Springen

Newsfeed

MARCUS EHNING SIEGT IM ROLEX GRAND PRIX: “DAS BLEIBT FÜR IMMER!”

Was Marcus Ehning heute im Rolex Grand Prix…


Was Marcus Ehning heute im Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen 2018 gezeigt hat, war nicht nur der Ritt zum Sieg. Es war eine Demonstration schönen Springreitens, Werbung für den Pferdesport und ein bisschen auch der Verdienst des „besten Publikums der Welt“, wie Ehning die Aachener bezeichnet.

Unter den 40 Paaren auf der Starterliste für den Rolex Grand Prix 2018 waren elf Deutsche. Drei schafften es in den zweiten Umlauf: das Rolex Grand Prix-Siegerpaar 2016, Philipp Weishaupt und L.B. Convall, sowie die Nationenpreishelden Marcus Ehning mit Pret a Tout und Maurice Tebbel auf Chacco’s Son. Marcus Ehning musste als erster ran und lieferte schon hier einen fehlerfreien Ritt fürs Lehrbuch. Philipp Weishaupt und Convall hatten einen ärgerlichen Fehler gleich im ersten Drittel des Parcours. Maurice Tebbel und Chacco’s Son hatten einen perfekten Lauf und sahen schon wie das sechste Paar fürs Stechen aus. Doch am letzten Sprung traf Tebbel die falsche Entscheidung, analysierte Bundestrainer Otto Becker anschließend. Sein Hengst kam etwas zu dicht ans Hindernis, die Stange fiel. Aus der Rolex-Traum.

 

Das Stechen

 

Da waren es nur noch fünf im Stechen. Außer Ehning, dessen bislang einziger Sieg im Großen Preis von Aachen zwölf Jahre her ist, noch der Ire Darragh Kenny auf Babalou, der Brasilianer Pedro Veniss auf Quabri de L’Isle, der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat mit Bianca und die Vorjahres-Zweite Luciana Diniz auf ihrer Superstute Fit For Fun. Darragh Kennys Oldenburger Balou du Rouet-Tochter Babalou hatte ihren Reiter im zweiten Umlauf an der zweifachen Kombination gerettet, als der sich beim Anreiten verschätzt hatte und die Stute anscheinend 1000 Beine bekam, um sich über die Sprünge zu retten. Sie schaffte es. Aber im Stechen schien sie die Kraft verlassen zu haben: drei Abwürfe.

Pedro Veniss und Quabri de L’Isle waren nach ihrem Sieg im Rolex Major von Genf 2016 als Anwärter auf den Rolex Grand Slam zum CHIO Aachen 2017 gereist. Sie konnten aber im Grand Prix nicht antreten, weil der Hengst sich während des Turniers verletzt hatte. Jetzt standen sie im Stechen und hatten die Chance, den Grand Slam erneut in Angriff zu nehmen. Das gelang: fehlerfrei in 41,62 Sekunden. Eine Zeit, die zu schlagen sein würde? Die Antwort gaben rund eine Minute später Marcus Ehning und Pret  a Tout.

Die beiden wurden mit frenetischem Applaus im Stadion begrüßt. Rhythmisch klatschend begleiteten die Aachener den Publikumsliebling an den Start. Womöglich hatte das einen Anteil am späteren Erfolg, denn Pret a Tout liebt die Aufmerksamkeit, verriet Marcus Ehning später: „Wenn er in den Parcours reinkommt und hört das Publikum, ist das ein Ansporn für ihn.“ Es hat gewirkt. Wie an der Schnur gezogen cruisten Ehning und der 15-jährige Selle Français-Wallach Pret a Tout über den Stechparcours – eben Ehning-Style: Unaufgeregt, einfach zügiges Galoppieren auf den kürzesten Wegen. Bei 38,34 Sekunden stoppte die Uhr. Aber noch war nichts entschieden.

Olympiasieger Steve Guerdat ist schließlich nicht gerade bekannt dafür, auf Sicherheit zu reiten. Und mit seiner schwedischen Balou du Rouet-Tochter Bianca hat er ein grundschnelles Pferd unter dem Sattel. Doch schon am dritten Oxer bekam die Stute eine Stange zwischen die Beine.

