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Deutschland II mit Jedi-Kräften, Katzencharme und Alice im Wunderland zum Nationenpreissieg

Team Deutschland II hat den Nationenpreis der Voltigierer…


Team Deutschland II hat den Nationenpreis der Voltigierer um den Preis der Sparkasse gewonnen, das erste „Länderspiel“ beim CHIO Aachen 2017. Ein Sieg nach Kampfansage!

Die Bundestrainer der Voltigierer, Ulla Ramge und ihr Kollege Kai Vorberg, konnten sich heute entspannt zurücklehnen. Die größte Konkurrenz im Nationenpreis um den Preis der Sparkasse machten sich die deutschen Mannschaften untereinander. Am Ende setzte Deutschland II sich gegen Deutschland I durch. Kristina Boe, die als Einzelvoltigiererin für das Siegerteam angetreten war, brachte es auf den Punkt: „In diesem Jahr waren die Mannschaften sehr ausgeglichen. Darum haben wir schon gestern gesagt, wir werden kämpfen.“

Eine Ansage, die Boe und ihre Kollegen im Team Deutschland II, Janika Derks und den RSV Neuss-Grimlinghausen, noch einmal beflügelt zu haben scheint. Alle konnten ihre Leistungen der Vortage noch einmal steigern. Janika Derks turnte ihr Programm so geschmeidig und präzise durch, wie das Motto „Das Leben einer Katze“ es verlangt. Und Kristina Boe alias Rey aus Star Wars? Ja, die Macht war mit ihr, als sie ihr extra schwieriges Programm ohne Patzer und perfekt auf die Musik abgestimmt durchzog.

Und dann kam der RSV Neuss-Grimlighausen mit „Alice im Wunderland“. Gestern hatte sich das junge  Neusser Team, das erst seit einem Jahr zusammenarbeitet, der Lokalkonkurrenz aus dem Rheinland, dem Team NORKA vom VV Köln-Dünnwald, noch geschlagen geben müssen. Heute turnte das Team wie entfesselt, riskierte alles und gewann alles. 9,035 die Bewertung der Richter. Weltklasse. Mit 26,608 Punkten insgesamt ließ Deutschland II die Konkurrenz aus dem eigenen Land hinter sich. Die Richter hatten heute wirklich die Qual der Wahl zwischen exzellenten Darbietungen auf allerhöchstem sportlichen Niveau. Wie schwierig der Job der Jury ist, zeigte auch das Publikumsrichten sponsored by SAP. Mal fanden die mehrheitlich sehr sachkundigen Zuschauer die Darbietungen besser, mal die Richter.

Auch Deutschland I lieferte eine absolut überzeugende Leistung. Sarah Kay und Erik Oese, die Deutschland I als Einzelvoltigierer vertraten, konnten auf ihre gestrige Leistung noch einen drauf setzen. Das Team NORKA turnte spektakulär und athletisch wie eh und je, kam aber nicht ganz an die gestrige Bewertung heran.  Am Ende zeigte die Anzeigentafel 26,212 Punkte für Deutschland I, Platz zwei. „Ja, etwas enttäuscht sind wir schon“, gab Justin van Gerven zu, einer der vier Männer im Team NORKA. „Aber am Ende haben wir trotzdem eine super Leistung abgeliefert und es waren Kleinigkeiten, die uns trennten.“

Trösten mögen ihn vielleicht die Worte der Bundestrainerin Ulla Ramge: „Alle haben gezeigt, dass sie super Nerven haben. Auf keinem Turnier der Welt herrscht eine solche Atmosphäre wie hier beim CHIO Aachen. Wer hier gut ist, ist überall gut.“ Und gut waren heute alle!

Das gilt auch für die drittplatzierten Italiener. Die waren mit den Einzelvoltigierern Francesco Bortoletto und Anna Cavallaro sowie dem Team C.I.M. Italy an den Start gegangen. Hier gab es 25,531 Punkte.

Das erste CHIO Aachen-Wochenende ist vorbei und Turnierleiter Frank Kempermann kann mehr als zufrieden sein mit dem Ergebnis – großer Sport, ausverkauftes Haus sowohl am Samstag als auch am Sonntag, 30.000 Besucher des Tags der offenen Tür am „Soerser Sonntag“ und zwei ebenfalls ausverkaufte Pferd und Sinfonie-Abende. Das macht Lust auf mehr in den kommenden Tagen!

Schaufensterwettbewerb 2017: Mit Windmühlen, Klompen und Karli zum Sieg

Nein, Aachen ist in den vergangenen Wochen nicht…


Nein, Aachen ist in den vergangenen Wochen nicht Teil der Niederlande geworden. Auch wenn man es meinen könnte. Denn viele Schaufenster in Stadt und StädteRegion Aachen stehen zurzeit ganz im Zeichen des direkten Nachbarn. Und natürlich im Zeichen des Weltfests des Pferdesports (14. bis 23. Juli).

