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Rolex Grand Prix 2017 – ein Traum wird wahr für Gregory Wathelet

Auf der Tafel neben dem Einritt ins Soerser…


Auf der Tafel neben dem Einritt ins Soerser Hauptstadion verewigt werden – für Springreiter Gregory Wathelet wurde dieser Traum heute Wirklichkeit als er mit dem Sieg im Rolex Grand Prix des CHIO Aachen 2017 ein neues Kapitel in der Geschichte des Rolex Grand Slam aufschlug.

Zwei Umläufe, ein Stechen, ein Ziel: Der Rolex Grand Prix von Aachen. Vier Reiter hatten es ins Stechen geschafft. Für Parcoursdesigner Frank Rothenberger war der Moment zum Feiern schon gekommen, noch ehe das wichtigste Springen des Wochenendes entschieden war. „Ich war froh, dass ein Stechen zustande kam, nicht wie im letzten Jahr“, so der erfahrene Aufbauer. Im vergangenen Jahr war Philipp Weishaupt nämlich als einziger Reiter zweimal ohne Abwurf durch die Umläufe gekommen und siegte so ohne die dritte Runde gegen die Uhr bestreiten zu müssen. Das war dieses Jahr anders. Drei bis vier Reiter wollte Rothenberger im Stechen haben. Der Plan ging auf, es wurden vier: Marc Houtzager (NED) mit Sterrehof‘s Calimero, Luciana Diniz (POR) auf Fit For Fun, Gregory Wathelet (BEL) im Sattel von Coree und Laura Kraut (USA) auf Zeremonie.

Marc Houtzager und der erst zehnjährige KWPN-Wallach Calimero v. Quidam de Revel eröffneten das Stechen. Es sah ein bisschen aus wie eine Springpferdeprüfung, was die beiden da ablieferten. Die Taktik war es offenbar, fehlerfrei zu bleiben. Das gelang. In Bilderbuchmanier, aber definitiv zu schlagenden 53,66 Sekunden galoppierten die beiden über den Parcours.

Luciana Diniz und ihre zierliche Hannoveraner Stute Fit For Fun v. For Pleasure betraten die Soers in aller Seelenruhe im Schritt am hingegebenen Zügel. Stechen? Heute nicht. Zumindest sah das für Außenstehende so aus. In Wahrheit hat das System: „Das ist der Moment, in dem wir zu Ruhe und  zu unserer Kraft finden“, erklärte Diniz später. In der Mitte des Stadions angekommen, nahm die für Portugal startende Brasilianerin die Zügel auf. Fit For Fun spitzte die Ohren, war sofort auf Sendung. Und segelte förmlich über die Hindernisse. Man hat den Eindruck, der kleinen Stute müssten Flügel wachsen, um die Hindernisse zu überwinden. In einer engen Wendung auf den Mercedes-Benz Oxer rutschte sie einmal weg, ein kollektives „Oh!“ aus 40.000 Mündern. Aber Fit For Fun rettete sich über den massiven Sprung ohne in die Nähe der Stangen zu kommen und nahm sofort wieder Fahrt auf. Fehlerfrei, 47,40 Sekunden. Eine super Zeit!

Gregory Wathelet wusste: Alles oder nichts! Wie er sagte: „Hier in Aachen reicht es nicht, 100 Prozent zu geben, hier müssen es 500 Prozent sein!“ Und 500 Prozent gab nicht nur er, sondern auch seine Stute. Heute wollten beide gewinnen. Seit 2014 sind Wathelet und die elfjährige Westfälin Coree v. Cornet Obolensky ein Team. Schon „zwei- oder dreimal“ waren  sie fehlerfrei in Großen Preisen. Aber zum ganz großen Wurf hatte es bis jetzt noch nicht gereicht. Dass Coree jedoch alle Möglichkeiten hat, das weiß Wathelet: „Wenn sie so ist wie heute, kann sie alles springen. Das Gefühl war super. Ich hatte eine gute Anlehnung und gute Kontrolle. Sie wurde heute von Runde zu Runde besser, gewann an Selbstvertrauen.“ Und so galoppierten sie an zum entscheidenden Stechen. Wathelet ging volles Risiko, nahm die Wendungen so eng, wie der Boden es nur zuließ und Coree gab alles. Als die beiden über das letzte Hindernis segelten, den Rolex Oxer, stoppte die Uhr bei 46,60 Sekunden. Führung! Jubel! Aber noch war die Entscheidung nicht gefallen.