Dann Luciana Diniz und Fit For Fun. Es gehört zum Ritual der beiden, dass sie im Schritt am hingegebenen Zügel zum Start reiten. Ein letzter Moment der Stille, der Konzentration. Im vergangenen Jahr waren sie schon Zweite. Nun wollten sie es wissen. Sie wussten, was zu tun war. Luciana Diniz: „Ich habe Marcus reiten sehen und mir vorgenommen, so mache ich es auch.“ Das klappte bedingt. Die Stangen blieben liegen. Aber an die Zeit von Pret a Tout kam Diniz‘ kleines Springwunder heute nicht heran: 40,96 Sekunden. Diniz trug es mit Fassung: „Ich bin sehr glücklich über Platz zwei. Und es gibt mir Motivation, es weiter zu versuchen.“

 

Ein Sieg für die Ewigkeit

 

Und Marcus Ehning? Der hat nun seinen Kindeskindern etwas zu erzählen: „Das ist eine Sache, die für immer bleibt!“ Ansonsten ist er eben ein echter Horseman: „Mein Dank gilt in erster Linie meinem Pferd. Er hat einen unglaublich guten Charakter und kennt seinen Job!“ Üblicherweise bedanken die erfolgreichen Sportler sich dann auch noch beim Sponsor, dank dem Marcus Ehning heute 330.000 Euro mit nach Hause nimmt. Er tat das auch, gab aber zu: „Da bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich Rolex sehr dankbar, dass sie das hier ermöglichen. Auf der anderen Seite fallen die Stangen an den Rolex-Hindernissen einfach viel zu leicht!“ Das nächste Mal kann er sein Glück an den grün-gelben Sprüngen versuchen, wenn er Ende September in Spruce Meadows als Anwärter im „Rolex Grand Slam of Show Jumping“ an den Start gehen sollte. Das hatte er eigentlich gar nicht geplant gehabt. Nun muss umdisponiert werden. Aber das hat Zeit. Jetzt wird erst mal dieser Erfolg genossen nach einem CHIO Aachen mit insgesamt 362.000 Zuschauern und fantastischem Sport.

 

Unter den 40.000, die sich heute mit Marcus Ehning gefreut haben, war einer, der besonders mitgefiebert hat: Bundestrainer Otto Becker. „Ich gönne es Marcus! Er ist unheimlich wichtig fürs Team und war Donnerstag ein wichtiger Baustein“, spielte er auf den Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis an (dem dritten in Folge, jedesmal mit Marcus Ehning und Pret a Tout in der Mannschaft). „Außerdem macht er das mit dem Management der Pferde vom Allerfeinsten!“

Es soll ja Leute gegeben haben, die vor Aachen von einer Krise des deutschen Springsports gesprochen haben. Otto Becker: „Die Krise kann weitergehen!“ Zum Beispiel in Spruce Meadows beim nächsten Major des Jahres.

O-Töne: Rolex Grand Prix

Marcus Ehning (GER) „Pret a Tout hat einen…


Marcus Ehning (GER)

„Pret a Tout hat einen unglaublich guten Charakter. Er kennt seinen Job, er kennt die Höhen und er hat es mir heute wirklich sehr einfach gemacht. Für ihn ist es ein zusätzlicher Ansporn, wenn er hier in dieses riesige Stadion kommt und von dem Publikum angefeuert wird. Es gibt kein besseres Publikum als hier in Aachen!“

„Das Stechen lief super für mich. Zwei Sachen muss ich jedoch noch loswerden: Ich bin sehr dankbar, dass Rolex für uns Reiter diesen großartigen Preis sponsert. Die Rolex-Sprünge allerdings sind für uns Reiter furchtbar (schmunzelt).“

„Heute war unser Tag. Ich hatte schon eine sehr gute erste Runde, eine phantastische zweite Runde und ein Stechen ganz nach meinem Geschmack. Die erste Runde war eindeutig schwieriger als die zweite, in beiden gab es viele Sprünge. Für mich war der Wettbewerb aber heute anscheinend wie gemacht! Meine Nervosität war am größten, als ich den Ritt von Luciana im Stechen verfolgt habe. Mein Pferd ist allerdings in einer super Verfassung! Das habe ich auch schon beim Mercedes-Benz Nationenpreis gespürt.“

