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CHIO Aachen: Isabell Werths Aufforderung zum Tanz im Deutsche Bank Preis

Die Zuschauer klatschten im Takt, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze…


Die Zuschauer klatschten im Takt, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich verstohlen ein Tränchen weg und Isabell Werth ballte die Faust im Triumph. Was für eine Kür sie heute zum Finale des CHIO Aachen 2018 mit Emilio im Deutsche Bank Preis zelebriert hat!

 

Nach der heutigen Kür geht Isabell Werth endgültig als Königin des Deutsche Bank Stadions in die CHIO-Geschichte ein. Der heutige Triumph ist der zwölfte ihrer Karriere im Deutsche Bank Preis, Emilio das vierte Pferd, das sie in Aachen zum Sieg reitet. Mit persönlicher Bestleistung von 87,625 Prozent kamen Werth und der zwölfjährige Westfale v. Ehrenpreis aus dem Viereck. Zweite wurde die US-Amazone Kasey Perry-Glass auf ihrem Dänen Goerklintgaards Dublet v. Diamond Hit mit 85,205 Prozent, gefolgt von deren Landsfrau Laura Graves auf Verdades v. Florett As (85,085).

Vierte wurde nach einem teuren Fehler die Dänin Cathrine Dufour auf Cassidy mit 84,835 Prozent. Helen Langehanenberg war mit Damsey zweitbeste Deutsche auf Rang fünf 82,575. Dorothee Schneider und Sammy Davis. Jr, wurden Siebte (81,295). Dazwischen schob sich mit 82,195 Prozent der Däne Daniel Bachmann Andersen auf Blue Hors Zack, der als einziger Reiter eine Kür hatte, die den Schwierigkeitsgrad 10,0 hat – das macht ein Zehntel der Gesamtnote aus.

 

Namen, Noten und Nationalitäten bestätigen Isabell Werths Fazit dieser Tage in der Soers: „Das war eine spannende Woche für uns alle!“ Eine Woche mit Favoritensiegen und -stürzen, Überraschungserfolgen und Comebacks, die für Werth mit einem höchst bescheidenen Grand Prix begann, mit dem Sieg im Special weiterging und mit ihrer bislang besten Kür auf Emilio endete. Emilio schien von Lektion zu Lektion an Sicherheit und Selbstverständlichkeit zu gewinnen und tanzte zu perfekt auf ihn abgestimmter Musik von Beethoven, Puccini und Verdi, dass einem auch bei 30 Grad im Schatten eine Gänsehaut über den Körper kroch. Als der Braune auf der letzten Mittellinie zur Passage ansetzte, fingen die ersten an, im Takt mitzuklatschen, es wurden immer mehr, Isabell Werth zog die Hand zum Gruß und ritt die letzten Meter bis zur Grußaufstellung einhändig. Kaum angehalten, brandete ohrenbetäubender Applaus auf, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich eine Träne weg und Isabell Werth konnte Emilio gar nicht genug loben. Was für ein Ritt. So eine Leichtigkeit, so eine Harmonie, so muss Dressur sein!

 

Als Werths schärfste Konkurrentin wurde bislang Laura Graves betrachtet. Tatsächlich siegte sie US-Reiterin im Grand Prix auf ihrem Verdades. Doch im Special, in dem sie Werth im vergangenen Jahr noch schlagen konnte, erschreckte sich ihr Pferd vor der Kamera und war völlig von der Rolle. Heute in der Kür zeigte der KWPN-Wallach sich wieder von seiner besten Seite. Aber vielleicht fehlte ihm heute der letzte Glanz, der dann am Ende über Sieg oder Niederlage entscheidet.

 

Jedenfalls gelang es Graves‘ Trainingskollegin Kasey Perry-Glass – beide reiten bei der ehemaligen Olympiateilnehmerin Debbie McDonald – erstmals, an der Olympia-Vierten vorbeizuziehen. Und an allen deutschen Reiterinnen außer Werth. Auch das ist ja ein Statement!

Kasey Perry-Glass war 2016 erstmals in Europa am Start gewesen und sorgte für Furore mit ihrem eleganten Dunkelbraunen. Doch 2017 erlebten die beiden einen ziemlichen Einbruch, auch hier in Aachen. Danach gönnte die Reiterin ihrem Sportpartner eine Pause. „Er brauchte das. Und ich auch. Wir haben das Training geändert, nicht so viele Lektionen geübt und mehr Abwechslung ins Training gebracht. So haben wir wieder zu unserer alten Form zurückgefunden.“ In der Tat – den beiden zuzuschauen wie sie mit größter Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ihre Kür zur Filmmusik aus „Herr der Ringe“ zelebriert haben, hat einfach nur Freude gemacht. So wie die gesamte Prüfung heute. Ein würdiger Abschluss für die Dressurprüfungen des Weltfests des Pferdesports!