Eine Reiterin war da noch, die Wathelet den Sieg hätte streitig machen können: Laura Kraut auf der Holsteiner Cero-Tochter Zeremonie. Die beiden gaben sich die größte Mühe, aber um Wathelet einzuholen, reichte die Zeit einfach nicht. Und dann fiel am letzten Hindernis auch noch eine Stange. Platz vier. Und der Sieg für Gregory Wathelet. Endlich! 2015 feierte er bei den Europameisterschaften in der Soers mit der Silbermedaille seinen größten Einzelerfolg. Und nun ist er der nächste Anwärter auf den Rolex Grand Slam. Wobei, davon wollte der sympathische Belgier erst einmal nichts wissen: „Jetzt genieße ich erst einmal diesen Erfolg! Und heute Abend unternehme ich etwas zusammen mit meinem Team. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, damit, dass ich nun dort auf dieser Tafel stehen werde. Nur, da wird nur mein Name stehen. Aber dahinter steht ein ganzes Team und natürlich mein fantastisches Pferd.“

Zwar reitet Gregory Wathelet Coree erst seit 2014. Aber er kennt sie schon wesentlich länger: „Ich habe die Stute schon beobachtet, seit sie sechs-, siebenjährig ist. Damals gehörte sie dem Haras de Hus, für das ich andere Pferde geritten habe. Der Plan war, sie achtjährig zu übernehmen.“ So wurde es gemacht. Allerdings war immer klar, dass die Stute eines Tages verkauft werden sollte. Wathelet erkannte, was für ein Juwel er da unter dem Sattel hatte. Und in Judith Gölkel fand er eine Mäzenin, die ihm die Stute kaufte. Eine Weitsicht, die sich für beide Seiten bezahlt gemacht hat.

Auch wenn er jetzt erst einmal diesen Sieg genießt, geht für Gregory Wathelet die Rolex Reise nun weiter. Nächste Station Spruce Meadows. Am 10. September geht es dort um den nächsten Rolex Major. Der Tag ist gleichzeitig Wathelets 37. Geburtstag. Ein Sieg im zweiten Major in Folge wäre doch ein tolles Geschenk! Und so ging sein Blick schon ein bisschen voraus: „Es ist großartig, was Rolex für den Sport tut. Im Rolex Grand Slam sind vier prestigeträchtige Turniere vereint, eine großartige Herausforderung. Heute Abend feiern wir erst einmal den Sieg in Aachen und dann machen wir uns an die Planungen für den Rolex Grand Slam of Show Jumping.“

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SAP-Preis in die USA

Zwei ausgesprochene Routiniers sicherten sich heute den SAP-Preis:…


Zwei ausgesprochene Routiniers sicherten sich heute den SAP-Preis: der zweifache Mannschaftsolympiasieger McLain Ward und HH Carlos Z.

Die 60,21 Sekunden vom amtierenden Weltcupsieger Ward zusammen mit dem 15-jährigen Zangersheider Wallach HH Carlos Z v. Chellano Z waren nicht zu unterbieten. Auch wenn Felix Hassmann und der zwölfjährige, in Brasilien gezogene Schimmel SL Brazonado v. SL Baluarte sich alle Mühe gaben. 60,80 Sekunden lautete ihre Zeit. Rang drei ging an den Chilenen Samuel Parot auf einem weiteren Zuchtprodukt des Stutbuchs Zangersheide: Atlantis v. Andiamo (61,60 Sekunden).