Nein, Aachen ist in den vergangenen Wochen nicht Teil der Niederlande geworden. Auch wenn man es meinen könnte. Denn viele Schaufenster in Stadt und StädteRegion Aachen stehen zurzeit ganz im Zeichen des direkten Nachbarn. Und natürlich im Zeichen des Weltfests des Pferdesports (14. bis 23. Juli). Heimische wissen natürlich sofort Bescheid: Der Schaufensterwettbewerb, der vor und während des CHIO Aachen auf das größte Pferdesport-Event der Welt einstimmt, hat begonnen. Besucher von nah und fern erfreuen sich so Jahr für Jahr auch außerhalb des Turniergeländes an der Reitsport-Leidenschaft, die ebenfalls von der Geschäftswelt geteilt wird. Bereits zum 25. Mal findet der Schaufensterwettbewerb in diesem Jahr statt. 70 Geschäfte folgten der Einladung der Initiatoren Zeitungsverlags Aachen, MAC (Märkte- und Aktionskreis City), Aachen-Laurensberger Rennverein e. V. und Stadt Aachen, diese kreative Herausforderung anzunehmen.

Das Resultat: Viele bunte Schaufenster, in denen nicht nur Pferdefiguren, Hufeisen, Strohballen und das CHIO Aachen-Maskottchen Karli zu finden waren, sondern natürlich auch – echt niederländisch – Windmühlen, Klompen, Tulpen und sogar eine „echte“ Frau Antje. Die Auswahl der schönsten Schaufenster war somit keine leichte Aufgabe.

Im Rahmen des Soerser Sonntags wurden nun die Sieger in den beiden Kategorien bei einem Sektempfang im Drivers‘ Club bekanntgegeben. In der Jury-Wertung überzeugte „Brille am Jahnplatz“ und setzte sich an die Spitze, die Abstimmung der Publikumswertung gewann „Glance Hairstyling“.

Die Preise wurden von Stefanie Peters, ALRV-Aufsichtsratsmitglied, Oberbürgermeister Marcel Philipp, Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreis City, Bernd Mathieu, Chefredakteur des Zeitungsverlags Aachen, sowie Alexandra Behle, Verlagsleiterin Super Sonntag, vergeben. Und natürlich gehörte auch das beliebte CHIO Aachen-Maskottchen Karli zu den Gratulanten der glücklichen Gewinner, der in diesem Jahr Unterstützung von Carlo Klever, dem Maskottchen des Zeitungsverlags Aachen, bekam.

Passend zum Jubiläum wurde zum Ende der Veranstaltung vom Märkte- und Aktionskreis City ein Gutschein für den Ratskeller verlost, der an die Martello Immobilienmanagement GmbH & Co. KG ging.

Die einzelnen Platzierungen:

Jury-Wertung:

  1. Platz: Brille am Jahnplatz
  2. Platz: Glance Hairstylig
  3. Platz: I & M Mietservice & Containerdienst
  4. Platz: Martello Immobilienmanagement GmbH & Co. KG
  5. Platz: Verkaufsatelier Kunstvoll

Publikumspreis:

  1. Platz: Glance Hairstyling (22, 17 Prozent)
  2. Platz: Brille am Jahnplatz (18,29 Prozent)

Platz: Quality Brands GmbH (14,77 Prozent)

„Fratelli d‘Italia“ im Pas de Deux

Zum ersten Mal erklang nicht „Einigkeit und Recht…


Zum ersten Mal erklang nicht „Einigkeit und Recht und Freiheit“ beim CHIO Aachen 2017. Der Sieg im Pas de Deux ging an die Favoriten aus Italien, die Weltcup-Sieger Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini.

Da war Stimmung in der Albert-Vahle-Halle als Italiens Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupachhini zu Latinorhythmen auf dem Rücken von Rosenstolz zu tanzen begannen! „Es war zu erwarten, dass die beiden sehr stark sein würden“, verriet Bundestrainerin Ulla Ramge, die kein bisschen enttäuscht war, dass nicht ihre Schützlinge ganz vorne standen im Preis der Sparkasse der Paare. „Für den Sport ist das gut!“

Stark waren Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini zusammen mit ihrer Longenführerin Laura Carnabuci in der Tat: zweimal die 9,590 für die Technik, eine 9,290 für das Künstlerische und zusammen mit der Pferdenote 7,260 die Gesamtnote 8,933. Das bedeutete den Sieg dieser Prüfung und damit auch der Gesamtwertung um den Preis der Sparkasse (8,757 Punkte). Dabei waren die beiden Akrobaten noch nicht mal einhundertprozentig zufrieden mit ihrem Auftritt: „Es gibt noch ein paar Dinge, die wir verbessern müssen“, gaben sie zu, beispielsweise die Abstimmung auf die sehr temporeiche Musik. Glücklich waren sie aber natürlich trotzdem. Erst recht angesichts der Tatsache, dass sie erst seit einem Jahr ein (Sport-)Paar sind und dies somit ihr erster gemeinsamer Erfolg beim CVIO Aachen war.

Die Plätze zwei und drei gingen nach Deutschland. Dabei wechselten Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch sich mit Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes ab. Jacobs und Bresch waren mit Holiday on Ice (Longe: Alexandra Knauf) Zweite in Runde eins und dritte in der zweiten Kür. Ossenberg-Engels und Gerdes machten es auf Caram (Longe: Claudia Döller-Ossenberg-Engels) andersherum. Am Ende hatten Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch mit ihrer „Bonnie und Clyde“-Kür knapp die Nase vorn. Sie sammelten 8,473 Punkte, Ossenberg-Engels und Timo Gerdes kamen auf 8,448 Zähler. „Torben und Theresa waren auf einem Reservepferd am Start“, berichtete Ulla Ramge. „Timo und Jolina haben ein ganz neues Pferd und steigern sich derzeit von Prüfung zu Prüfung. Wir haben also allen Grund, zufrieden zu sein!“

Auf Platz vier landete das österreichische Duo Theresa Thiel und Stefan Csandl auf Crossino (Longe: Karin Böhmer). 2016 hatten die beiden noch alle mit ihrer Sissi-Kür verzaubert und den Sieg davongetragen. In diesem Jahr setzten sie auf animalische Dschungelklänge, konnten aber nicht ganz an die Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. 8,252 Punkte gab es insgesamt für das Paar aus dem Alpenland.

