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Prädikat Wert(h)voll – die Dressurkönigin verzaubert im Deutsche Bank Preis

Es heißt immer, Dressur zu verstehen, sei kompliziert….


Es heißt immer, Dressur zu verstehen, sei kompliziert. Als Isabell Werth heute zum elften Mal den Deutsche Bank Preis in der Aachener Soers gewann, hat sie mit der Oldenburger Stute Weihegold die Faszination Dressur fühlbar gemacht.

Als Isabell Werth und Weihegold das Deutsche Bank Stadion betraten, wurde es still. Dann erklangen die fröhlichen Italo Popmelodien, die die Kür der beiden Weltcup-Sieger untermalen und Weihegold begann zu tanzen. Dressur kann so einfach sein: Von der Passage in die Piaffe und wieder raus und wieder zurück und wieder raus, immer im Rhythmus, ein Tritt wie der andere, in vollkommener Losgelassenheit. Aktuell gibt es weltweit kein Pferd, das der Oldenburger Don Schufro-Tochter in diesen Lektionen das Wasser reichen kann. Wie Dr. Evi Eisenhardt, Chefrichterin bei C, es ausdrückt: „Meine Kollegen und ich hätten uns heute gewünscht, auch Elfen und Zwölfen geben zu können.“ Unter anderem hätten sie damit nämlich die Übergänge von Weihegold und Werth bedacht. In der ganzen Kür leistete die Stute sich nicht einen einzigen Patzer. Das Ergebnis: nahezu 90 Prozent, nämlich genau 89,675. Nach der letzten Grußaufstellung war es vorbei mit der sakralen Stille. Das Publikum tobte, gab der sechsfachen Olympiasiegerin stehende Ovationen. Werth selbst bestätigte nach ihrem Ritt: „Ich hatte heute ein super Gefühl. Sie war vom ersten bis zum letzten Moment bei mir, die Abstimmung war perfekt. Ich wollte heute an Omaha anknüpfen (wo sie im Frühjahr mit derselben Kür das Weltcupfinale gewonnen hatte, Anm. d. Red.) und ich denke, das ist uns gelungen.“

 

Cosmo, der fliegende Holländer

Noch einmal hatten die Richter den Wunsch, die Notenskala nach oben öffnen zu können, nämlich als Sönke Rothenberger und sein Königlich Niederländischer Warmblut-Wallach Cosmo im starken Trab übers Viereck flogen. Der erst zehnjährige Van Gogh-Sohn zeigte heute, was in ihm steckt. Und das ist noch weit mehr als starker Trab. Sönke Rothenberger: „Ich bin wirklich wirklich glücklich! Heute hat Cosmo sein ganzes Potenzial für Piaffe und Passage gezeigt!“ Und Sönkes Mutter Gonnelien, die unter anderem 1996 olympisches Silber mit der niederländischen Dressurmannschaft gewann, bestätigte: „Ich glaube, Cosmo hat heute demonstriert, wo es noch hingehen kann.“ Tatsächlich haben der 22-Jährige und sein zehnjähriger Wallach eine Karriere gemacht, dass einem schwindelig werden kann. Im Schnelldurchlauf: Vom Junge Reiter-Lager über die ersten Grand Prix-Starts hin zum ersten Teameinsatz beim CHIO 2016 und von dort nahtlos zu Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen in Rio. Im vergangenen Jahr durften die beiden in der Kür noch nicht antreten, weil sie viertbestes deutsches Paar waren. Und nun lieferten sie 85,750 Prozent und wurden Zweite im Deutsche Bank Preis 2017. Vor der Olympia-Vierten des vergangenen Jahres. Man könnte sagen: ein „cosmischer“ Aufstieg, dessen Ende noch nicht in Sicht ist.

 

Bitte nächstes Jahr wiederkommen!