Der Sieger kommentierte nach seinem Ritt: „Ich war achter Starter der Prüfung. Aber es war für mich kein Nachteil, früh dran zu sein. Carlos ist so ein erfahrenes und schnelles Pferd, dass ich mir die anderen Reiter nicht anschauen musste. Er ist 15 Jahre alt, aber er ist in großartiger Verfassung. Dieses Jahr habe ich sechs Weltranglistenspringen in Calgary mit ihm gewonnen sowie den Großen Preis von Falsterbo. Ich werde ihn auchbeim CSIO Dublin kommende Woche reiten. Ich bin glücklich, diese Prüfung gewonnen zu haben und ich hoffe, dass mein Glück anhält.“

Lorenzo de Lucas Jeunesse van‘t Paradijs gewinnt Finale des Sparkassen-Youngsters-Cup

Einen sehr passenden Namen trägt die Siegerin der…


Einen sehr passenden Namen trägt die Siegerin der Entscheidung im Sparkassen-Youngsters-Cup, übersetzt etwa „die Jugend aus dem Paradies“. Ihr Reiter prophezeit ihr eine große Zukunft.

Noch ehe das Finale im Sparkassen-Youngsters-Cup entschieden war, ahnte man schon, dass die 39,46 Sekunden im Stechen von Lorenzo de Lucas Jeunesse van‘t Paradijs nicht einzuholen sein würden. Und so war es denn auch. Für den Reiter aus Italien keineswegs eine Überraschung: „Sie ist eine fantastische Stute. Ich reite sie nun fast ein Jahr. Mein erstes großes Turnier mit ihr waren die Weltmeisterschaften siebenjährigen Springpferde, wo wir uns fürs Finale qualifiziert, dann aber einen Abwurf hatten. Aber schon da wusste ich, dass sie wirklich außergewöhnlich ist. Sie hat viel Vermögen und ist extrem vorsichtig. Obwohl sie sehr sensibel ist, ist sie einfach zu reiten. Vom ersten Tag an war sie überhaupt nicht beeindruckt von dem Stadion.“

All ihre positiven Eigenschaften wurden Jeunesse van‘t Paradijs gewissermaßen in die Wiege gelegt. Im Pedigree der achtjährigen BWP-Stute reiht sich ein internationaler Sieger an den nächsten. Ihr Vater Emerald ist eines der Spitzenpferde des Niederländers Harrie Smolders. Muttervater Heartbreaker war nicht nur sportlich hoch erfolgreich, sondern hat sich als Vererber Legendenstatus erarbeitet. Dasselbe gilt für Urgroßvater Nabab de Reve. Und ähnlich erfolgreich geht es weiter im Papier der Sparkassen-Youngsters-Cup-Siegerin. Mit so einem Talent unter dem Sattel kann man sich eine Taktik wie die von de Luca leisten: „Ich bin sehr schnell geritten, weil ich wusste, dass ich es muss, mit den Reitern, die noch nach mir kommen, muss ich so schnell sein wie nur irgend möglich.“

Immerhin 14 Paare hatten es ins Stechen dieser wichtigsten Youngster-Prüfung für die Springpferde beim CHIO Aachen 2017 geschafft, von denen neun dann auch im Stechen fehlerfrei blieben. Platz zwei ging nach einer 40,26 Sekunden-Runde an Meredith Michaels-Beerbaum mit dem achtjährigen Westfalen Calle v. Carell-Capitalist. Auch sie ist voll des Lobes: „Er ist phänomenal. Ich habe ihn noch nicht lange, das ist erst sein viertes Turnier mit mir. Das Stadion und das Licht haben ihn nicht beeindruckt er sprang den Parcours locker und hatte keine Probleme mit dem großen Wassergraben. Ich denke, er ist wirklich bereit für den nächsten Schritt und kann größere Springen gehen.“

Auf Rang drei reihte sich Sccott Brash mit dem KWPN-Wallach Hello Senator ein, wie die beiden vor ihm Platzierten acht Jahre jung. Der Carambole-Indoctro-Sohn erreichte das Ziel nach 41,22 Sekunden.

Christian Ahlmann Schnellster im Springen mit Siegerrunde

Nach Platz zwei im Preis von Nordrhein-Westfalen war…


Nach Platz zwei im Preis von Nordrhein-Westfalen war Christian Ahlmann schon wieder halbwegs versöhnt mit einem Aachen-Wochenende, auf dass er sich so gefreut hatte und das so gar nicht wunschgemäß begann. Nach dem heutigen Tag dürfte er noch ein Stückchen glücklicher sein.