Die Herausforderin: Im Gespräch mit US-Dressurstar Laura Graves

Wer, wenn nicht Laura Graves? Die US-Dressurreiterin ist…


Wer, wenn nicht Laura Graves? Die US-Dressurreiterin ist eine der Wenigen, eigentlich sogar die Einzige, der zugetraut wird, dass sie am Thron von Dressur-Superstar Isabell Werth rütteln kann. Und genau das hat sich die 29-Jährige mit ihrem außergewöhnlichen „Verdades“ vorgenommen. Wir haben sie beim Training in Belgien besucht und erfahren, was sie über Isabell Werth denkt, was den CHIO Aachen zum CHIO Aachen macht und wieso sie bei ihrem ersten Aachen-Start auf einmal ganz dringend in ein Musikgeschäft musste.

Frage: Die Geschichte von Ihnen und Ihrem Pferd Verdades ist außergewöhnlich…

Graves: Er war ein echter Glückstreffer. Er ist als Fohlen zu mir gekommen, war sechs Monate alt. Wir haben ihn nur aufgrund eines Videos gekauft, und nun hat er mich zu dem gemacht, was ich bin. Letztes Jahr hat er mich zu einer olympischen Bronzemedaille gebracht, zum Weltcup-Finale, wir haben eine WM zusammen bestritten und jetzt bereite ich mich auf die WM im nächsten Jahr vor.

Frage: Auch Ihre eigene Geschichte ist anders als die der meisten Top-Reiter…

Graves: Es ist leicht, wenn Du in eine Familie hineingeboren wirst, bei denen die Pferde zum leben bereits dazu gehören. Bei mir war es nicht so, und doch sind die Pferde seit meiner Geburt ein Teil von mir. Ich trage sie in meiner Seele. Niemand aus meiner Familie betreibt das Reiten als Wettkampfsport, und doch wusste ich von klein auf, dass ich Pferde um mich herum brauche.

Frage: Wie sehen Sie Ihre sportliche Kariere? Die nächste Weltmeisterschaft ist in Ihrem Heimatland.

Graves: Es ist großartig, im kommenden Jahr die WM auszutragen. Es ist eine große Ehre für uns, diesen Wettkampf in Nordamerika zu haben. Die Fans werden hinter uns stehen, die Stadien werden ausverkauft sein. Jede Chance mein Land zu repräsentieren ist einzigartig. Hier in Aachen habe ich es in die Mannschaft geschafft, nun hoffe ich, auch für das WM-Team im nächsten Jahr aufgestellt zu werden.

Frage: Sie kommen als Nummer 4 der Weltrangliste nach Aachen. Was rechnen Sie sich aus? Der US-Equipechef Robert Dover hat gesagt: „Laura ist heiß darauf, zu gewinnen“

Graves: (lacht) Ich bin immer heiß darauf zu gewinnen, ob es dann passiert, ist eine andere Frage. Wir trainieren hart und werden in Bestform nach Aachen kommen. Was anderes kommt für Aachen ohnehin nicht in Frage. Und  natürlich sind wir heiß auf den Sieg. Ich weiß, dass es harte Prüfungen werden, aber genau das ist es, was uns besser macht.

Frage: Wen sehen Sie als Ihren größten Gegner?

Graves: Kein Zweifel: Isabell, sie ist die Nummer 1 in der Welt. Es ist etwas schade, dass die Nummer 2 und 3, auch zwei Deutsche (Kristina Bröring-Sprehe und Dorothe Schneider, d.Red.), nicht teilnehmen können. Das ist etwas enttäuschend für mich, denn auf dem besten Turnier möchte ich die besten Gegner. Mal abwarten, was es am Ende wird, auch Catherine Dufour hat sich gerade bei den dänischen Meisterschaften super präsentiert. Klar ist: Es wird ein spannender Wettbewerb für die Zuschauer.

Frage: Wie bewerten Sie die Auftritte von Isabell Werth über die letzten Jahre gesehen?

Graves: Dazu gibt es überhaupt keinen Vergleich. Sie hat nicht nur ein Pferd, mit dem sie erfolgreich ist. Mit ihrer Art zu reiten, bringt sie ein Pferd nach dem anderen in den Spitzensport. Sie hat eine unfassbare Präzision im Dressurviereck – ich versuche übrigens täglich, das im Training zu kopieren.

Frage: Was könnte eventuell den Unterschied machen zwischen Ihnen und den anderen Reiterinnen?

Graves: Verdades und ich haben eine besondere Verbindung. Wir sind zusammen, seitdem wir Kinder sind. Er wird niemals „Nein“ sagen, wenn ich ihn um etwas bitte. Das hat nicht jedes Pferd, er ist unglaublich selbstlos. Kommt’s hart auf hart, kann das am Ende den Unterschied machen.