O-Töne Deutsche Bank Preis

Isabelle Werth (GER) „Ich bin so glücklich mit…


Isabelle Werth (GER)

„Ich bin so glücklich mit Emilio. Wir konnten uns hier in Aachen Tag für Tag steigern. Heute war er in bester Verfassung. Meiner Meinung nach war das bislang unser bester Grand Prix. Die Atmosphäre hier in diesem Stadion mit den phantastischen Zuschauern ist einfach gigantisch. Unser Ritt hat so gut zu der Musik gepasst. Das Gefühl, als das Publikum zum Schluss gejubelt und geklatscht hat, ist einfach unbeschreiblich. Einfach ein toller Tag! Und das nach dieser doch sehr aufregenden Woche mit diesen ganzen Hochs und Tiefs. Niemand wusste, was am nächsten Tag passieren würde, ob ein Reiter nun einen guten oder schlechten Tag haben würde. Eine wirklich aufregende Dressurwoche! Selbst das Wetter hat diese Woche mitgespielt.“

„Der CHIO Aachen ist wirklich ein außergewöhnliches Turnier. Jeder weiß, dass ich Aachen liebe! Neben Championaten ist Aachen wirklich das beste Reitturnier der Welt. Die ganze Atmosphäre, diese Mischung aus Sportveranstaltung und Volksfest, ist etwas ganz Besonderes.“

Kasey Perry-Glass (USA)

„Ich habe immer an mein Pferd geglaubt. 2016 war unser erstes Grand-Prix-Jahr und wir sind beide sehr schnell nach oben gekommen. Doch irgendwann wurde es zu viel. 2017 habe ich ihm und mir dann eine Pause gegönnt. So konnten wir uns wieder regenerieren und haben wieder zu unserer alten Form zurückgefunden. Und in Aachen haben wir heute eine tolle Leistung gezeigt. Wir waren sehr gut aufeinander abgestimmt und mein Pferd wollte unbedingt zeigen, was es kann. Ich bin einfach nur glücklich mit diesem Ergebnis, ich kann es selbst noch nicht so ganz fassen.“

Laura Graves (USA)

„Leider konnten wir heute nicht unsere optimale Leistung abrufen und wir haben ein paar für uns uncharakteristische Fehler gemacht. Das war schade. Aber okay, das ist unser Sport – erst recht, wenn man gegen so viele andere internationale Topreiter antritt. Man kann vorher nie wissen, wer zum Schluss an der Spitze steht. Das ist die Herausforderung in unserem Sport, auf den Zeitpunkt genau seine Topleistung abzurufen. Ich gebe Isabelle recht, das war wirklich eine sehr aufregende und verrückte Dressurwoche in Aachen (lacht). Wie gestern war mein Pferd auch heute ein bisschen nervös. Ich muss ihm von Turnier zu Turnier einfach ein bisschen Zeit geben, sich an diese Stadionatmosphäre zu gewöhnen.“

 

Persönliche Bestleistungen und Schampus-Duschen im LUMILEDS-Preis

Sakrale Stille am Dressurviereck? Nicht in Aachen. Okay,…


Sakrale Stille am Dressurviereck? Nicht in Aachen. Okay, nicht immer. Heute Abend im LUMILEDS-Preis, der Grand Prix-Kür der CDI4*-Tour, war jedenfalls ordentlich was los, als Shelly Francis die Siegerschleife entgegennahm und Ingrid Klimke ihren Franziskus zu DJ Ötzi tanzen ließ!

 

„Das war die beste Kür die wir je geritten sind!“, platzte es aus der US-Amerikanerin Shelly Francis heraus nach ihrer 79,305 Prozent-Runde zum Sieg mit Danilo. „Es hat so einen Spaß gemacht! Er war so toll! Ich war so glücklich, dass ich weinen musste“, kam sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Brrraver Junge“, lobte sie mit unverkennbar amerikanischem Akzent. Nanu? Deutsch? „Naja, er ist ja ein deutsches Pferd!“ Genauer gesagt, ein Oldenburger. „Ich hatte nicht den besten Grand Prix. Daher war ich einfach nur glücklich, dass er heute so toll ging, egal, was dabei herauskommt.“ Umso besser, wenn es dann auch noch zum Sieg reicht. Dafür gab es nach der Siegerehrung erst einmal eine Champagnerdusche vom Equipechef Robert Dover. Das muss schließlich gefeiert werden.