„Ich werde jetzt erst einmal in Ruhe darüber nachdenken, ob ich in Calgary starten werden, denn auch die Weltreiterspiele in Tryon stehen ja an. Nun ist die Situation eine neue. Eine Entscheidung treffe ich aber nicht heute Abend.“

Luciana Diniz (POR)

„Fit for Fun war sehr gut und es war phantastisch hier in Aachen zu sein, am Rolex Grand Prix teilzunehmen. Ich habe Marcus‘ Ritt im Stechen gesehen und habe ihn als Vorbild genommen und wollte es noch besser machen. Zum Schluss hat es dann nur für den zweiten Platz gereicht. Jetzt habe ich beim Rolex Grand Prix insgesamt schon drei Mal den zweiten Platz erreicht. Vielleicht reicht es ja beim nächsten Mal für den ersten (schmunzelt).

Pedro Veniss (BRA)

„Es ist sehr gut für uns gelaufen. Für mich ist ein Traum wahr geworden, hier in Aachen zu reiten. Denn es ist das erste Mal, dass ich hier teilnehme. Daher bin ich mit meinem heutigen Ergebnis natürlich sehr, sehr glücklich!“

CHIO Aachen: Margie Goldstein-Engle siegt im SAP-Preis, Michael Kölz Zweiter

Der Bronzegewinner der Deutschen Meisterschaften der Springreiter 2018,…


Der Bronzegewinner der Deutschen Meisterschaften der Springreiter 2018, Michael Kölz, ist zum ersten Mal in Aachen am Start und hatte als Parole ausgegeben, er wolle „kein ganz schlechtes Bild abgeben“. Das ist ihm gelungen – auch wenn er heute von der schnellen US-Reiterin Margie Goldstein-Engle im SAP-Preis abgehängt wurde.

 

Margie Goldstein-Engle hatte für das 1,45 Meter-Springen gegen die Uhr den neunjährigen Rheinländer Dicas gesattelt, den sie seit gut einem Jahr hat. Auf diesem Niveau hat der Wallach schon Schleifen in Serie gesammelt, aber er war noch nie beim CHIO Aachen am Start. Doch offensichtlich mag er die Soers: 65,97 Sekunden-Bestzeit, null Fehler, Sieg.

 

Michael Kölz, der DM-Bronzegewinner, für den ein langgehegter Traum in Erfüllung ging als er hörte, dass er in der Soers starten darf, wurde heute Zweiter mit dem Moritzburger Landbeschäler FST Dipylon v. Dinglinger (68,10). Nicht seine einzige Schleife an diesem Wochenende. Im Eröffnungsspringen waren er und Dipylon Dritte gewesen und im Zwei-Phasen-Springen am Mittwoch Zehnte.

 

Rang drei im SAP-Preis sicherte sich der Italiener Lorenzo de Luca auf Limestone Grey nach einer 69,84 Sekunden-Runde.

CHIO Aachen: Schnell, schneller, Lavazza

Sechs Dreier-Teams mit den besten Spring- und Vielseitigkeitsreitern…


Sechs Dreier-Teams mit den besten Spring- und Vielseitigkeitsreitern der Welt zusammen mit jeweils einem der international besten Vierspännerfahrer  – das sind die Protagonisten, die im Lavazza-Cup gegeneinander antreten, wenn es nach dem Staffelprinzip gegen die Uhr geht. Die Sieger 2018 waren ein deutsch-französisches Trio mit einem Olympiasieger in ihrer Mitte.

 

Michael Jung auf Chocolat machte den Anfang, übergab an Denis Nielsen auf Taquadriga, der nahm die Beine in die Hand, sprang auf die Kutsche des Franzosen Benjamin Aillaud, und der ließ seine vier PS marschieren. In insgesamt 147,35 Sekunden hängte Team sechs Team eins ab, wo Ingrid Klimke und Parmenides über die festen Hindernisse flogen, der Schweizer Alain Jufer auf Casinjo Ex Z die bunten Stangen in Angriff nahm und sein Landsmann Jerome Voutaz seine Kutsche durch die Soers fliegen ließ. Das Ergebnis: 152,67 Sekunden. Über Rang drei freuten sich Buschreiter Andreas Ostholt auf Pennsylvania, Springer Emanuele Gaudiano (ITA) mit Herco van het Overlede Goed und an den Leinen Chester Weber (USA).