Frage: Welche Chancen sehen Sie für das US-Team?

Graves: Wir kommen in diesem Jahr mit einer sehr starken Mannschaft. Ich bin inzwischen so etwas wie der alte Hase in unserem jungen Team. Wir haben dieses Jahr zwei neue Pferde am Start, sie sind alle sehr stark und in der Lage, über 75 Prozent zu erreichen. Aber am Ende müssen wir die Leistung auch auf den Platz bringen.

Frage: Derzeit sind Sie in Aachen, haben sich in Belgien vorbereitet. Was fehlt Ihnen hier in Europa am meisten?

Graves: Ich vermisse meine Hunde – und meinen Freund. Es ist immer hart, von der Familie getrennt zu sein, von den Kindern – oder wie in meinem Fall den Hunden und Pferden (lacht). Das großartige an Europa ist aber, dass die Pferde hier zum Leben gehören. Ich bin mit meiner Trainerin Debbie McDonald hier und sehr  darauf fokussiert, meine Leistung zu verbessern, nur darum geht‘s.

Frage : Sie kennen den CHIO Aachen bereits – wie haben Sie die Atmosphäre empfunden?

Graves: Ich bin erst einmal in Aachen geritten, das war 2014, mein erstes Grand Prix-Jahr. Es war so motivierend, dort starten die besten Reiter der Welt auf dem besten Turnier der Welt. Es ist sehr aufregend, nun wieder eingeladen zu sein.

Frage: Warum ist es so aufregend beim CHIO Aachen zu starten?

Graves: Die Geschichte des Turniers ist unglaublich, das ist mit keinem anderen Turnier der Welt vergleichbar. Alles ist Weltklasse. Das geht bei den Stallungen los und endet bei der perfekten Art, wie wir Reiter umsorgt werden. Und erst die Zuschauer! Sie haben so viel Ahnung und wissen, worum es in unserem Sport geht. Dressurreiten ist nun mal komplex. Beim Springreiten weißt Du: Fällt die Stange, war’s ein Fehler.  Wie viel Ahnung die Zuschauer haben sieht man auch daran, wie gut sie mit der „Judging-App“, die die CHIO-Organisatoren anbieten, klar kommen. Es ist schön zu sehen, wie sich unser Sport hier etabliert hat. Das ist wirklich ein tolles Gefühl!

Frage: Und bei Ihrem ersten Aachen-Start fehlte die Musik…

Graves: Oh ja! Daran erinnere ich mich noch sehr lebhaft! Ich musste mich eigentlich auf die Prüfung vorbereiten, aber hab immer nur links und rechts geschaut, so beeindruckend war das alles. Zum Beispiel ist dort auch Charlotte Dujardin geritten. Mein Trainer sagte irgendwann: Laura, jetzt konzentrier Dich endlich! Aber ich war so durch den Wind, dass ich kaum reiten konnte. Irgendwie habe ich mich dann sogar für die Kür qualifiziert, aber ich hatte nichts vorbereitet, hatte auch keine Musik. Wir sind dann noch in die Stadt gefahren, haben in einem kleinen Geschäft noch Musik ausgesucht und direkt vor Ort auf eine CD gebrannt.

Auf die CHIO-Art: Aachen sagt „Tschö, wa“ zu Kazem Abdullah

Am Ende verabschiedeten die Aachener ihren Generalmusikdirektor wie…


Am Ende verabschiedeten die Aachener ihren Generalmusikdirektor wie es sich für Aachen gehört: Mit einem Taschentuch-Winke-Winke zu den Klängen von „Muss I denn…“.

Das Konzert „Pferd & Sinfonie“ beim CHIO Aachen am Samstagabend war der letzte Auftritt von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah mit dem Aachener Sinfonieorchester. Und somit sein endgültiger Abschied vom Aachener Dirigat.

Und was für einer! Vom Dirigentenpodest ging es nicht wie sonst in die Garderobe, sondern in eine Kutsche. Vier Schimmel davongespannt und dann ab auf die Ehrenrunden. „Muss I denn“ schallte mehr als eine Woche früher als sonst über das traditionsreiche Turniergelände und mehr als 6000 winkten im ausverkauften Deutsche Bank Stadion mit weißen Tüchern. „All´ die Menschen, die mit ihren Taschentüchern gewunken haben, das hat mich so bewegt. Extra für mich haben die Organisatoren einen vorgezogenen Abschied der Nationen initiiert, was für eine Ehre und große Geste“, so ein sichtlich gerührter Kazem Abdullah anschließend in seiner Garderobe unten im Deutsche Bank Stadion.