Platz drei ging an die große Herausforderin aus Übersee, Laura Graves auf Verdades. Die beiden haben eine ganz ähnlich rasante Karriere hinter sich wie Sönke Rothenberger und Cosmo. 2014 waren sie erstmals in der Soers am Start. Niemand kannte sie. Danach waren die ehemalige Friseurin, die ihren Job für ihr Pferd und ihren Traum vom internationalen Dressurviereck an den Nagel gehängt hatte, in aller Munde. Und nun, drei Jahre später sind sie nach Aachen gereist mit einem klaren Ziel vor Augen: Isabell Werth schlagen! Gestern im Grand Prix Special um den MEGGLE-Preis gelang ihnen das. Aber heute sollte es nicht sein. Der 15-jährige KWPN-Wallach v. Florett As begann stark, aber dann schlichen sich in der Galopptour Fehler ein, die das Ergebnis auf 82,550 Prozent zusammenschrumpfen ließen. Laura Graves konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen. Nachvollziehbar! „Ich hoffe nur, dass ich noch einmal eingeladen werde“, scherzte sie tapfer in der Pressekonferenz.

Flash-Quotes

Die iberische Halbinsel toppt den LUMILEDS-Preis

Ausgerechnet die Südeuropäer haben heute Abend trotz strömenden…


Ausgerechnet die Südeuropäer haben heute Abend trotz strömenden Regens geliefert im LUMILEDS-Preis, der Grand Prix-Kür der I-Tour. Allen voran die EM-Dritte von 2015, Beatriz Ferrer-Salat.

Als Beatriz Ferrer-Salat und ihr westfälischer De Niro-Sohn Delgado 2015 Bronze in der Kür bei den Europameisterschaften hier in Aachen gewannen, war das eine kleine Überraschung. Heute waren die beiden haushohe Favoriten und wurden ihrer Rolle voll gerecht. Die Musik ihrer Kür ist eigens komponiert worden. Das Programm war geschaffen, um die Vorzüge des Fuchses bestens in Szene zu setzen: eine Trabtour in unerschütterlichem Takt und vorbildliche Durchlässigkeit. All ihre Pluspunkte präsentierte die in der Nähe von Barcelona beheimatete Spanierin heute trotz strömenden Regens und erhielt dafür 78,275 Prozent.

Platz zwei ging an ihre Landsnachbarin, die Portugiesin Maria Caetano auf dem bildschönen Lusitano Coroado mit 75,275 Prozent. Jan-Dirk Gießelmann hielt auf Rang drei die deutschen Fahnen hoch. Sein Real Dancer tanzte heute Abend zu Tom Jones zu 75,125 Prozent.

Vierte wurde die Österreicherin Belinda Weinbauer auf Söhnlein Brilliant MJ (74,975 Prozent). Bei diesem Paar hatte man den Eindruck, im Himmel habe jemand den Wasserhahn aufgedreht. Es goss Katzen und Hunde, wie die Engländer es ausdrücken. Aber, um es mal mit der fünftplatzierten Charlott-Maria Schürmann zu sagen: „Wir sind ziemlich wetterfest. Das Wetter liegt mir und Burlington mehr als wenn es so schwül und drückend ist!“ Sie hätte sich ein paar Punkte mehr erhofft als die 73,125 Prozent, die sie bekommen hatte. „Aber wir sind ja hier in Aachen und nicht in Gelsenkirchen auf dem Acker!“

WOTAX-Preis an Anna Kasprzak

Die dänische Dressurreiterin Anna Kasprzak und ihre Zukunftshoffnung…


Die dänische Dressurreiterin Anna Kasprzak und ihre Zukunftshoffnung Quarton dominierten die Kleine Tour beim CHIO Aachen 2017. Nach dem Prix St. Georges, sicherten sie sich auch die Intermédiaire I, den WOTAX-Preis.

Anna Kasprzaks Ziel mit Quarton ist klar: „Hier wird nicht Schluss sein!“ Mit anderen Worten: Der achtjährige Quaterback-Sohn soll Kasprzaks zukünftiges Grand Prix-Pferd werden. Davon, dass er das Zeug dazu hat, ist die Dänin überzeugt. „Wir müssen uns auf dem Turnier noch besser kennenlernen und es gibt noch einige Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten müssen. Aber alles in allem fühlte sich das heute schon richtig gut an, sehr leicht und selbstverständlich.“ Auch die Richter waren angetan und belohnten die Prüfung mit genau 74 Prozent.