 

Die Sektflasche kreiste auch bei Familie Klimke, nachdem Ingrid Klimke und Franziskus die nach eigener Einschätzung beste Kür ihrer gemeinsamen Karriere gezeigt hatten und dafür mit 78,390 Prozent und Rang zwei belohnt wurden. „So gut war er noch nie“, freute sich die Reitmeisterin als sie aus dem Stadion kam und der tosende Applaus hinter ihr nur langsam wieder verebbte. „Wenn die Leute klatschen und mitgehen, das liebt er!“ Also nix mit Ruhe am Viereck. Franziskus blüht auf, wenn es heißt: Spot an, Bühne frei! So rührte er seinen Besitzer, Hengsthalter Wilhelm Holkenbrink, zu Tränen, der doch immer davon geträumt hatte, eines Tages mal ein Pferd in Aachen zu haben und nun sogar eines hat, dass das Deutsche Bank Stadion von den Sitzen reißt.

 

Den zweiten Grund zum Feiern im Lager der US-Reiter lieferte Olivia Lagoy-Weltz, die mit ihrem Dänen Lonoir Dritte wurde mit 77,435 Prozent.

Ingrid Klimke mit Bluetooth zum Sieg im WOTAX-Preis

In einem für das Deutsche Bank Stadion etwas…


In einem für das Deutsche Bank Stadion etwas ungewöhnlichen Aufzug nahm Reitmeisterin Ingrid Klimke heute die goldene Schleife entgegen für den Sieg in der Intermédiaire I um den WOTAX-Preis 2018.

Vielseitigkeitsreiter und -pferde kennt man im Deutsche Bank Stadion. Aber das dürfte definitiv das erste Mal gewesen sein, dass die Siegerehrung einer Dressurprüfung von einer Reiterin mit Sicherheitsweste, kurzen Bügeln und im leichten Sitz angeführt wurde. Aber da Vielseitigkeitsolympiasiegerin Klimke wenige Minuten nach der Siegerehrung mit ihrem Trakehner Parmenides im Lavazza-Preis auf Sekundenjagd gehen sollte, musste der die Gratulationen von Richtern und Sponsoren stellvertretend für den Stallkollegen Bluetooth entgegennehmen. Und ganz nebenbei konnte er sich bei der Ehrenrunde schon mal auf die Stimmung einstellen, die ihn wenige Minuten später im Hauptstadion erwarten würde.

 

Dabei hatte Ingrid Klimke heute gar nicht vorgehabt, auf Sieg zu reiten in der Intermédiaire I. „Bluetooth war am Mittwoch im Prix St. Georges doch noch sehr beeindruckt und hatte einen dicken Patzer. Darum wollte ich ihn da heute einfach nur locker durchsteuern.“ Den Richtern hat es jedenfalls gefallen. 72,676 Prozent gaben sie dem Oldenburger, von dem seine Reiterin sagt, er sei ein bisschen wie ein Riesenbaby, noch sehr schüchtern und brauche einfach noch ein wenig Zeit, bis er mit seinen großen Bewegungen umgehen könne. Sie reitet ihn erst seit wenigen Monate, kann aber jetzt schon sagen: „Er ist total liebenswert und unglaublich bemüht. Nur an seinem Selbstbewusstsein müssen wir noch ein wenig arbeiten.“

 

Als Aachen-Sieger kann er von nun an jedenfalls mit stolz geschwellter Brust in jedes Viereck der Welt galoppieren. Heute ließ er den US-Amerikaner Steffen Petes auf Donavan hinter sich (72,176). Dritte wurde mit 71,441 Prozent Stefanie Wolf im Sattel der einstigen Dressurpferde-WM-Finalistin Saphira Royal.

Jeanine Nieuwenhuis holt Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung in die Niederlande

Aller guten Dinge sind drei für Jeanine Nieuwenhuis,…


Aller guten Dinge sind drei für Jeanine Nieuwenhuis, die heute die Kür der U25-Tour um den Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung für sich entschieden hat.

 

Die Niederländerin Jeanine Nieuwenhuis und ihr 13-jähriger KWPN-Wallach TC Athene haben schon bei Europameisterschaften siegreich, in Rotterdam und Amsterdam. Aber in Aachen waren sie bislang noch nie am Start gewesen. Der erste Eindruck? „Ich kam rein und dachte: ,Wow, das ist anders als alles, was ich vorher gemacht habe!‘“ Offenbar musste die 23-Jährige den Schock erst einmal verdauen, denn sie steigerte sich von Prüfung zu Prüfung. In der Intermédiaire II für den Nationenpreis wurden sie und TC Athene Vierte, im Kurz-Grand Prix waren sie Zweite und heute in der Kür siegten sie mit 78,075 Prozent.