CHIO Aachen: Doppel-Erfolg für die Stephex Stables im Sparkassen-Youngsters-Cup-Finale

In der ersten Prüfung des Sparkassen-Youngsters-Cup 2018 hatte…


In der ersten Prüfung des Sparkassen-Youngsters-Cup 2018 hatte Daniel Deußer mit Killer Queen die Nase vorn gehabt und sein Arbeits- und Stallkollege bei den Stephex Stables, Lorenzo de Luca (ITA), wurde Zweiter auf Evita van’t Zoggehof. Im Finale drehte de Luca den Spieß um.

 

Elf Paare hatten das Stechen im Sparkassen-Youngsters-Cup erreicht, zehn blieben auch hier fehlerfrei. Vor voll besetzten Rängen lieferten sich die besten Reiter der Welt mit der Crème de la Crème des vierbeinigen Parcoursnachwuchses bis zum Schluss ein packendes Finale. Der Italiener Lorenzo de Luca und die achtjährige belgische Sportpferdestute Evita van’t Zoggehof v. Golden Hawk legten mit 39,21 Sekunden eine Zeit hin, die quasi nicht einholbar erschien. Aber die schärfste Konkurrenz aus dem eigenen Stall, Daniel Deußer mit der BWP-Stute Killer Queen, sollte noch kommen. Und sie gaben auch wirklich alles! Doch es reichte nicht: 39,77 Sekunden, Platz zwei. Noch zwei weitere Paare schafften es nach de Luca, unter der magischen 40-Sekunden-Marke in diesem Stechen zu bleiben: Christian Ahlmann auf Cornwall und Martin Fuchs (SUI) mit Karel VDB. Doch auch sie schafften es nicht. Ahlmann wurde auf dem westfälischen Schimmel Dritter mit 39,90 Sekunden, Fuchs Vierter mit 39,97 Sekunden.

 

Es sei ein schwieriger Parcours gewesen für die jungen Pferde, berichtete Lorenzo de Luca später. Aber hier sehe man auch die Qualität der jungen Pferde, wie sie mit einem Wassergraben umgehen, und wie sie sich auf dem großen Platz behaupten. Seit Anfang 2018 hat Lorenzo de Luca Evita unter dem Sattel und er hält große Stücke auf sie. Sie soll auf jeden Fall bei ihm bleiben. „Der heutige Sieg war für alle beteiligten besonders schön, weil der Züchter der Stute zum ersten Mal zugeschaut hat.“

 

Apropos Züchter – sowohl Evita als auch ihre Stallkollegin Killer Queen kommen aus gutem Hause. Evitas Großmutter, die Selle Français-Stute Fragrance de Chalus v. Jalisco brachte z.B. auch den in Aachen ebenfalls gut bekannten Hengst Mylord Carthago (Pénélope Leprevost/FRA) sowie auch noch diverse weitere internationale Sportpferde und gekörte Hengste. Killer Queens Mutter Derly Chin de Muze war mit dem Kanadier Eric Lamaze 2012 bei den Olympischen Spielen in London am Start. Und nicht nur diese beiden haben berühmte Vorfahren. Christian Ahlmanns Hengst Cornwall ist ein Sohn von Marcus Ehnings Championatspferd Cornado NRW.

CHIO Aachen: Zweiter Sieg in Folge für Ahlmanns Caribis Z im Allianz-Preis

A wie Ahlmann, A wie Allianz-Preis – schon…


A wie Ahlmann, A wie Allianz-Preis – schon 2017 hatte Christian Ahlmann mit Caribis Z in dem 1,55 Meter-Springen mit Siegerrunde die Nase vorn. Genau ein Jahr später wiederholten sie diesen Erfolg.

