo. 2014 waren sie erstmals in der Soers am Start. Niemand kannte sie. Danach waren die ehemalige Friseurin, die ihren Job für ihr Pferd und ihren Traum vom internationalen Dressurviereck an den Nagel gehängt hatte, in aller Munde. Und nun, drei Jahre später sind sie nach Aachen gereist mit einem klaren Ziel vor Augen: Isabell Werth schlagen! Gestern im Grand Prix Special um den MEGGLE-Preis gelang ihnen das. Aber heute sollte es nicht sein. Der 15-jährige KWPN-Wallach v. Florett As begann stark, aber dann schlichen sich in der Galopptour Fehler ein, die das Ergebnis auf 82,550 Prozent zusammenschrumpfen ließen. Laura Graves konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen. Nachvollziehbar! „Ich hoffe nur, dass ich noch einmal eingeladen werde“, scherzte sie tapfer in der Pressekonferenz.

Flash-Quotes

Pferd des Tages, Samstag, 22. Juli 2017: Hamilton, von Anfang an Josefas Traum

von Jan Tönjes, Chefredakteur St.GEORG Wenn die Pferde…


von Jan Tönjes, Chefredakteur St.GEORG

Wenn die Pferde in die Soers galoppieren, dann haben sie meistens schon eine lange Geschichte hinter sich. Irgendwann sind sie irgendwo zur Welt gekommen. Der Züchter hat vermutlich sich in erster Linie darum gekümmert, dass es der Stute gut geht, dass das Fohlen säuft und rechtzeitig steht. Ob es dann einmal in Aachen gehen würde, dürfte zu diesem Zeitpunkt noch von eher geringem Interesse gewesen sein. Obwohl der Traum ganz sicher bei nicht wenigen eine Rolle bei der Auswahl des Hengstes eine Rolle gespielt haben mag.

Dann ist das Pferd herangewachsen, von jemand eingeritten, anschließend vielleicht verkauft worden. Es hat erste Erfahrungen im Turniersport gemacht, dann kam vielleicht der nächste Käufer. Tja, und irgendwann war dann der große Moment da, die Soers, Aachen, das CHIO, Weltfest des Pferdesports.

Als Josefa Sommer, 32, am Samstag im DHL-Preis zum Abschluss der Geländestrecke mit Hamilton in das Stadion in der Soers hineingaloppierte, da ging es nicht nur um den Sieg des deutschen Teams im Nationenpreis, auch nicht nur um eine gute Runde für die Einzelwertung. Vielmehr ritt die Hessin um eine Nominierung für die Europameisterschaften, die in drei Wochen im polnischen Strzegom stattfinden werden.

Und auch wenn die ganz offizielle Mitteilung noch aussteht, zwitschern es die berühmten Spatzen schon von allen Dächern, bzw. Twitter-Kanälen: Geschafft! Josefa und Hamilton sind dabei.

Das Besondere dabei: Hamilton gehört zur Familie. Seine Mutter Fiorella v. Furioso’s Sohn hat Josefas Vater Joachim selbst in M-Springen geritten. Dann ging die Stute in die Zucht, wurde mit Heraldik xx angepaart und so entstanden neben Hamilton noch seine Geschwister Henry und Hip Hop. Alles Vielseitigkeitspferde und unter Josefa erfolgreich.

Jetzt also fahren Josefa und Hamilton höchstwahrscheinlich zur Euro. Und da wird die Familie dann ganz sicher auch einen Moment innehalten und sich erinnern, wie der kleine Hamilton zur Welt kam, wie er seine ersten wackligen Schritte unternommen hat und auch wie er ins Aachener Stadion galoppiert ist.

 

 

Die iberische Halbinsel toppt den LUMILEDS-Preis

Ausgerechnet die Südeuropäer haben heute Abend trotz strömenden…


Ausgerechnet die Südeuropäer haben heute Abend trotz strömenden Regens geliefert im LUMILEDS-Preis, der Grand Prix-Kür der I-Tour. Allen voran die EM-Dritte von 2015, Beatriz Ferrer-Salat.

Als Beatriz Ferrer-Salat und ihr westfälischer De Niro-Sohn Delgado 2015 Bronze in der Kür bei den Europameisterschaften hier in Aachen gewannen, war das eine kleine Überraschung. Heute waren die beiden haushohe Favoriten und wurden ihrer Rolle voll gerecht. Die Musik ihrer Kür ist eigens komponiert worden. Das Programm war geschaffen, um die Vorzüge des Fuchses bestens in Szene zu setzen: eine Trabtour in unerschütterlichem Takt und vorbildliche Durchlässigkeit. All ihre Pluspunkte präsentierte die in der Nähe von Barcelona beheimatete Spanierin heute trotz strömenden Regens und erhielt dafür 78,275 Prozent.