 

Platz zwei ging an einen Stammgast aus Spanien: Juan Matute Guimon. 76,515 Prozent erhielten er und sein 15-jähriger Hannoveraner Don Diego Ymas. Als der 20-Jährige zum ersten Mal in der Soers ritt, war er 16 Jahre jung. Insofern weiß er, wovon er spricht, wenn er sagt: „Es war super! Wie immer! Es ist immer so ein Vergnügen, hier zu reiten.“ Aachen war super wie immer, bei seinem heutigen Auftritt sah er noch Luft nach oben: „Ich habe eine neue Kür, die bin ich hier zum ersten Mal geritten. Das Timing mit der Musik war darum noch nicht ganz ideal.“ Das erste Mal geritten? Aber doch gewiss schon mal im Training?! „Nein, noch nie.“ Ganz schön cool! Aber er und Don Diego Ymas sind auch schon seit Jahren ein eingespieltes Team. „Wir kennen uns in- und auswendig. Das hilft natürlich!“

 

Beste Deutsche auf Rang drei war Lisa-Maria Klössinger mit Daktari. Mit 76,30 Prozent mussten die beiden sich nur knapp geschlagen geben. Lisas Antwort auf die Frage, wie ihr Ritt war, lässt sich nicht zitieren, nur beschreiben: breites Grinsen, Daumen hoch.

 

Jil-Marielle Becks und Damon’s Satelite, die auch für sie selbst überraschend sowohl die Intermédiaire II als auch den Kurz-Grand Prix gewinnen konnte, wurde heute Vierte mit 75,10 Prozent.

O-Töne Lambertz Nationenpreis

Isabelle Werth Ich bin absolut glücklich heute. Nach…


Isabelle Werth

Ich bin absolut glücklich heute. Nach meinem ersten Tag in Aachen haben wir alles noch einmal genau analysiert. Gestern haben wir dann einiges umgestellt. Mit Emilios Training und seinem Warm-up war ich danach sehr zufrieden. Ich war etwas überrascht am Donnerstag und es tut mir letztlich Leid für Emilio. Denn ich war nicht aufmerksam genug, um auf ihn einzugehen. Daher war dies komplett mein Fehler. Heute ist es dafür sehr gut gelaufen. Wir haben uns sehr sicher gefühlt und keine größeren Fehler gemacht. Ich habe nicht erwartet, dass ich am Ende ganz vorne stehe. Vielleicht liegt es daran, dass ich heute Geburtstag habe (lacht). Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, das wir den Nationenpreis gewonnen haben.

 

Helen Langehanenberg

Schon am Donnerstag dachte ich: Besser geht es nicht! Aber es geht offensichtlich doch noch besser. Ich reite ja erst wieder seit dreieinhalb Wochen, unser letzter Test war im Februar. Manchmal ist eine Pause halt nicht unbedingt schlecht (lacht). Ich habe heute den gesamten Test genossen. Wir haben uns sehr sicher gefühlt und alles ist uns leicht von der Hand gegangen.

 

Dorothee Schneider

Ich bin auch sehr glücklich mit unseren bisherigen Leistungen. Und heute hatte ich einmal einen Test ohne Hasen (lacht). Es ist schon sehr gut mit der Piaffe Passage losgegangen. Mein Pferd ist zurzeit äußerst fit!

 

Jessica von Bredow-Werndl

Ich sitze hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn ich freue mich, morgen im Freestyle reiten zu dürfen und zu zeigen, dass wir eine sehr gute Piaffe reiten können. Heute hat allerdings die Kommunikation zwischen mir und Dalera nicht so gut geklappt. Wir sind heute bei der Piaffe etwas ins Straucheln geraten und das kostet halt viele Punkte! Darüber hinaus war das der erste Grand Prix Spécial in Daleras Leben, denn sie ist noch ein sehr junges Pferd. Aber ich glaube, sie hat die Atmosphäre hier in Aachen bislang genossen und hat sich als sehr cool erwiesen. Ich bin stolz auf sie!

CHIO Aachen: Lambert Nationenpreis an Deutschland, Rollentausch bei den Favoritinnen

Der erste Teil des Lambertz Nationenpreises der Dressurreiter,…


Der erste Teil des Lambertz Nationenpreises der Dressurreiter, der Grand Prix, endete anders als allgemein erwartet: Führung für die USA vor Deutschland. Aber nach dem Grand Prix Spécial um den MEGGLE-Preis war die deutsche Dressurwelt wieder in Ordnung. Vor allem für Isabell Werth.