 

47,75 Sekunden brauchten Christian Ahlmann und der nun elfjährige Caribis Z für die Siegerrunde. Bei 48,04 Sekunden stoppte die Uhr für den zweitplatzierten Hans-Dieter Dreher auf Berlinda. Luciana Diniz (POR) und Camargo wurden Dritte nach einer 50,34 Sekunden-Runde.

 

Christian Ahlmann hatte sich nichts Bestimmtes vorgenommen für das heutige Springen, sagte aber: „Für Caribis Z war das heute der Große Preis.“ Der Zangersheider Hengst war lange verletzt. Aachen ist erst sein viertes Turnier dieses Jahr. „Insofern war ich überrascht, dass alles schon so funktionierte“, so Ahlmann. Allerdings räumt er auch ein: „Caribis fühlt sich besonders wohl auf dem Platz. Es gibt Pferde, die haben hier in Aachen noch mal 20, 30 Prozent mehr Leistungsvermögen, und andere werden hier ganz klein.“ Wie sich das anfühlt, beschreibt der Bronzegewinner mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro so: „Wenn man ins Stadion einreitet, bekommen alle Pferde erst einmal große Augen und wissen gar nicht, wo sie hin sollen. Manche legen das während des gesamten Parcours nicht ab. Andere legen den Schalter um, sobald es Richtung Sprung geht. Pferde wie Cöster und Codex (seine ehemaligen Erfolgspferde, Anm. d. Red.) haben sich auf diesem Platz sofort wohlgefühlt. Das kann man ihnen nicht beibringen. Entweder das ist da, oder nicht.“ Insofern stehen die Chancen wohl gut, dass Caribis Z in die Fußstapfen dieser erfolgreichen Pferde von Ahlmann tritt. Er selbst ist da zuversichtlich und nennt in diesem Zusammenhang auch die Namen Tokyo und Clintrexo, mit denen er hier ebenfalls am Start ist. Einer von letzteren soll morgen im Rolex Grand Prix an den Start gehen. Noch rechnet Ahlmann sich keine großen Chancen mit ihnen aus. „Aber sie sind auf einem sehr guten Weg und ich habe die Hoffnung, dass sie im nächsten Jahr so weit sind!“

Richard Vogel mit Masterplan zum Kindheitstraum im U25 Springpokal

Klar, in Aachen reiten, davon träumt beinahe jedes…


Klar, in Aachen reiten, davon träumt beinahe jedes pferdebegeisterte Kind. Aber wohl nur wenige verfolgen ihren Wunsch so zielstrebig wie Richard Vogel, der heute das Finale von Deutschlands U25-Springpokal der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport, Preis der Familie Müter, für sich entschied.

 

In Mannheim, Wiesbaden und Balve wurden Deutschlands talentierteste Springreiter unter 25 Jahren gesichtet. Die besten durften dieses Wochenende beim CHIO Aachen antreten. Die Starterliste wimmelt nur so von Namen, die sich auch bereits im großen internationalen Sport bewiesen haben, wie z.B. Laura Klaphake und Maurice Tebbel, die beide am Donnerstag Abend zum Siegerteam im Mercedes-Benz Nationenpreis gehörten.

 

Aber auch die hatten heute keine Chance gegen den 21-jährigen Richard Vogel im Sattel des zehnjährigen Hannoveraners Solitaer. Der Bereiter im Stall von Ludger Beerbaum und sein Schimmel flitzten in uneinholbaren 41,25 Sekunden durchs Stechen und hängten damit die beiden frisch gebackenen EM-Mannschaftssilbermedaillengewinner der Jungen Reiter ab, Cedric Wolf auf Cho Chang J (der auch Silber in der EM-Einzelwertung holte) und Justine Tebbel mit Light Star.