Im Sattel des in den vergangenen Monaten stets sehr erfolgreichen Zangersheiders Caribis Z sicherte sich Ahlmann die Springprüfung mit Siegerrunde. Für letztere benötigte Ahlmanns Schimmelhengst gerade mal 44,33 Sekunden. Damit ließ er die Selle Francais-Stute Ulysse des Forets des Schweizer Olympiasiegers Steve Guerdat locker hinter sich, die nach 44,54 Sekunden ins Ziel kam. Irlands Spezialist für schnelle Runden, Bertram Allen, musste sich auf seiner 13-jährigen Kannan-Tochter Molly Malone V nach strafpunktfreien 44,81 Sekunden mit Rang drei begnügen.

Ahlmann war nicht der einzige deutsche Reiter im Geld. Platzieren konnten sich auch Laura Klaphake auf Silverstone G an achter Stelle (4/46,23), Christian Kukuk und Limonchello NT auf Rang neun (4/46,23) sowie Felix Haßmann auf Balzaci als Zehnter (4/46,96).

Finale von Deutschlands U25 Springpokal der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport, Preis der Familie Müter an Maurice Tebbel

In Deutschlands U25 Springpokal werden Parcourshelden von Morgen…


In Deutschlands U25 Springpokal werden Parcourshelden von Morgen gemacht. Das Finale beim CHIO 2017 ging an Maurice Tebbel, einen, der seit Donnerstag bereits zu den ganz Großen zählt.

Maurice Tebbel, 23 Jahre jung, hatte am Donnerstag Abend mit zwei Nullrunden maßgeblich zum deutschen Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis beigetragen. Heute ging es wieder um eine Entscheidung, das Finale von Deutschlands U25 Springpokal der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport, Preis der Familie Müter. Für dieses Springen hatte Tebbel auf die junge Garde in seinem Stall gesetzt, den erst achtjährigen Rheinländer Hengst Don Diarado v. Diarado. Vorsichtig, vermögend und kein bisschen guckig, so beschreibt Tebbel seinen Hengst. Also alles, was das Springreiterherz sich wünschen kann. Und Maurice steuerte den Braunen routiniert über alle Klippen des wirklich anspruchsvollen Drei-Sterne-Parcours. Sechs Paare hatten das Stechen erreicht, der Sieger kam fast drei Sekunden schneller ins Ziel als seine Konkurrenten.

Platz zwei belegte Marisa Braig im Sattel des Zangersheider Wallachs Pablito van Erpekom v. Pablo v. Berkenbroeck mit einer fehlerfreien 52,07 Sekunden-Runde. Dank einer ebenfalls fehlerfreien Runde reihte sich Alexander Potthoff trotz der langsamsten Zeit der Stechteilnehmer (55,92 Sekunden) mit der Oldenburger Quidam‘s Rubin-Tochter Quinara als Dritter ein.

2017 ist Maurice Tebbels Aachen-Jahr, könnte man sagen. Erst der Nationenpreis und heute nun das Finale im U25 Springpokal. „Hier in Aachen ein Springen zu gewinnen, das ist immer etwas besonderes!“, so der überwältigte Sieger.

 

Jedem eine Chance

Heinrich-Hermann Engemann, der die deutschen Springreiter zusammen mit Otto Becker als Bundestrainer betreut, sagt: „Wir haben in Deutschland das Glück, dass wir viele Nachwuchsreiter haben, die aus Pferdefamilien kommen. Das macht vieles einfacher. Von einigen Teilnehmern in dieser Prüfung sind schon die Eltern in Aachen geritten.“ So auch vom Sieger. Engemann weiß aber auch: „Die Konkurrenz bei uns ist unheimlich groß. Es gibt sehr viele talentierte junge Reiter und wir versuchen, ihnen allen eine Chance zu geben. Serien wie der U25 Springpokal bieten allen die Möglichkeit, sich zu beweisen.“ Der Erfolgstrainer berichtet, dass viele Equipechefs anderer Nationen Deutschland um das nahtlose Fördersystem beneiden, das die Reiter vom Children- und Ponyalter bis in die Weltspitze begleitet. Die U25-Tour ist sozusagen das Bindeglied zwischen der Junge Reiter-Zeit und dem ganz großen Sport. Maurice Tebbels Aachen-Bilanz und auch die weiteren Erfolge der bisherigen Sieger in Deutschlands U25 Springpokal (z.B. Denis Nielsens Deutscher Meister-Titel 2015 und Guido Klattes sechster Platz beim Weltcup-Finale 2017) sind das beste Beispiel, dass das funktioniert.