Nun soll der Dunkelfuchs erst einmal ein wenig Pause bekommen. Über den Winter wird dann in Ruhe an dem Projekt Grand Prix gearbeitet. „Im kommenden Jahr wollen wir die ersten Prüfungen auf diesem Niveau anpeilen, aber zunächst mal auf kleinen nationalen Turnieren“, so die Olympiareiterin. Und 2019 dann vielleicht ja schon CHIO Aachen.

Ganz ähnlich sieht der Plan von Helen Langehanenberg mit der Hannoveraner Belissimo M-Tochter Brisbane aus. Seit rund einem Jahr reitet die Mannschaftsweltmeisterin die elegante Fuchsstute. „Sie ist sehr nervenstark und ruht immer in sich selbst“, beschreibt Langehanenberg die Vorzüge ihres Berittpferdes. Sie ist bereits für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals qualifiziert. Das findet im Dezember statt. Und danach soll es auch für Brisbane eine Klasse höher gehen, wenn alles so läuft wie geplant. Allein in dieser Saison lief es von Turnier zu Turnier besser für die beiden und ihren ersten Auftritt beim CHIO Aachen krönten sie heute mit einer 73,763 Prozent-Runde – fast drei Prozent mehr als noch im Prix St. Georges. Und das in der ersten Intermédiaire I des Paares.

Dritter wurde der Spanier Juan Matute Guimon auf Dhannie Ymas mit 73,395 Prozent. Auf seinem zweiten Pferd Don Diego Ymas war der erst 19-jährige Reiter zuvor Zweiter in der Grand Prix-Kür der U25-Tour geworden. Mit Dhannie hatte er sich 2015 ins Licht der Öffentlichkeit geritten als er überraschend Junioren-Europameister in der Kür wurde. Heute ließ er Mannschaftsolympiasiegerin Kristina Bröring-Sprehe auf ihrer Zukunftshoffnung Destiny OLD v. Desperados hinter sich (72,158).

Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung – Anne Meulendijks schafft den Hattrick in der U25-Tour

Als Holländische Meisterin war Anne Meulendijks mit großen…


Als Holländische Meisterin war Anne Meulendijks mit großen Erwartungen aus dem CHIO-Partnerland 2017 nach Aachen zur U25-Dressurtour, Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung, gereist. Die Hoffnungen haben sich voll erfüllt.

Drei Prüfungen geritten, drei Prüfungen gewonnen und dazu noch die Premiere des U25-Nationenpreises der Dressurreiter. Mehr ging nicht für die 23-jährige Anne Meulendijks bei ihrem ersten Auftritt in der Aachener Soers. Im Sattel ihres zwölfjährigen United-Sohnes MDH Avanti lieferte sie heute eine überlegene 78,20 Prozent-Kür im Finale der U25-Tour.

Meulendijks und Avanti sind schon lange ein erfolgreiches Team. 2013 holten sie Teamgold und Platz vier in der Einzelwertung bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter in Compiègne. 2014 folgte Silber mit der Mannschaft und Gold in der Einzelwertung. Im Jahr darauf wechselten sie in die Altersklasse U25 und eilen seither weiter von Erfolg zu Erfolg. Heute besiegelten sie ihren elften Sieg in Folge in den vergangenen Monaten.

Platz zwei in Aachen ging an den erst 19-jährigen Juan Matute Guimon auf Don Diego Ymas. Der sehr gefühlvoll einwirkende Spanier hatte sich 2015 mit einem Schlag ins Licht der Öffentlichkeit geritten, als er völlig überraschend die Kür bei den Europameisterschaften der Junioren in Vidauban gewann. Kür reiten ist also sein Ding. Heute belohnten die Richter seinen Auftritt mit 75,90 Prozent.

Dritte wurde eine Dauerrivalin der Siegerin und Teamkollegin, Maxime van der Vlist auf Bailey. In den beiden vorangegangenen Prüfungen der U25-Tour in der Soers waren die beiden jeweils Zweite. Mit 75,150 Prozent mussten sie sich nun dem Spanier geschlagen geben.