 

Der Erfolg von Richard Vogel war alles andere als ein Zufall. „Ich habe mich die ganze Saison mit Solitaer auf dieses Springen vorbereitet. Jedes Mal, wenn ich ihn geritten bin, dachte ich an Aachen“, so der gebürtige Baden-Württemberger. „Es war neu für mich, dass man auf Turniere geht, nicht um zu gewinnen, sondern um sich auf ein bestimmtes Ziel vorzubereiten – das gehört zu den vielen Dingen, die ich bei Ludger Beerbaum gelernt habe.“

Schon als kleiner Junge habe er davon geträumt, eines Tages in Aachen zu reiten. Seine verstorbene Mutter kam aus einer Pferdeliebhaberfamilie. Seine ersten Deutschen Meisterschaften ritt er auf einem Pferd aus der Zucht seines Opas. Der Vater hat Richards Leidenschaft zwar unterstützt, war aber selbst kein Reiter. Wohl aber Richards Onkel, der mit Philipp Weishaupt bekannt ist und seinem Neffen so den Kontakt in den Stall Beerbaum vermitteln konnte. Richard stellte sich vor und durfte bleiben. Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits eine abgeschlossene Pferdewirtausbildung. Dafür hat er ein Jahr vor seinem Abitur die Schule geschmissen – gegen den Widerstand seiner Familie. „In der Hinsicht bin ich ein ziemlicher Sturkopf. Ich war eben sicher, dass es das ist, was ich machen will!“

 

Nun hat Richard sein Jahresziel erreicht. „Jetzt geht der normale Alltag weiter. Dass ich hier reiten durfte, war ja Gutwill meines Chefs, Ludger Beerbaum. Mit einem Pferd vier Tage auf dem Turnier – das ist ja wie Urlaub.“ Das Pferd ist nicht irgendein Pferd. Solitaer wurde noch von Dietrich Schulze gezüchtet, dem verstorbenen Mann von Ludger Beerbaums langjähriger Mäzenin Madeleine Winter-Schulze. Richard: „Da saß noch einer im Himmel, der mir die Daumen gedrückt hat.“ Hat geholfen!

EIN SOMMERNACHTSTRAUM IM MERCEDES-BENZ NATIONENPREIS

Sie traten als Titelverteidiger an – aber ob…


Sie traten als Titelverteidiger an – aber ob es erneut etwas werden würde mit dem Sieg der deutschen Springreiter im Mercedes-Benz Nationenpreis beim CHIO Aachen? Nach den Ergebnissen der Nationenpreise zu Jahresanfang gab es Zweifel. Doch drei Hoffnungsträger des deutschen Springsports und ein Leitfuchs haben alle Unkenrufer eines Besseren belehrt.
Dr. Carsten Oder, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland, flachste in der anschließenden Pressekonferenz: „Anders als beim Fußball sehen wir hier, wie es klappt, Jung und Alt zu mixen.“ Laura Klaphake, Simone Blum, Maurice Tebbel und Routinier Marcus Ehning haben den Sommernachtstraum in der Soers wahr werden lassen. Mit lediglich vier Strafpunkten aus beiden Umläufen siegten sie vor den Teams aus Irland (6 Strafpunkte) und den Niederlanden (9). Und wie sie siegten! Laura Klaphake hatte mit ihrer Stute Catch Me If You Can zwei fehlerfreie Runden in der Soers gedreht, die als Exempel für schönes Springreiten hätten herhalten können. Für sie war der Nationenpreis in Aachen ebenso Premiere wie für Simone Blum und Alice. Die hatten einen Fehler im ersten Umlauf, lieferten aber eine super Nullrunde im zweiten.

Maurice Tebbel hatte auf Chacco’s Son 2017 Aachener Nationenpreis-Premiere – und feierte so schon seinen zweiten Triumph in der Soers nach einer tollen fehlerfreien Runde eins und einem Abwurf im zweiten Umlauf, den er sich so erklärte, dass sein sonst so vorsichtiger Hengst leicht weggerutscht war im Absprung und nicht genügend Halt hatte, um sich kraftvoll vom Boden abzudrücken.

Marcus Ehning witzelte in der Pressekonferenz, er sei schon so alt, er könne nicht mehr zählen, wie oft er in Aachen schon für Deutschland geritten ist. Fest steht, er war die letzten beiden Male dabei als der Mercedes-Benz Nationenpreis nach Deutschland ging. Und heute lieferte er den entscheidenden Ritt zum Sieg.