Was man mitbringen muss, wenn man ganz nach oben will? „Ganz ohne Talent geht es nicht“, betont Engemann. „Man kann Reiten lernen. Aber man braucht auch Instinkt. Es ist nicht alles planbar. Vieles muss man auch intuitiv entscheiden. Dieses Bauchgefühl ist ganz wichtig. Hinzu kommt die Bereitschaft, für den Erfolg zu arbeiten, Konsequenz und auch die Fähigkeit, Selbstkritik zu üben. Die Persönlichkeit spielt eine nicht unerhebliche Rolle.“

Der „Master of Faster“ siegt im Preis von Nordrhein-Westfalen

Der US-Amerikaner Kent Farrington ist die Nummer eins…


Der US-Amerikaner Kent Farrington ist die Nummer eins der Weltrangliste der Springreiter und bekannt für schnelle Stechen. Warum, hat er beim CHIO Aachen im Preis von Nordrhein-Westfalen am Freitag eindrucksvoll demonstriert.

Wo andere zaudern, gibt Kent Farrington noch einmal Gas. Und mit dem 16-jährigen KWPN-Wallach Uceko v. Celano hat er ein Pferd unter dem Sattel, dem diese Taktik liegt: „Er hat einen großen Galoppsprung und kann jedes Hindernis aus vollem Tempo nehmen“, beschreibt Farrington die Vorzüge seines Schimmels. „Daher liegen Grasplätze wie dieser ihm.“ Und so sicherte sich dieser eigentlich eher kleine und unauffällige Wallach im Preis von Nordrhein-Westfalen seinen ersten großen Sieg in Aachen. 46,65 Sekunden benötigten die beiden für den zweiten Umlauf. Wenn es nach Farrington geht, erst der Anfang – als er anschließend zur Pressekonferenz erschien, bat er Turnierleiter Frank Kemperman, seinen Namen doch gleich auf dem Podium stehen zu lassen für alles, was da noch kommt …

Platz zwei im Parcours-Highlight des CHIO-Freitags hat Christian Ahlmann heute mit einem bescheidenen Start ins Turnier versöhnt. Am Mittwoch waren er und sein 17-jähriges Erfolgspferd Taloubet Z nämlich – wie einige andere Kollegen auch – Opfer des Unwetters geworden, das sich über NRW entlud. Taloubet war so geschockt, dass er zweimal verweigerte. Eigentlich völlig untypisch für diesen Galoubet A-Sohn, mit dem Ahlmann bereits so ziemlich alles gewonnen hat! „Das war so schade! Er ist super in Form, wie ein junges Pferd. Und ich hatte mich auf dieses Wochenende so gefreut!“ Zu Recht, wie er dann ja heute mit einer fehlerfreien 47,14 Sekunden-Runde zeigen konnte.

Gerade mal sechs hundertstel Sekunden langsamer und damit Dritte war bei ihrem Soers-Debüt die Deutsche Meisterin Simone Blum. Nachdem ihr Spitzenpferd, die zehnjährige Askari-Tochter DSP Alice sich bei einem anderen Turnier leicht vertreten hatte, stand ein Fragezeichen über ihrem ersten Aachen-Start. Umso glücklicher sei sie nun, hier an den Start gehen zu können und über die heutige Platzierung. Und ihr Pferd auch, auch wenn die Fuchsstute auf dem Abreiteplatz doch noch recht beeindruckt von der Kulisse war, wie ihre Reiterin verriet. „Aber die Siegerehrung hat sie sehr genossen!“ Und das ist ja die Hauptsache!