Platz zwei ging an ihre Landsnachbarin, die Portugiesin Maria Caetano auf dem bildschönen Lusitano Coroado mit 75,275 Prozent. Jan-Dirk Gießelmann hielt auf Rang drei die deutschen Fahnen hoch. Sein Real Dancer tanzte heute Abend zu Tom Jones zu 75,125 Prozent.

Vierte wurde die Österreicherin Belinda Weinbauer auf Söhnlein Brilliant MJ (74,975 Prozent). Bei diesem Paar hatte man den Eindruck, im Himmel habe jemand den Wasserhahn aufgedreht. Es goss Katzen und Hunde, wie die Engländer es ausdrücken. Aber, um es mal mit der fünftplatzierten Charlott-Maria Schürmann zu sagen: „Wir sind ziemlich wetterfest. Das Wetter liegt mir und Burlington mehr als wenn es so schwül und drückend ist!“ Sie hätte sich ein paar Punkte mehr erhofft als die 73,125 Prozent, die sie bekommen hatte. „Aber wir sind ja hier in Aachen und nicht in Gelsenkirchen auf dem Acker!“

Feucht-fröhliche Lavazza-Sause rockt die Soers!

Wie gut, dass Pferdesportler keine Fußballspieler, Warmduscher, Turnbeutelvergesser…


Wie gut, dass Pferdesportler keine Fußballspieler, Warmduscher, Turnbeutelvergesser und Saunauntensitzer sind! Der Lavazza-Preis geriet heute Abend nämlich zur Wasserschlacht. Und die hat eine Menge Spaß gemacht!

Sechs Teams mit jeweils einem Vielseitigkeitsreiter, zwei Kollegen aus dem Springlager sowie einem Meister an den Leinen mit vier PS vor dem Wagen trotzten allen Widrigkeiten, die Petrus ihnen heute entgegenschleuderte, und sorgten am Ende für mehr Wirbel in der Soers als jeder Sturm es könnte. „Atemlos“ von Helene Fischer war da die passende musikalische Untermalung. Unter anderem. Während die Reiter und Fahrer auf dem Rasen (der nun nicht mehr ganz so makellos grün ist wie vorher) bewiesen, dass Pferdesportler nicht nur härter ihm nehmen sind als Fußballer, sondern mindestens ebenso fit, rockten die Zuschauer die Tribünen. Und wie!

Die Teams waren international und hochklassig besetzt. Am Ende war es Team 1, dass den Sieg nach Hause fuhr. Großbritanniens Alexander Bragg hielt mit Redpath Ransom die Buschreiter-Fahnen hoch. Der Chilene Samuel Parrot und Romance du Criolp sowie Italiens Juan Carlos Garcia auf Cocodrillo waren als Springreiter unterwegs und der Ungar Jozsef Dobrovitz ließ Baccara, Conversano XXVII-41, Incitato Szilaj und Indian vor dem Wagen marschieren. Zusammen kamen sie auf 197,5 Sekunden und ließen damit das Team 5 um Ingrid Klimke/Parmenides, Mario Stevens/El Bandiata, Emanuele Gaudiano/Jasper und Georg von Stein an den Leinen hinter sich (202,47). Platz drei ging an Team 3 mit Michael Jung/Star Connection, Maurice Tebbel/Camilla PJ, Mathis Schwentker/Landprincess und Ijsbrand Chardon auf dem Bock (206,07).

WOTAX-Preis an Anna Kasprzak

Die dänische Dressurreiterin Anna Kasprzak und ihre Zukunftshoffnung…


Die dänische Dressurreiterin Anna Kasprzak und ihre Zukunftshoffnung Quarton dominierten die Kleine Tour beim CHIO Aachen 2017. Nach dem Prix St. Georges, sicherten sie sich auch die Intermédiaire I, den WOTAX-Preis.

Anna Kasprzaks Ziel mit Quarton ist klar: „Hier wird nicht Schluss sein!“ Mit anderen Worten: Der achtjährige Quaterback-Sohn soll Kasprzaks zukünftiges Grand Prix-Pferd werden. Davon, dass er das Zeug dazu hat, ist die Dänin überzeugt. „Wir müssen uns auf dem Turnier noch besser kennenlernen und es gibt noch einige Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten müssen. Aber alles in allem fühlte sich das heute schon richtig gut an, sehr leicht und selbstverständlich.“ Auch die Richter waren angetan und belohnten die Prüfung mit genau 74 Prozent.

Nun soll der Dunkelfuchs erst einmal ein wenig Pause bekommen. Über den Winter wird dann in Ruhe an dem Projekt Grand Prix gearbeitet. „Im kommenden Jahr wollen wir die ersten Prüfungen auf diesem Niveau anpeilen, aber zunächst mal auf kleinen nationalen Turnieren“, so die Olympiareiterin. Und 2019 dann vielleicht ja schon CHIO Aachen.