Das deutsche Trio belegte die Plätze fünf, sechs und elf. Bianca Nowag konnte sich mit ihrer einstigen U21-Europameisterin in der Kür, der Fidermark-Tochter Fair Play BB, Rang fünf mit 72,225 Prozent freuen. Dahinter landete mit 70,975 Prozent Juliette Piotrowski auf Sir Diamond, Mitglied des siegreichen Teams bei der ersten U25-Europameisterschaft in Hagen. Lisa-Maria Klössinger und FBW Daktari wurden Elfte mit 70,425 Prozent.

Lambertz Nationenpreis für Deutschlands Dressurreiter, Laura Graves besiegt Isabell Werth im MEGGLE-Preis

Aller guten Dinge sind drei – aber mit…


Aller guten Dinge sind drei – aber mit dem Lambertz Nationenpreis können die Deutschen sich bereits Mannschaftsentscheidung Nummer vier beim CHIO Aachen 2017 auf die Fahnen schreiben. Und Laura Graves konnte sich pünktlich zu ihrem 30. Geburtstag freuen, nach vielen vergeblichen Versuchen, endlich ihr großes Ziel erreicht zu haben.

Der Lambertz Nationenpreis 2017 setzte sich zusammen aus Grand Prix und Grand Prix Special, dem MEGGLE-Preis. Schon nach Teil eins waren die Deutschen auf Siegkurs. Heute hieß es dann fürs Team: Titel bestellt, Titel abgeholt. Isabell Werth und Weihegold, Sönke Rothenberger mit Cosmo, Dorothee Schneider auf Sammy Davis Jr. sowie Hubertus Schmidt und Imperio sammelten in beiden Prüfungen 471,046 Punkte und ließen damit die US-Amerikaner (450,392) und die Schweden hinter sich (437,635).

Für die USA ritten Adrienne Lyle/Salvino (73,608 Prozent), Kasey Perry-Glass/Goerklintgaards Dublet  (71,608), Olivia Lagoy-Weltz/Lonoir und Laura Graves/Verdades (81,824). Die schwedische Equipe bildeten Malin Nilsson/Bon-Ami (72,294), Juliette Ramel/Buriel K.H. (im Grand Prix Special nicht gestartet), Therese Nilshagen/Dante Weltino (74,784) und Patrik Kittel/Delaunay (74,157).

„Wir haben ein starkes und erfahrenes Team“, erklärte Deutschlands Equipechef Klaus Roeser, der das Siegen ja gewohnt ist. Und das, obwohl heute doch so einiges nicht ganz nach Plan lief. Hubertus Schmidts Imperio musste sich heute untypischerweise mit 69,451 Prozent begnügen, nachdem er sich unter anderem im ersten starken Trab – eigentlich die Paradelektion des Trakehner Hengstes – einmal deutlich herausgehoben hatte und Schmidt sich zudem einmal verritt. Danach waren Dorothee Schneider und Sammy Davis Jr. an der Reihe. Der bildschöne Rappe konnte die Erwartungen mit einer 75,261 Prozent-Runde voll erfüllen. In der Einzelwertung des MEGGLE-Preises war das Rang sechs. Dorothee Schneider: „Ich bin sehr stolz auf mein Pferd! Vor vier Monaten war er international noch ein Niemand. Und nun gehörte er in Aachen zum Nationenpreisteam.“ Außerdem konnte die Mannschaftsolympiasiegerin sich darüber freuen, dass der elfjährige in Bayern gezogene San Remo-Sohn heute schon viel sicherer war in der beeindruckenden Atmosphäre des Deutsche Bank-Stadions. „Er wollte das heute mit mir zusammen machen!“, so Schneider.