Cian O‘Connor gewinnt sein Lieblingsspringen, den Preis der Sparkasse

Das Jagdspringen über Gräben und Wälle um den…


Das Jagdspringen über Gräben und Wälle um den Preis der Sparkasse ist eine jener Besonderheiten, die das Weltfest des Pferdesports, den CHIO Aachen, ausmachen. Der Sieger 2017 kommt aus einem Land, in dem Jagdreiten Tradition hat und heißt Cian O‘Connor.

Der Ire erklärte, er habe diese Prüfung schon „vier- oder fünfmal“ gewonnen, so genau weiß er das selbst nicht mehr. Aber eines weiß er ganz genau: „Ich liebe diese Art traditioneller Springen mit Naturhindernissen. Und das Publikum findet es auch super. Das ist wichtig! All das macht Aachen zu dem ohne Zweifel besten Turnier der Welt!“

Partner seines heutigen Erfolgs war der zwölfjährige, in der Schweiz gezogene Conteur-Sohn Copain du Perchet CH, ein Pferd, von dem Cian O‘Connor sagt: „Er springt gerne über Naturhindernisse, kann aber auch die Große Tour gehen, ein echter Allrounder.“ Sein größter Vorteil sei sein großer Galoppsprung. „Ich kann immer einen Galoppsprung weniger machen, ohne dass er die Balance verliert.“ Das spart Zeit. Seine heutige Bestzeit: 68,42 Sekunden.

Rang zwei ging nach einer 68,70 Sekunden-Runde an Philipp Rüping und Chalypsa, die am Mittwoch schon den Preis des Handwerks hatten für sich entscheiden können. Danach hatte Rüping erklärt, Zeitspringen seien genau das Ding seiner Mecklenburger Chacco-Blue Tochter. Und er selbst freute sich, bei seinem ersten Aachen-Start direkt eine goldene Schleife eingeheimst zu haben. Nun hat er auch noch eine silberne.

Dritter wurde der Chilene Samuel Parot im Sattel des Selle Francais-Wallachs Quick du Pottier v. Hurlevant de Breka in 70,36 Sekunden.

Mercedes Benz-Nationenpreis – Deutschland macht‘s nochmal!

In Aachen werden Geschichten geschrieben und Helden gemacht!…


In Aachen werden Geschichten geschrieben und Helden gemacht! So wie am Abend des Mercedes-Benz Nationenpreises beim CHIO Aachen 2017, als Deutschland zum zweiten Mal hintereinander diese Traditionsprüfung gewinnen konnte.

Und wie! Keinen einzigen Fehlerpunkt musste sich die Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker anrechnen lassen. Becker hatte heute auf drei erfahrene Paare gesetzt – Marcus Ehning mit Pret a Tout, Philipp Weishaupt und LB Convall, Marco Kutscher mit Clenur – sowie einen Youngster: Maurice Tebbel, 23 Jahre jung. Sein Pferd: Chacco‘s Son, auch erst zehnjährig. Diese beiden avancierten heute Abend zu den Helden von Aachen. Doppelnull beim ersten Nationenpreis-Auftritt in der Soers! Nicht mal in die Nähe einer Stange kamen sie. Es war, als wüsste Chacco‘s Son, worum es geht. Die Rechnung des Bundestrainers war aufgegangen. „Es ist einfach unglaublich!“, freute er sich, „ich bin so stolz auf die Truppe! Hier in Aachen zu gewinnen, ist einfach etwas Besonderes. Und Maurice – als er zum zweiten Mal null durchs Ziel ritt, musste ich mir fast ein Tränchen wegwischen.“ Es war ein emotionaler Abend in Aachen.