 

Isabell Werths Emilio machte seiner Reiterin heute ein 79,128 Prozent-Geburtstagsgeschenk im MEGGLE Preis, dem Grand Prix Spécial, zugleich zweiter Teil des Lambertz Dressurnationenpreises. Doppelter Grund zur Freude für die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten! Zweite wurde Helen Langehanenberg auf Damsey mit persönlichem Spécial-Rekord von 79,021 Prozent, gefolgt von der US-Reiterin Kasey Perry-Glass auf Dublet mit 78,787 Prozent.

 

Die beiden weiteren deutschen Teamreiterinnen, Dorothee Schneider auf Sammy Davis Jr. und Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera BB, belegten die Plätze sechs (76,404) und sieben (76,255). Damit war Deutschland der Sieg im Lambertz Nationenpreis nicht zu nehmen. Mit insgesamt 464,251 Punkten setzten sie sich gegen die USA (459,371) und Dänemark (444,106) durch. Dabei hatte es zunächst gar nicht danach ausgesehen.

 

Denn im Grand Prix hatte das eigentlich stärkste deutsche Paar, Isabell Werth mit Emilio, einen rabenschwarzen Tag erwischt, landete abgeschlagen auf Rang 17 und machte damit den Weg frei für die USA. Übrigens hat Isabell Werth nach vielem Grübeln die Ursache für Emilios scheinbare Dienstverweigerung gefunden: „Ich hatte das Kandarengebiss gewechselt. Es war eine ganz normale Kandare, aber doch etwas schärfer als die Babykandare, mit der ich ihn zuletzt geritten bin. Er hat sich daran gestoßen und war beleidigt.“ Inzwischen ist das Vertrauen wieder hergestellt. Trotzdem sagt Werth: „Ich fühle mich sehr schuldig und es tut mir sehr leid für Emilio, dass ich nicht genügend in ihn hinein gehorcht habe!“ Aber der westfälische Ehrenpreis-Sohn hat seiner Reiterin offenbar verziehen: „Heute war er wieder Emilio und wir beide wieder ein Team!“ Allerdings hätte Werth, die nach dem missglückten Grand Prix schon als zwölfte Starterin ins Viereck musste, nicht gedacht, dass sie am Ende der Prüfung immer noch vorne stehen würde. „Da haben meine Kollegen auch mitgeholfen. Das war wohl ein Geburtstagsgeschenk“, schmunzelte die seit heute 49-Jährige.

 

Wenn die Kollegen mitgeholfen hätten, dann wäre das nur fair, denn im vergangenen Jahr hatte sie umgekehrt ihrer ärgsten Konkurrentin Laura Graves (USA) denselben Gefallen getan. Da fiel der MEGGLE-Preis nämlich auf den 22. Juli, und das ist Laura Graves‘ Geburtstag, die damals zum ersten Mal Werth schlagen konnte. Die Hausaufgaben, die Werth nach dem Grand Prix gemacht hat, stehen nun Laura Graves bevor. Ihr Verdades hatte heute nämlich einen ähnlich schwarzen Tag wie Emilio am Donnerstag, erhielt nur 74,085 Prozent und endete auf Rang elf.

 

Helen Langehanenberg staunte nach ihrem zweiten Platz auf dem Hannoveraner Damsey FRH: „Donnerstag dachte ich schon, besser geht es nicht. Aber offensichtlich geht es doch!“ Ihr Damsey habe sich super frisch angefühlt und sie selbst habe das Gefühl gehabt, alles sei ganz einfach – und das trotz der Hitze. Was für ein Comeback für die Mannschaftseuropameisterin, die erst vor vier Wochen ihre Tochter Finja zur Welt gebracht hat und vor einer Woche von Bundestrainerin Monica Theodorescu erfahren hat, dass sie in der Mannschaft reiten soll!

 

Tolle Auftritte hatte in der Soers auch die US-Amazone Kasey Perry-Glass mit dem dänischen Wallach Goerklintgaards Dublet. Zwei Richter hatten sie sogar auf Rang eins. Perry-Glass und der elegante Dunkelbraune waren 2016 erstmals in Europa am Start und hatten hier viel beachtete Auftritte. Ihr Einsatz in Aachen 2017 verlief allerdings eher enttäuschend. Und nun haben sie sogar die EM-Dritten Cathrine Dufour und Cassidy hinter sich lassen können. Da sage noch einer, Dressur sei langweilig …

Lindt-Preis an Isabell Werth und die außergewöhnliche Bella Rose

Man musste Isabell Werth nicht fragen, wie es…


Man musste Isabell Werth nicht fragen, wie es ihr nach dem über 80 Prozent-Sieg mit Bella Rose im Lindt-Preis, dem Grand Prix Special beim CHIO Aachen 2018, geht. Man sah es ihr an.