 

Der Ritt zum Sieg

Als erfahrenster Reiter spielte Ehning mit seinem französischen Fuchs Pret a Tout eine Schlüsselrolle fürs Team. So hatte Bundestrainer Otto Becker ihn als Schlussreiter auserkoren, der ja nicht selten über Sieg oder Niederlage zu entscheiden hat. Das war auch heute so. Als Ehning einritt, lag Deutschland mit einem Punkt Vorsprung in Führung. Bliebe er null, wäre dem Team der Sieg sicher. Auf der Teilnehmertribüne hielten sich Simone Blum und Laura Klaphake eng umschlungen und zitterten bei jedem Hindernis – hier geht’s zum Facebook-Video. In der ersten Runde hatten Ehning und sein Hiram Chambertin-Sohn einen Abwurf. Würde es diesmal klappen? 40.000 Zuschauer wurden mucksmäuschenstill. Ein Hindernis nach dem anderen gelang fehlerfrei. Aber so ein Nationenpreisparcours ist lang! Als Ehning die dreifache Kombination problemlos hinter sich gebracht hatte und auf das letzte Hindernis zusteuerte, wurden die ersten Stimmen laut. Zischen von allen Seiten: „Pssssst!“ Konzentration! Schließlich kann auch hier noch eine Stange fallen! Doch Pret a Tout kennt seinen Job. Auch das letzte Hindernis meisterte er ohne die geringsten Probleme. Ein Aufschrei ging durch die Soers. Ohrenbetäubender Applaus, Deutschlandfahnen, Riesenfreude! Geschafft!

 

Coole Youngster

Als er zum Abreiteplatz kam, platzte es aus Bundestrainer Otto Becker heraus: „Geile Truppe!!! Wie die zusammenhalten, wie die kämpfen – einfach toll! Und wie die Youngster das hier gemacht haben – so etwas von cool!“ Der deutsche Springsport ist in einer Umbruchphase. Altbewährte Kräfte stehen aktuell nicht zur Verfügung, dafür aber die Kraft der Jugend. Der Anfang der Saison war „etwas holprig“, gab Otto Becker zu. Dann folgte ein zweiter Platz beim CHIO Rotterdam, wo ebenfalls Laura Klaphake – die übrigens seit drei Jahren Mitglied der von Rolex initiierten European Young Riders Academy ist und im Rahmen dessen regelmäßig mit Franke Sloothaak trainiert – und Catch Me If You Can mit zwei fehlerfreien Runden die beste Teamleistung geliefert hatten. Das war also alles andere als eine Eintagsfliege heute. Hat sie ein Erfolgsgeheimnis? „Ich küsse mein Pferd vor dem Einritt!“ Ob es daran liegt oder daran, dass die Stute derzeit einfach „in der Form ihres Lebens ist“ (Laura Klaphake) weiß man nicht, aber feststeht: So sehen Sieger aus! Klaphakes Fazit nach ihrem ersten Nationenpreis in Aachen: „Ein Traum ist wahr geworden, erstens, weil ich überhaupt im Team reiten durfte, zweitens, weil wir dann auch noch gewonnen haben.“

Simone Blum und Alice, die vor Aachen nur ein Turnier zur Vorbereitung hatte, weil sie im Frühjahr ein paar Wochen hatte pausieren müssen, hinterließen ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Eine völlig überwältigte Simone Blum meinte: „Ich kann es einfach nicht glauben! Das war ein fantastischer Tag, ein fantastisches Team und ich bin stolz auf uns alle!“ Und ein Marcus Ehning, der hier schon so oft in der Soers unterwegs war, dass er es gar nicht mehr zählen kann, betonte: „Wenn man einmal hier gewinnt, dann möchte man immer wieder hier gewinnen! Nun ist uns das dreimal hintereinander gelungen. Da ist man einfach nur glücklich!“ Und mit einem Seitenblick auf seine Mannschaftskollegen lobte der Olympiasieger mit der Mannschaft: „Die jungen Reiter haben wirklich eine tolle Leistung abgelegt!“

Eine gute Nachricht hatte noch Dr. Carsten Oder mitgebracht: „Mercedes-Benz ist hier seit 64 Jahren Partner, wir haben entschieden, auch noch das 65., 66. und 67. Jahr zu bleiben.“

Dieser Sieg war auch dem verstorbenen Hans Günter Winkler gewidmet. Alle vier Reiter trugen eine schwarze Armbinde in Gedenken an die Legende des Springsports. Der große „HGW“ hätte ganz sicher seine Freude an diesem Abend in der Soers gehabt.