Vor allem auch für Maurice Tebbel. Schon im ersten Umlauf riss er nach dem letzten Hindernis die Arme jubelnd in die Luft und anschließend seinem Chacco‘s Son um den Hals. „Man träumt natürlich davon, aber wenn es dann so gut läuft, das ist einfach unbeschreiblich.“ Maurice konnte es offenbar noch gar nicht so richtig glauben, was da gerade passiert war. Zumal er bei der Besichtigung des Parcours vor allem einen Gedanken hatte: „Hoch!“ Da sei man froh, ein Pferd wie Chacco‘s Son zu haben, zollte er seinem vierbeinigen Partner Respekt. Die beiden kennen sich in- und auswendig. Als Fohlen kam der Hengst zu Tebbels. Maurice hat ihn selbst bei der Körung vorgestellt und ihn über Jungpferdeprüfungen in den großen Sport gebracht. Schon im vergangenen Jahr waren sie hier in Aachen in der großen Tour am Start und wurden auf Anhieb Zweite im Preis von Nordrhein-Westfalen. Und nun saß er auf dem Podium der Pressekonferenz des Mercedes-Benz Nationenpreises, Seite an Seite mit seinem großen Vorbild Marcus Ehning. Als Sieger. Mehr geht nicht. Außer vielleicht am Sonntag. Denn dann wird er im Rolex Grand Prix erneut angreifen.

Marcus Ehning war nicht minder glücklich über seine zwei fehlerfreien Runden mit Pret a Tout. Aber er kennt diese Situation ja schon, 2016 lief es nämlich genau so. Ach nein, nicht ganz: „Es ist eine Schande, dass Ludger (Beerbaum, Anm. d. Red.) nicht mehr dabei ist! Jetzt bin ich der älteste hier!“

Ein „rundum perfekter Tag“ war dies heute vor allem auch für Philipp Weishaupt. Der hatte nämlich auch noch Geburtstag und stellte fest: „Dieser Sieg ist das beste Geburtstagsgeschenk ever!“ Außerdem haben sicherlich noch nie 40.000 Leute für ihn „Happy Birthday“ gesungen, so wie heute, als er auch das letzte Hindernis im zweiten Umlauf fehlerfrei überwunden und damit den Sieg für Deutschland gesichert hatte. Darüber hinaus sah sein fantastischer L.B. Convall so aus, als könne er am Sonntag seinen Vorjahreserfolg im Rolex Grand Prix von Aachen definitiv noch einmal wiederholen.

Einzig bei Marco Kutscher und Clenur lief es nicht so richtig rund. Zu Abwürfen gesellte sich im ersten Umlauf auch noch eine Verweigerung am Wassergraben. Kutscher nahm es mit Humor: „Ich muss mich bei meinen Teamkollegen bedanken. Mein Job war es heute, das Ganze spannend zu machen!“

 

Pattsituation

Platz zwei teilten sich zwei Teams, die USA und die Schweiz mit jeweils acht Fehlerpunkten. Nachdem in Runde eins noch einige Teams mit fehlerfreien Ritten glänzten, häuften sich die Fehler in Runde zwei. Allerdings waren die Reiter sich einig, dass der Parcours von Frank Rothenberger zwar knifflig, aber fair war.

Für die Schweiz ritten Werner Muff auf Daimler (0/0), Martin Fuchs mit Clooney (4/8), Nadja Peter Steiner mit Saura de Fondcombe (0/8) sowie Steve Guerdat und Hannah (0/0). Equipechef Andy Kistler betonte, wie stolz er auf sein Team sei, vor allem die Quotenfrau im Team. Für sie war es nämlich der allererste Aachen-Start. „Klar wäre es super gewesen, zu gewinnen. Aber Platz zwei ist auch fantastisch!“, so Kistler.

Das sah auch Robert Ridland, der Equipechef der USA, so. Er hatte Kent Farrington aus Gazelle (8/0), Elizabeth Madden mit Coach (8/8), Laura Kraut auf Zeremonie (0/0) sowie McLain Ward mit HH Azur (0/0) an den Start gebracht. Sein Fazit stand für das, was 40.000 Zuschauer mit nach Hause genommen haben: „Was wir hier gesehen haben, war Sport auf dem allerhöchsten Niveau. Besser geht es nicht. Und wir sind dankbar, dabei sein zu können!“

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STAWAG-Preis an die Aachen-Liebhaberin Beezie Madden

Ja, der Parcours im STAWAG-Preis hatte seine Tücken,…


Ja, der Parcours im STAWAG-Preis hatte seine Tücken, gab die US-Amazone Elizabeth „Beezie“ Madden zu. Gleichwohl war sie diejenige, die die Klippen am besten zu umschiffen wusste.