„Ihre Leidenschaft ist die Musik, unsere Leidenschaft sind die Pferde – bei Pferd und Sinfonie bringen wir sie auf wundervolle Weise zusammen.“ Frank Kemperman, Vorstandsvorsitzender des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) und ALRV-Präsident Carl Meulenbergh verabschiedeten Abdullah herzlich, der es ihnen mit nicht minder warmen Worten dankte: „Dieser Abschied heute Abend war unglaublich und wunderschön. Ich mag diese Stadt sehr, ihre Menschen und großartige Veranstaltungen wie den CHIO. Ich bin sehr stolz, dass ich in den letzten 5 Jahren mit „Pferd & Sinfonie“ Teil des CHIO Aachen sein durfte.“ Und auch an seine Anfänge in der Soers erinnert er sich noch gut:  „Ich weiß noch wie es war, als ich zum ersten Mal von `Pferd & Sinfonie´ hörte: Was ist das denn?, habe ich mich gefragt. Mit Pferden? Klingt cool. Heute Abend gilt mein Dank Frank Kemperman und Carl Meulenbergh und dem ganzen großartigen Team vom CHIO Aachen für diesen fantastischen und bewegenden Abschied.“

Pläne für die kommenden Monate gibt es bereits. Zunächst wird er den CHIO Aachen 2017 genießen: „Ich werde mir viele Prüfungen ansehen und auch die Media Night am Dienstagabend besuchen.“ Bis Ende Juli bleibt Kazem Abdullah noch in Aachen, dann geht es erst in die USA und im August wird er nach Nürnberg umziehen. Dort wird seine neue Basis sein, „aber ich werde sehr viel unterwegs sein. So sind bereits mehrere Gastdirigate in den USA vereinbart, zum Beispiel in Miami, South Carolina und New York. Ich habe bereits sehr viele Engagements, die ich erfüllen muss, ich bin erst einmal gut beschäftigt.“ Und ganz am Ende gab‘s noch das Versprechen, dem Weltfest des Pferdesports zumindest als Besucher treu zu bleiben: „Vielleicht sehen wir uns alle beim CHIO 2018 wieder, es ist so großartig hier.“

Hier gibt’s das (Handy-)Video

Kraft, Athletik, Brüsewitz

Die Entscheidung bei den Herren im Preis der…


Die Entscheidung bei den Herren im Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen 2017 geriet zu einer rein deutschen Angelegenheit. Am Ende wiederholte Thomas Brüsewitz seinen Sieg aus dem Vorjahr – trotz einem Patzer in der Kür.

Mit einem Sieg in der abschließenden Kür war Thomas Brüsewitz der Preis der Sparkasse 2017 nicht mehr zu nehmen. 8,071 Punkte hatte er nach allen drei Wertungen auf dem Konto. Seine Kür zum Sieg turnte er heute als gäbe es so etwas wie Schwerkraft überhaupt nicht. Einen wackeligen Moment gab es jedoch, als Brüsewitz nach einem gewagt hohen Sprung nicht ganz sicher auf dem Rücken seines Bigstar landete. Aber wie Bundestrainerin Ursula Ramge sagt: „Inzwischen ist Thomas mental so stark, dass er sich auf jede Situation einstellen kann.“ So turnte der 23-Jährige sein Programm fehlerfrei zu Ende.

„Thomas ist ein toller Athlet“, lobte die Bundestrainerin ihren Schützling. „Bei ihm kommen Kraft und Beweglichkeit zusammen, das ist gerade bei den Männern nicht selbstverständlich.“ Außerdem seien Voltigierer, Pferd und Longenführerin Irina Lenkeit noch stärker zusammengewachsen und zu einer wirklich harmonischen Einheit geworden, sprach Ramge ein Thema an, das beim Voltigieren oft vergessen wird. Das Motto von Brüsewitz‘ Kür war übrigens recht ausgefallen. Er ist ein großer Michael Jackson-Fan und hat sich eine Musik ausgesucht, die erst nach dem Tod des King of Pop veröffentlicht wurde und eher unbekannt ist: „Blue Gangsta“.

Platz zwei in der Kür und in der Gesamtwertung ging an Erik Oese auf Calvador, longiert von Andreas Bäßler. Nach Rang fünf in der Pflicht trumpfte der hochgewachsene Oese, der im September seinen 30. Geburtstag feiert, in der Technik auf. Und seine Kür zu dem Thema „Geist“ war eine Augenweide. So elegant, geschmeidig und ausdrucksstark wie der Gymnasiallehrer aus Radebeul bewegen sich nur ganz wenige. Als er passend zu Knackgeräuschen in der Musik seinen „Geisterkopf“ zurechtrückte, rutschte so manchem Zuschauer kurzfristig das Herz in die Hose. Ist ja glücklicherweise nur Show! 8,501 Punkte erhielt Oese für seine Kür. Zusammen mit den anderen Ergebnissen kam er in Summe auf 7,999 Zähler.

Das genügte, um Viktor Brüsewitz auf Don Filippo B mit Longenführerin Lisa Borgmann auf Abstand zu halten. Heute in der Kür wurde es „nur“ Rang fünf für das Kraftpaket im deutschen Aufgebot. Aber mit zwei dritten Plätzen aus Pflicht und Kür im Rücken konnte Viktor Brüsewitz – übrigens der ältere Bruder des Siegers – seine Position verteidigen. Wenn auch knapp. Der Schweizer Lukas Heppler kam auf Cairo (Longe: Petra Cinerova) nach drei vierten Plätzen bis auf zwei hundertstel Punkte an Brüsewitz heran und wurde Vierter. Heppler kam auf 7,798 Zähler, Brüsewitz auf 7,800.

Der vierte deutsche Herr der Prüfung, Jannik Heiland, Trainingspartner der Brüsewitz-Brüder, musste sich auf Highlander (Longe: Winnie Schlüter) mit Rang fünf zufrieden geben. Was bitter ist, denn ein Sturz am Ende eines eigentlich tollen gestrigen Technikprogramms war vor allem dies: Pech. Nach der Pflicht war Heiland noch Zweiter gewesen. Doch nach dem Sturz fiel er auch in der Gesamtwertung nach hinten und konnte heute den Rückstand trotz der drittbesten Kür nicht mehr aufholen.