Ganz ähnlich sieht der Plan von Helen Langehanenberg mit der Hannoveraner Belissimo M-Tochter Brisbane aus. Seit rund einem Jahr reitet die Mannschaftsweltmeisterin die elegante Fuchsstute. „Sie ist sehr nervenstark und ruht immer in sich selbst“, beschreibt Langehanenberg die Vorzüge ihres Berittpferdes. Sie ist bereits für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals qualifiziert. Das findet im Dezember statt. Und danach soll es auch für Brisbane eine Klasse höher gehen, wenn alles so läuft wie geplant. Allein in dieser Saison lief es von Turnier zu Turnier besser für die beiden und ihren ersten Auftritt beim CHIO Aachen krönten sie heute mit einer 73,763 Prozent-Runde – fast drei Prozent mehr als noch im Prix St. Georges. Und das in der ersten Intermédiaire I des Paares.

Dritter wurde der Spanier Juan Matute Guimon auf Dhannie Ymas mit 73,395 Prozent. Auf seinem zweiten Pferd Don Diego Ymas war der erst 19-jährige Reiter zuvor Zweiter in der Grand Prix-Kür der U25-Tour geworden. Mit Dhannie hatte er sich 2015 ins Licht der Öffentlichkeit geritten als er überraschend Junioren-Europameister in der Kür wurde. Heute ließ er Mannschaftsolympiasiegerin Kristina Bröring-Sprehe auf ihrer Zukunftshoffnung Destiny OLD v. Desperados hinter sich (72,158).

Lorenzo de Lucas Jeunesse van‘t Paradijs gewinnt Finale des Sparkassen-Youngsters-Cup

Einen sehr passenden Namen trägt die Siegerin der…


Einen sehr passenden Namen trägt die Siegerin der Entscheidung im Sparkassen-Youngsters-Cup, übersetzt etwa „die Jugend aus dem Paradies“. Ihr Reiter prophezeit ihr eine große Zukunft.

Noch ehe das Finale im Sparkassen-Youngsters-Cup entschieden war, ahnte man schon, dass die 39,46 Sekunden im Stechen von Lorenzo de Lucas Jeunesse van‘t Paradijs nicht einzuholen sein würden. Und so war es denn auch. Für den Reiter aus Italien keineswegs eine Überraschung: „Sie ist eine fantastische Stute. Ich reite sie nun fast ein Jahr. Mein erstes großes Turnier mit ihr waren die Weltmeisterschaften siebenjährigen Springpferde, wo wir uns fürs Finale qualifiziert, dann aber einen Abwurf hatten. Aber schon da wusste ich, dass sie wirklich außergewöhnlich ist. Sie hat viel Vermögen und ist extrem vorsichtig. Obwohl sie sehr sensibel ist, ist sie einfach zu reiten. Vom ersten Tag an war sie überhaupt nicht beeindruckt von dem Stadion.“

All ihre positiven Eigenschaften wurden Jeunesse van‘t Paradijs gewissermaßen in die Wiege gelegt. Im Pedigree der achtjährigen BWP-Stute reiht sich ein internationaler Sieger an den nächsten. Ihr Vater Emerald ist eines der Spitzenpferde des Niederländers Harrie Smolders. Muttervater Heartbreaker war nicht nur sportlich hoch erfolgreich, sondern hat sich als Vererber Legendenstatus erarbeitet. Dasselbe gilt für Urgroßvater Nabab de Reve. Und ähnlich erfolgreich geht es weiter im Papier der Sparkassen-Youngsters-Cup-Siegerin. Mit so einem Talent unter dem Sattel kann man sich eine Taktik wie die von de Luca leisten: „Ich bin sehr schnell geritten, weil ich wusste, dass ich es muss, mit den Reitern, die noch nach mir kommen, muss ich so schnell sein wie nur irgend möglich.“

Immerhin 14 Paare hatten es ins Stechen dieser wichtigsten Youngster-Prüfung für die Springpferde beim CHIO Aachen 2017 geschafft, von denen neun dann auch im Stechen fehlerfrei blieben. Platz zwei ging nach einer 40,26 Sekunden-Runde an Meredith Michaels-Beerbaum mit dem achtjährigen Westfalen Calle v. Carell-Capitalist. Auch sie ist voll des Lobes: „Er ist phänomenal. Ich habe ihn noch nicht lange, das ist erst sein viertes Turnier mit mir. Das Stadion und das Licht haben ihn nicht beeindruckt er sprang den Parcours locker und hatte keine Probleme mit dem großen Wassergraben. Ich denke, er ist wirklich bereit für den nächsten Schritt und kann größere Springen gehen.“

Auf Rang drei reihte sich Sccott Brash mit dem KWPN-Wallach Hello Senator ein, wie die beiden vor ihm Platzierten acht Jahre jung. Der Carambole-Indoctro-Sohn erreichte das Ziel nach 41,22 Sekunden.

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