Im Sattel des elfjährigen Quintero-Sohnes Breitling LS nahm die zwiefache Mannschafts-Olympiasiegerin der Konkurrenz fast drei Sekunden ab. Fehlerfrei in 66,01 Sekunden fegten die Gäste aus Übersee durch die Soers. „Ich liebe Aachen, es ist immer eine Ehre hier reiten zu dürfen. Und hier zu gewinnen, ist etwas ganz besonderes“, so Madden.

Der aktuell supererfolgreiche Felix Haßmann hatte seinen Westfalen Balzaci gesattelt, mit dem er bei seinen zwei letzten Turnieren jeweils den Großen Preis gewinnen konnte. Für den Sieg reichte es heute nicht, aber für die silberne Schleife nach fehlerfreien 68,59 Sekunden.

Rang drei ging an eine weitere Reiterin aus den USA, Laura Kraut, auf der KWPN-Stute Whitney, einer Indoctro-Tochter, die den Parcours ohne Abwurf und nach 69,86 Sekunden beendete.

Das zweit- und drittbeste deutsche Ergebnis lieferten übrigens die Shooting Stars des deutschen Springsports, Laura Klaphake und Maurice Tebbel.

Tebbel und die Hannoveraner Calmé-Tochter Camilla PJ wurden Sechste. Laura Klaphake und Silverstone G v. Diamant de Semilly belegten Rang acht. Am Morgen hatte Co-Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann noch geschwärmt: „Das ist eine Augenweide, wie die da drüber springen!“ Ganz offensichtlich sieht es nicht nur gut aus, sondern ist auch erfolgreich!

Philipp Weishaupt und „die Intelligente“ im Sparkassen-Youngsters-Cup vorn

Wie war das? Ein gutes Pferd springt nur…


Wie war das? Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss? Philipp Weishaupt kann das bestätigen. Mit Call me Eva hat er nämlich genau so ein Pferd unter dem Sattel. Die bescherte dem Rolex Grand Prix-Sieger von 2016 heute im Sparkassen-Youngsters-Cup einen weiteren Triumph in der Soers.

Acht Jahre alt ist die Hannoveraner Chacco-Blue-Tochter Call me Eva. Seit zwei Jahren hat Philipp Weishaupt sie unter dem Sattel. „Sie ist kein Pferd, das unheimlich abfliegt“, so der Bereiter im Stall Beerbaum in Reitersprache. Mit anderen Worten: Call me Eva springt nicht spektakulär, sondern rational. Und genau das ist ihre Stärke: „Sie ist unheimlich intelligent, richtig clever!“ Auf diese Art und Weise siegte sie heute mit einer fehlerfreien 60,29 Sekunden-Runde in der zweiten Teilprüfung des Sparkassen-Youngsters-Cup, der über insgesamt drei Prüfungen geht.

Das Nachsehen hatte – wie auch schon in der ersten Prüfung am Mittwoch – Belgiens Gregory Wathelet auf dem hoch talentierten Holsteiner Sandro Boy-Sohn Sandero (0/60,90). Dritter wurde der große Sieger von gestern, Kanadas Eric Lamaze, auf der BWP-Stute Jewel v. Kannan (0/62,84).

Der Sieger vom Mittwoch, Spaniens Sergio Alvarez Moya auf dem erst siebenjährigen KWPN-Wallach G & C Wolf v. Harley hatte heute einen Abwurf. Der Reiter hatte am Mittwoch erklärt, dass er in Aachen die Qualität der Pferde erkennen könne. Ähnlich sieht es auch der Sieger von heute, Philipp Weishaupt: „Es ist ganz unterschiedlich, wie die Pferde auf das Aachener Stadion reagieren. Manche genießen es, hier richtig galoppieren zu können. Andere werden schüchtern. Und meiner Erfahrung nach ändert sich das auch nicht mehr großartig.“ Call me Eva gehöre definitiv zu der Sorte, der solche Rasenplätze liegen. Weishaupt ist überzeugt: Das wird eine für die große Tour!

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