Alles in allem hatten nicht nur Sportler, sondern auch Trainer allen Grund, mit dem bisherigen Wettkampf äußerst zufrieden zu sein: „Unsere Leute haben die Messlatte über alle Prüfungen sehr hoch gelegt“, fasste Ursula Ramge ihre Eindrücke aus Bundestrainersicht zusammen. Morgen geht es  noch einmal um den Nationenpreis. Fest steht bereits jetzt, dass das Team NORKA vom VV Köln-Dünnwald Team Deutschland I werden wird und Neuss-Grimlinghausen ist Deutschland II. Welche Einzelvoltigierer in welchem Team starten, wird morgen bekannt gegeben.

Janika Derks ohne Ziel aber mit Plan zum Sieg im Preis der Sparkasse

2016 turnte sie erstmals bei den Damen, 2017…


2016 turnte sie erstmals bei den Damen, 2017 ist sie Siegerin im Preis der Sparkasse beim CVIO Aachen: Janika Derks. Dabei hatte die 27-Jährige sich eigentlich gar kein Ziel gesetzt.

Nach den ersten beiden Teilprüfungen im Preis der Sparkasse 2017 hatte Janika Derks noch bescheiden gesagt: „Ich nehme mir keine Platzierungen vor. Mein Ziel ist es, mit mir selbst zufrieden zu sein und ich kann mich freuen, wenn die Noten und mein Turnen übereinstimmen.“ Einen Tag später ist ein Traum in Erfüllung gegangen: ein Sieg in Aachen, dem Turnier auf das sie und ihre Kollegen sich das ganze Jahr über freuen. „Publikum, Organisation, Atmosphäre – hier passt alles!“, so Derks. Umso schöner, wenn das Sportliche dann auch noch läuft: „Ja, mein Gefühl und die Bewertung der Richter passten, ich bin happy.“ Auf Auxerre, longiert von Elisabeth Simon, präsentierte Derks heute „Das Leben einer Katze“, so ihr Kür-Motto. Dem wurde sie in jedem Sinne gerecht – rekelte sich auf dem Pferderücken als läge sie nie woanders und sprang mit katzengleichem Geschick, um dann so sanft und punktgenau zu landen, als wäre es nichts. Die Kür war eine Augenweide (8,227 Punkte), aber nicht der Sieg.

Denn eine war mit 8,671 Punkten noch besser: Sarah Kay auf Sir Valentin an der Longe von Dina Menke. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin hatte sich für heute einiges vorgenommen: „Die ersten beiden Prüfungen liefen nicht optimal. Da wollte ich heute noch einmal alles geben!“ Kay ist bekannt für ihre Nervenstärke. Wo andere aufgeben, kann sie noch einmal eine Schippe drauflegen. Und so turnte sie eine super Kür, perfekt abgestimmt auf das Thema „Smaug“, der Drache aus dem Kinofilm „Der Hobbit“. Der Sieg in der Kür reichte jedoch nicht, um sich in der Gesamtwertung weiter nach vorne zu schieben, Rang fünf für Sarah Kay.

Platz zwei im Preis der Sparkasse ging an Derks‘ Dauerrivalin an diesem Wochenende: die Italienerin Anna Cavallaro Monaco Franze an der Longe von Nelson Vidoni. Die Weltcupsiegerin mimte einen Wolf, wurde dem Paar an der Spitze dann aber doch nicht wirklich gefährlich nach einem Wackler beim Landen im Anschluss nach einem Sprung. Platz fünf in der Kür, die drittbeste Pflicht und der Sieg in der Technik fügten sich zu einem Endergebnis von 8,047 Punkten zusammen.

Hinter der Italienerin reihten sich die weiteren Deutschen ein. Das waren neben der fünftplatzierten Sarah Kay Vorjahressiegerin Kristina Boe und die EM-Zweite von 2015, Corinna Knauf. Kristina Boes Kür auf Don de la Mar (Longe: Winnie Schlüter) war gespickt mit Schwierigkeiten, wie beispielsweise einer ganzen Drehung um die eigene Achse im Sprung. Ein Richter sah Boe technisch vorne, der andere auf Rang vier. Zusammen mit der künstlerischen und der Pferdenote bedeutete das Rang drei in der Kür mit 8,629 Punkten und ebenfalls Rang drei in der Gesamtwertung.

Corinna Knauf und ihre Schwester und Trainerin Alexandra Knauf klatschten sich zufrieden ab nach dem letzten Abgang von der bewährten Fabiola. Gut gemacht! Aber bei der starken Konkurrenz in Aachen musste sie sich in der Kür mit 8,348 Punkten und dem sechsten Platz zufrieden geben. In der Einzelwertung wurde sie Vierte.

WDR und ARD übertragen live

Das Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen, wird auch…


Das Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen, wird auch umfangreich im TV zu erleben sein. Höhepunkte sind die Eröffnungsfeier am Dienstagabend (20.15 Uhr, WDR live), der Mercedes-Benz Nationenpreis am Donnerstagabend (20.15 Uhr, WDR live) und am Finalsonntag (23. Juli) ab 11 Uhr die Live-Bilder in ARD und WDR vom Rolex Gand Prix und Deutsche Bank Preis (Dressur).