 

Man sollte meinen, wenn man 595 Grand Prix-Prüfungen auf nationaler und internationaler Ebene gewonnen hat, gewöhne man sich irgendwann daran. Den Eindruck machte Isabell Werth heute nicht, als sie nach einer 80,149 Prozent-Runde auf Bella Rose aus dem Viereck kam. „Ich bin natürlich überglücklich!“, strahlte die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten und ergänzte halb im Spaß, halb im Ernst vielsagend: „Wenn der Jockey das jetzt noch mit den Wechseln hinbekommt …“. Ganz fehlerfrei war die Prüfung der beiden nämlich nicht. Dass sie es trotzdem auf über 80 Prozent gebracht hatten, lag vor allem an überragenden Piaffen, Passagen und Traversalen. Das geht kaum besser, wie die Noten es in diesen Lektionen auch widerspiegelten. Werth brachte es auf den Punkt: „Es ist unwahrscheinlich, wie dieses Pferd mitkämpft! Natürlich war da heute noch ein bisschen Spannung in den Wechseln. Aber es ist außergewöhnlich, dass sie nach vier Jahren mit dieser Atmosphäre hier so umgehen kann!“ Alles andere sei nun nur noch eine Frage von Kraft und Prüfungsroutine. Ob es sich für sie anders anfühlt, mit Bella Rose ins Viereck zu reiten, die mehr als drei Jahre kein Turnier mehr gesehen hat und vor vier Jahren zuletzt hier in Aachen war? „Ja …“ Ein einziges Wort kann so viel aussagen.

 

Allen Grund zur Freude hatte trotz kleiner Fehlerchen (unter anderem Angaloppieren statt starker Trab aus der Passage) auch Jessica von Bredow-Werndl mit ihrer KWPN-Stute Zaire-E, ihrer Ballerina, wie sie sagt. Die Stute war im Grand Prix um den HAVENS Pferdefutter-Preis doch noch sehr beeindruckt gewesen von der Atmosphäre im Deutsche Bank Stadion. Heute schien sie sich sehr wohl zu fühlen und ging eine weitgehend runde Prüfung, die mit 72,702 Prozent bewertet wurde.

 

Rang drei teilten sich zwei Paare: die Dänin Betina Jæger mit dem Hannoveraner Mane Stream Belstaff und Steffen Peters (USA) auf Suppenkasper, einen KWPN-Wallach, der von Helen Langehanenberg ausgebildet worden war und vor ziemlich genau einem Jahr aus dem Münsterland nach Kalifornien zu Steffen Peters zog. Beide erhielten 71,340 Prozent von den Richtern.

JIL-MARIELLE BECKS OHNE ERWARTUNGEN ZUR ZWEITEN GOLDENEN U25-SCHLEIFE

Damit hätte Dressurtalent Jil-Marielle Becks nicht gerechnet –…


Damit hätte Dressurtalent Jil-Marielle Becks nicht gerechnet – nicht nur, dass sie in ihrer ersten U25-Saison direkt in Aachen starten darf, sie gewinnt auch noch direkt zwei Prüfungen im Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung.

Erst sicherte sich die 20-jährige Jiil-Marielle Becks die Einzelwertung der Intermédiaire II (und mit der Mannschaft den U25-Nationenpreis) mit ihrem Damon’s Satelite, dann legte sie im Kurz Grand Prix noch einen drauf: 73,128 Prozent gaben die Richter für die Vorstellung des Paares, das seine erste U25-Saison bestreitet. „Ein gutes Ergebnis dafür, dass unsere Stärke sonst eigentlich die Intermédiaire II ist“, meinte Becks und gab zu: „Ich hätte überhaupt nicht damit gerechnet, dass das hier so läuft. Ich hatte gehofft, unter die ersten drei zu kommen. Dass wir hier jetzt zweimal gewonnen haben, ist überwältigend!“ Gefreut hat die Schülerin von Reitmeister Klaus Balkenhol nicht nur ihr Ergebnis, sondern auch wie tapfer sich ihr zehnjähriger Westfalen-Wallach Damon’s Satelite in der Soers geschlagen hat. Von der Atmosphäre im Deutsche Bank-Stadion zeigte er sich recht unbeeindruckt. Becks‘ Erklärung: „Er ist bei uns geboren. Ich kenne ihn von klein auf und habe ihn regelmäßig geritten seit er vier Jahre alt ist. Wir sind quasi zusammen aufgewachsen.“ Das schweißt natürlich zusammen.