Ein legendärer Abend findet einen würdigen Abschluss. Dem siegreichen Team und Bundestrainer Otto Becker (Mitte) gratulieren Dr. Carsten Oder, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland, (links) und Carl Meulenbergh, Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins e.V. Foto: CHIO Aachen/ Michael Strauch

VBR-PREIS AN PHILIPP WEISHAUPT UND EIN PFERD ZWISCHEN GENIE UND WAHNSINN

Die erste Nationalhymne, die heute beim CHIO Aachen…


Die erste Nationalhymne, die heute beim CHIO Aachen erklang, war die deutsche. Gespielt wurde sie für Philipp Weishaupt, der mit deutlichem Vorsprung den VBR-Preis gewann, ein Zwei-Phasen-Springen über 1,55 Meter.
„Das war heute ordentlich hoch aufgebaut“, resümierte Philipp Weishaupt nach der Siegerehrung für den VBR-Preis. Kein Thema für seinen zwölfjährigen Holsteiner Lesson Peak. Und schnell war der Lord Z-Sohn auch noch: Fast zwei Sekunden Vorsprung hatte er zum Rest des Feldes. Weishaupt kam nach 35,08 Sekunden ins Ziel. Zweiter wurde mit ebenfalls fehlerfreien 36,97 Sekunden der Belgier Yves Vanderhasselt auf Hetman Of Colors, gefolgt von Laura Kraut (USA) mit Zeremonie (0/38,99).

In einem Zwei-Phasen-Springen schließt sich das Stechen quasi direkt an den Normalparcours an. Bleibt ein Paar während des ersten Teiles des Kurses fehlerfrei, darf es ab einem bestimmten Hindernis weiterreiten über den Rest. Hier geht es dann gegen die Uhr. Der Parcours selbst sei „fast wie ein Standardparcours“ gewesen, beschrieb Weishaupt. Aber lang mit 14 Sprüngen. Bei der Wärme ganz schön anstrengend! Da ist es von Vorteil, wenn man ein Pferd hat, das von Natur aus etwas mehr Temperament hat – wie Weishaupts Lesson Peak: „Er ist an der oberen Grenze zwischen Genie und Wahnsinn“, so sein Reiter. Die beiden sind erst seit wenigen Wochen ein Paar. Weishaupt hat den Wallach von einem kanadischen Schüler seines Arbeitgebers Ludger Beerbaum übernommen und war unter anderem auch beim CHIO Rotterdam siegreich gewesen mit ihm. „Aber zuhause zu gewinnen ist immer noch mal etwas anderes“, sagte der zweifache Rolex Major-Gewinner, „und hier in Aachen ist es immer besonders, egal bei welchem Springen!“

SHANE SWEETNAM HATTE EINEN PLAN IM PREIS DER SPARKASSE

… und der lautete: gewinnen. Schließlich ist Shane…


… und der lautete: gewinnen. Schließlich ist Shane Sweetnam Ire. Und die Iren – so sagt er – mögen Springen über Naturhindernisse wie den Preis der Sparkasse über Gräben und Wälle.
Der Plan ging auf. Shane Sweetnam war sich seiner Sache heute ziemlich sicher. Der Grund für seinen Optimismus hat vier Beine und heißt Cyklon: „Er ist 17 Jahre alt und hat schon viel gewonnen. Außerdem war er schon Zweiter im Derby von Falsterbo. Er hat Erfahrung über Naturhindernisse und kann da richtig schnell sein.“ Das hat man heute gesehen: Ohne Fehler galoppierten der Hengst und sein Reiter in 64,89 Sekunden zum Sieg.

 

Das Nachsehen hatte der Brite Harry Charles, 19-jähriger frisch gebackener Europameister der jungen Reiter und Mitglied der von Rolex gesponserten European Young Riders Academy. Er ritt den KWPN-Hengst Controe v. Wender R in 65,29 Sekunden über den Parcours. Über Rang drei freute sich Hans-Dieter Dreher auf dem Selle Français-Wallach Tiopepe des Champs nach einer 67,09 Sekunden-Runde.

.