Ergänzt wird das Live-Programm durch Zusammenfassungen und Nachberichte zu den einzelnen Turniertagen – wie der berühmte Abschied der Nationen.

Dank modernster Kameratechnik – so kommt die spektakuläre „Spidercam“ ebenso zum Einsatz wie 360 Grad-Kameras – wird der CHIO Aachen 2017 auch vor Bildschirm und Monitor ein spannendes Erlebnis. 250 TV-Mitarbeiter sind vor Ort für die TV-Berichterstattung in alle Welt verantwortlich. Die nationalen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender werden über 30 Stunden vom Weltfest des Pferdesports berichten. Zu den Sportübertragungen kommen verschiedene Magazin-Formate, Nachrichtenfilme und die Beiträge des Studios Aachen, welche allesamt einen spannenden Blick hinter die Kulissen erlauben. International gibt es Übertragungen in mehr als 140 Länder.

Auch bei Eurosport werden Bilder vom CHIO Aachen 2017 zu sehen sein. Prüfungen, die nicht von WDR oder ARD übertragen werden, können online bei ClipMyHorse.TV live verfolgt werden.

www.clipmyhorse.tv

 

Die aktuellen TV-Zeiten zum CHIO Aachen 2017:

https://www.chioaachen.de/de/programm/der-chio-aachen-im-tv/

Neuss? Köln? Neuss. Haarscharfe Entscheidung im Preis der Sparkasse

Neuss Grimlinghausen versus Team NORKA vom VV Köln-Dünnwald…


Neuss Grimlinghausen versus Team NORKA vom VV Köln-Dünnwald – der Preis der Sparkasse im Gruppenvoltigieren geriet zu einem Zweikampf, wie er spannender nicht hätte sein können.

Am Ende setzten die Neusser sich mit 8,298 Punkten gegen das Kölner Team durch (8,216). Neuss siegte in der Pflicht, Köln in der Kür. Aber der Abstand in der zweiten Runde war gering mit 8,653 bzw. 8,675 Punkten. Platz drei ging wie im Vorjahr an die Gruppe C.I.M. Italy mit Hot Date Tek, longiert von Laura Carnabuci und 7,713 Punkten insgesamt. Für Deutschlands Bundestrainerin Ursula Ramge war heute schon Mittags ein Festtag mit zwei solchen Gruppen: „Das waren ganz tolle Küren von beiden Teams!“, freute sie sich.

Die Neusser zelebrierten ihre Kür zum Thema „Alice im Wunderland“. Das Team NORKA setzte auf futuristisches Design. Beide turnten mit viel Risiko. Da stockte einem bei der einen oder anderen Hebefigur schon mal der Atem! Während Neuss-Grimlinghausen mit Madita Schramm, Sophie Hofmann, Lara Schmitt, Mona Pavetic, Leon Huesgen sowie Pauline Riedl mehrheitlich Championatsneulinge an den Start gebracht hatte, turnten für Köln fast ausschließlich Athleten, die auch schon im Einzel oder Pas de deux Medaillen gewonnen haben: Thomas Brüsewitz, Torben Jacobs, Corinna Knauf, Jana Zelesny, Miro Rengel und Justin van Gerven. Das Team Neuss hat dieses Jahr eine komplett neue Besetzung in der Gruppe, aber mit Delia FRH an der Longe von Elisabeth Simon ein erfahrenes Pferd. Beim Team NORKA ist es umgekehrt – bewährtes Team, aber mit Picardo ein neues Pferd.

Angesichts dessen waren beide Mannschaftsführer äußerst zufrieden. Elisabeth Simon vom Team Neuss erklärte mit Blick auf ihr frisch zusammengestelltes Team: „Die Pflicht war super, besser können wir es im Moment noch nicht. Und wenn man den CHIO Aachen gewinnt, dann kann man ja nur happy sein!“ Patric Looser, einst selbst Weltmeister bei den Herren, betonte: „Wir sind sehr glücklich! Mit Picardo haben wir vorher nur ein einziges Mal trainiert. Angesichts dieser Minimalvorbereitung können wir auf unsere Leistung sehr stolz sein!“

Picardo war nicht das einzige Pferd, das heute ganz schön „an“ war. Kein Wunder! Bis auf den letzten Platz waren die Tribünen besetzt und die Stimmung war großartig. Viele der Zuschauer sind quasi Stammgäste am CHIO-Voltigierwochenende. Fragt man sie, was sie zum Teil seit sechs, sieben Jahren jedes Jahr wieder nach Aachen zieht, kommt die Antwort prompt: „Der CHIO ist ein Muss, wenn man Pferdefreund ist!“ Und wenn man dann noch so großartigen Sport geboten bekommt, wie heute in der ersten Entscheidung im Preis der Sparkasse.

Pferd & Sinfonie 2017 – mehr davon, bitte!

Das 13. Pferd & Sinfonie Konzert im Rahmen…


Das 13. Pferd & Sinfonie Konzert im Rahmen des CHIO Aachen steht unter einem besonderen Stern. Es ist zugleich der Abschied von Kazem Abdullah als Generalmusikdirektor der Stadt Aachen. Noch einmal zeigt der gebürtige US-Amerikaner, warum er in Aachen nicht vergessen werden wird.