Platz zwei ging in die Niederlande, an Jeanine Nieuwenhuis auf TC Athene. Sie und Becks kennen sich gut. Unter anderem waren sie 2016 bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter in Oliva, Spanien, aufeinander getroffen. Damals holte Jeanine Nieuwenhuis sowohl in der Einzelwertung als auch in der Kür Gold. Jil-Marielle Becks und Damon’s Satelite gewannen Silber und Bronze. Diesmal musste Nieuwenhuis Becks den Vortritt lassen. Sie selbst war mit 71,821 Prozent aus dem Viereck gekommen.

Der dritte Platz war schwedisch besetzt mit Marina Mattsson auf dem Hannoveraner Quarterback-Sohn Quartermain (70,821 Prozent). Dicht dahinter folgte die amtierende U25-Europameisterin Lisa-Maria Klössinger mit FBW Daktari (70,615 Prozent). Klössinger war etwas enttäuscht, weil ihr hoch sensibler Wallach sich heute eigentlich viel wohler fühlte im Deutsche Bank Stadion als in den Prüfungen zuvor. Aber ausgerechnet ihre Paradelektion, die doppelt zählenden Einerwechsel, gingen heute schief. Das war teuer! Dafür will Klössinger morgen in der Kür angreifen.

CHIO Aachen: Laura Graves triumphiert im Preis der Familie Tesch und bringt die USA in Führung im Nationenpreis

Die US-amerikanische Dressurreiterin Laura Graves war mit einem…


Die US-amerikanische Dressurreiterin Laura Graves war mit einem klaren Ziel vor Augen nach Aachen gekommen: gewinnen. Das ist ihr gleich im ersten Anlauf im Grand Prix um den Preis der Familie Tesch gelungen – allerdings zeigte sich ihre härteste Gegnerin, Dauerrivalin Isabell Werth, heute deutlich unter Form. Das verleiht auch dem Lambertz Nationenpreis der Dressurreiter, dessen erster Teil der heutige Grand Prix war, eine Spannung, wie selten zuvor.

 

Satte 80,606 Prozent gaben die Richter der US-Amazone Laura Graves für ihre Vorstellung im Grand Prix um den Preis der Familie Tesch auf dem Florett As-Sohn Verdades. Ein super Ergebnis und die deutliche Führung. Aber Laura Graves musste bis zum letzten Paar warten, ehe sie über ihren Sieg jubeln durfte. Denn das letzte Paar, das waren Isabell Werth und Emilio. Der Westfale war für Werths Weltcup-Siegerin Weihegold eingesprungen, eine Entscheidung des deutschen Dressurausschusses mit Hinblick auf die Weltreiterspiele in Tryon. Schließlich gilt: Wer in Aachen besteht, der tut das überall. Wenn er denn besteht …

 

Isabell Werths Emilio präsentierte sich heute nämlich gar nicht als der Musterknabe, der er sonst ist. In der ersten Piaffe wollte er wohl demonstrieren, dass er auch die Schulen über der Erde beherrscht und machte Ansätze zu steigen. Isabell Werth managte das mit der Routine, die man hat, wenn man 595 nationale und internationale Grand Prix-Siege auf 27 Pferden in der Tasche hat. Aber Emilio beruhigte sich nicht. Es folgten noch diverse weitere Patzer, die die Bewertung am Ende auf 72,516 Prozent drückten. Das hatte so niemand erwartet. Und erklärten konnte es schon gar keiner. Isabell Werth: „Ich weiß nicht, was passiert war. Da muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen. Für den Nationenpreis in Aachen stellt man sich eigentlich etwas anderes vor …“

 

Damit stand fest: Laura Graves und Verdades haben zum ersten Mal in ihrer Karriere den Preis der Familie Tesch beim CHIO Aachen gewonnen!

 

Isabell Werth und Emilio endeten abgeschlagen auf Platz 17 im Grand Prix. Hinter der Siegerin Laura Graves platzierte sich die EM-Dritte Cathrine Dufour mit ihrem Caprimond-Sohn Cassidy an zweiter Stelle (78,494 Prozent). Obwohl auch sie einen dicken Fehler hatte, als der 15-jährige Wallach sich beim Übergang aus dem versammelten Schritt in die Passage erschreckte und einen Satz nach vorne machte. Aber danach war er gleich wieder konzentriert. „Ansonsten ist die Prüfung für uns aber sehr gut gelaufen“, betonte sie später.