Zwei Abende lang füllen die Pferd & Sinfonie-Klänge das Deutsche Bank Stadion, Freitag und Samstag. Schon das erste Konzert war ein voller Erfolg. Pünktlich zum Einlass hatte Petrus ein Einsehen und schickte Sonne statt Regen in die Soers. Das war nicht der einzige Wunsch, der an diesem Abend in Erfüllung ging. Die Hälfte der diesjährigen Stücke konnten die Zuschauer nämlich mitbestimmen. Los ging es aber mit einer Hommage an die Heimat des Dirigenten, die USA. Und weil seine eigene musikalische Karriere einst in einem Spielmannszug begann, bildete ein solcher heute auch den Auftakt für diesen besonderen Abend. Auf dem Weg zum World Music Contest (WMC) macht der Spielmannszug Rödemis Halt in der Soers. Was dieses Ensemble den Zuschauern im Deutsche Bank Stadion geboten hat, war in der Tat weltmeisterlich. Im Gleichschritt marschieren, komplizierteste Choreografien in den Sand zaubern (Inspiration für die nächste Weihnachtsquadrille im Reitverein!) und dabei noch exzellent musizieren (unter anderem „Stars and Stripes Forever“ von John Philip Sousa) – beeindruckend!

Und so, wie der Tambourmajor seinen Spielmannszug dirigiert, so ließ die Österreicherin Kerstin Brein ihre Ponys tanzen. Quadrille ohne Reiter? Das geht! Zauberei? Gewissermaßen. Im Hintergrund zelebrierte das Aachener Sinfonieorchester nämlich die Titelmelodie des Zauberers von Oz, „Somewhere over the Rainbow“. Den Gesangspart hatte keine Geringere als Sopranistin Emily Newton übernommen, die das Deutsche Bank Stadion spielend bis in den letzten Winkel mit ihrer glockenhellen Stimme ausfüllte.

Und dann wurde es wild. Mit Quarter Horses und Harleys entführte Kazem Abdullah die Zuhörer musikalisch und speedtechnisch auf die Route 66. Diese legendäre Straße hatte Michael Dagherty einst dazu inspiriert, ein Musikstück zu schreiben, das so rasant ist, wie die Vorstellung der Cowboys und Motorräder gestern im Deutsche Bank-Stadion.
Aus Amerika kommt auch noch eine Pferderasse, mit der man hierzulande sonst kaum Berührungspunkte hat: die American Saddlebred Horses. Zu dem Jazzklassiker „Take the A train“ von Billy Strayhorn bzw. Andres Reukauf stimmten sie darauf ein, was dann kommen sollte.

Als Arturo Márquez sich von kubanischen Rhythmen beflügeln ließ und den Danzon No. 2 schrieb, hätte er sich bestimmt nicht träumen lassen, wie hervorragend sein Werk sowohl zu zwei- wie auch zu vierbeinigen Tänzern passt. Aber die Barockpferde-Quadrille des Teams um die internationale Grand Prix-Reiterin Britta Rasche-Merkt und das A-Team des Tanzsportzentrums (TSZ) Aachen-Düsseldorf holten wirklich Kuba in die Soers.

Und wenn das musikalische Thema USA heißt, darf Hollywood nicht fehlen. Unter anderem der Soundtrack des cineastischen Evergreens „Rocky“ untermalte eine beeindruckende Vierspännerquadrille, bestehend aus vier Gespannen der internationalen Fahrer Daniel Würgler und Andreas Wintgens zusammen mit ihren Teams. 64 Hufe brachten das Deutsche Bank Stadion zu „Eye of the Tiger“ zum Beben.

Für ungläubiges Staunen sorgten Anne Krüger und ihre Tochter Carla, die vom Sattel mithilfe ihrer perfekt ausgebildeten Hunde ihre Laufenten auf den Millimeter genau durch die Bahn dirigierten. Perfekte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier, untermalt vom Klassiker der romantischen Musik schlechthin, Edvard Griegs „Peer Gynt“.

Wenn Wunschkonzert, dann Beethoven! Seine Sinfonie Nr. 9 mit der „Ode an die Freude“ durfte auch am gestrigen Abend nicht fehlen. Dazu ließ die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten, Isabell Werth, ihren erst zehnjährigen Sorento tanzen und stimmte damit schon mal auf den Deutsche Bank Preis in der kommenden Woche ein, wenn die besten Dressurreiter der Welt ihre Toppferde in der Grand Prix Kür präsentieren.

Aktuell regieren allerdings noch die Voltigierer in der Soers. Die bewiesen heute Abend Vielseitigkeit. Wer hätte gedacht, dass die Akrobaten nicht nur spielend leicht Flic-Flacs beherrschen, sondern auch noch passabel Fußball spielen? Zu Andreas Bouranis „Auf uns!“ (es war eben ein Wunschkonzert), gesungen von Emily Newton boten die Voltis eine Kostprobe ihres athletischen Könnens, arrangiert rund um König Fußball.

Den Abschluss bildete der „Ritt der Walküren“, für den das Team von Britta Rasche-Merkt noch einmal alles gegeben hat – inklusive Rettung der Brunhilde aus der Feuersbrunst. Nach dem Finale aller Mitwirkenden zu Pomp and Circumstances wurde das Publikum beseelt in den Abend entlassen. Danke, Kazem Abdullah!

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