 

Rang drei könnte man ein wenig als das Wunder von Aachen bezeichnen: Vor vier Wochen hatte Helen Langehanenberg ihre zweite Tochter zur Welt gebracht, Finja. Wenige Tage später kündigte sie an, in Aachen reiten zu wollen. Den Plan hatte sie schon im Frühjahr in Neumünster am Rande des Weltcup-Turniers von Neumünster verlautbaren lassen – mit dem Zusatz: „Das müsste dann aber schon eine Punktlandung sein.“ Tochter Finja tat ihr den Gefallen. Schon fünf Tage nach der Geburt saß Langehanenberg erstmals wieder auf ihrem Mannschaftseuropameister Damsey. Der war während der Babypause seiner Reiterin von ihrem „super Team“ fit gehalten worden und hatte nichts verlernt. Gut so, denn am Freitag rief die Bundestrainerin Monica Theodorescu bei Helen Langehanenberg an und teilte ihr mit, dass sie statt der CDI4*-Tour im Team für den Lambertz Nationenpreis reiten soll. „Da hatte ich erstmal drei Sekunden lang Schnappatmung“, so Helen Langehanenberg. Aber Nervosität ist ein Fremdwort für sie: „Ich bin eh nicht der Typ der aufgeregt ist. Und mehr als gut reiten kann ich ja nicht.“ Und wie sie das heute tat – 77,034 Prozent bedeuten einen persönlichen Aachen-Rekord für sie und Damsey im Grand Prix. Monica Theodorescu kommentierte: „Ich kann das ja nicht beurteilen, weil ich nie ein Kind bekommen habe, aber dass sie so stark reitet – irre!“

 

Vierte im Preis der Familie Tesch wurde Jessica von Bredow-Werndl auf Aachen-Debütantin Dalera BB mit 76,848 Prozent. Für die elfjährige Trakehner Stute war dies erst der sechste Grand Prix ihres Lebens. Und die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich heute in Aachen präsentierte, erstaunte selbst ihre Reiterin: „Die geht da rein und rockt das Ding!“, freute sich nach ihrem gelungenen Auftritt.

 

Die vierte deutsche Mannschaftsreiterin Dorothee Schneider auf Sammy Davis Jr. wurde in der Gesamtwertung Sechste mit 75,916 Prozent. Die beiden lieferten einen super Ritt. Bis plötzlich ein Flitzer der besonderen Art über das Viereck hoppelte: Ein Hase hatte sich ins Deutsche Bank Stadion verirrt. Dorothee Schneider und Sammy Davis Jr. waren so konzentriert, dass sie das gar nicht gemerkt haben – obwohl Meister Lampe direkt über die Diagonale huschte, auf der Sammy gerade mit den Einerwechseln beschäftigt war. Ein Raunen ging durchs Publikum, das Dorothee Schneider zutiefst verunsicherte: „Ich wusste absolut nicht, was los war: Hatte ich mich verritten? Hat mein Pferd sein nicht vorhandenes Schweiftoupet verloren?“ Die Verwirrung war denn wohl auch Schuld, dass Sammy Davis Jr. einen Fehler in die Einerwechsel hatten. Trotzdem: Der Rest der Prüfung lief.

 

USA führen im Lambertz Nationenpreis

 

Der Preis der Familie Tesch war der erste Teil des Lambertz Nationenpreis der Dressurreiter. Teil zwei ist der Grand Prix Spécial, der MEGGLE Preis. Es ist also noch nichts entschieden. Eigentlich hatte man damit gerechnet, dass die deutsche Mannschaft auch ohne den aufgrund eines Infekts verhinderten Cosmo von Sönke Rothenberger ein lockeres Heimspiel haben würde. Stattdessen liegen die Gäste aus Übersee mit 231,988 Punkten in Führung, gefolgt von Deutschland mit 229,798 Zählern und Dänemark, die es auf 223,106 Punkte brachten.

 

Ordentlich gepunktet hatten für die USA nicht nur die Siegerin Laura Graves, sondern auch Kasey Perry-Glass, die mit ihrem dänischen Diamond Hit-Sohn Goerklintgaards Dublet nach einer sehr harmonischen Runde mit 76,801 Prozent Fünfte wurde. Komplettiert wird das führende US-Team mit Adrienne Lyle auf Salvino (74,581 Prozent) und Steffen Peters mit Rosamunde (71,351).

 

Für die drittplatzierten Dänen reiten neben Cathrine Dufour auf Cassidy auch Anna Zibrandtsen mit Arlando (70,434), Anders Dahl auf Selten HW (70,093) und Daniel Bachmann Andersen mit Blue Hors Zack (74,177).

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