Die Grand Prix-Sieger Isabell Werth und Weihegold waren die nächsten auf der Starterliste. Für die Oldenburger Don Schufro-Tochter war es der erste Grand Prix Special seit den Olympischen Spielen in Rio. Das Weltcupfinale, das sie im Frühjahr in Omaha gewann, wird bekanntlich in der Kür entschieden. Das habe sie heute zu spüren bekommen, berichtete Isabell Werth. Im ersten starken Trab schlich sich ein Taktfehler ein, in die erste Piaffe kam die Rappstute etwas zögerlich und dann passierte auch noch ein massiver Fehler in den fliegenden Wechseln zu zwei Sprüngen. Die Richter gaben trotzdem noch 81,059 Prozent war vorläufig die Führung bedeutete.

Aber dann kamen die Herausforderer aus Übersee und setzten sich vor die Dressurkönigin. Laura Graves‘ Verdades war heute gut drauf. „Er (Verdades, Anm. d. Red) hat heute gesagt: ,Ah es geht rechts herum, ich weiß, es ist der Grand Prix Special, Mami!‘“ Nach einem weitgehend fehlerfreien Ritt standen 81,824 Prozent auf der Tafel. Der Sieg. Endlich! „Ich habe es so oft versucht“, gab Graves ehrlich zu und schob hinterher: „Das war ziemlich ermüdend!“ Heute habe ihr Pferd ihr ein wunderbares Geburtstagsgeschenk gemacht.

Das hatte Isabell Werth ja bereits gestern an ihrem Ehrentag von Zweitpferd Emilio im Lindt-Preis bekommen. Weshalb es heute nicht hatte sollen sein, konnte sie erklären. Den Kommentar von Laura Graves aufgreifend meinte sie: „Also, bei uns war es heute nicht so, dass Weihe beim Abwenden sagte: ,Ach, das möchtest Du von mir, Mutti!‘“ Stattdessen habe sie gespürt, dass die Stute lange keinen Special mehr gegangen war: „Ich habe gemerkt, dass sie unsicher war. Uns fehlte das Selbstvertrauen vom Grand Prix.“ Werth gratulierte Laura Graves von Herzen, setzte aber mit Blick auf die morgige Kür um den Deutsche Bank Preis gleich darauf hinterher: „Aber ich will auch gewinnen!“

Zwischen Werth und Graves war noch Sönke Rothenberger als letzter Reiter des deutschen Teams am Start. Er und sein zehnjähriger Cosmo begannen ganz stark. Doch im starken Schritt erschrak der KWPN-Wallach und sprang zur Seite. Es war aber wirklich nur eine Sekunde, die er abgelenkt war, danach marschierte er gelassen weiter über die Diagonale. Wer in diesem Moment nicht hingesehen hatte, hätte gar nichts bemerkt. Doch zu diesem Versehen gesellten sich noch Aussetzer in den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung sowie Taktfehler in der Trabtour. 78,314 und Platz drei sind ein gutes Ergebnis, aber es wäre wohl mehr drin gewesen. Rothenberger: „Ich bin vor allem enttäuscht von mir selbst! In den Einerwechseln habe ich mich nicht genug konzentriert.“ Ob er zu viel gefeiert habe, wurde er gefragt – „Ne, gar nicht. Das war wahrscheinlich der Fehler!“ Das kann er ja jetzt nachholen nach dem zweiten Sieg in Folge im Lambertz Nationenpreis beim CHIO Aachen.

Emilio schenkt Isabell Werth den Lindt-Preis zum Geburtstag

Ihren 48. Geburtstag feierte Dressurkönigin Isabell Werth beim…


Ihren 48. Geburtstag feierte Dressurkönigin Isabell Werth beim CHIO Aachen 2017 wie es sich gehört: Mit einem Sieg. Und zwar dem im Lindt-Preis, dem Grand Prix Special.

Isabell Werth konnte man heute doppelt gratulieren, zum Geburtstag und zum Sieg im Lindt-Preis mit Emilio. Wobei, von einer Tageszeitung auf ihren Geburtstag angesprochen, wiegelte sie ab: „Bei uns auf dem Land hat jeden Tag `ne Kuh Geburtstag.“ Sie kann eben nicht nur Reiten, sie hat auch Humor. Und vor allem ein echtes Kämpferherz. „Ja, die Scharte vom Mittwoch, die wollten wir auswetzen“, gab die sechsfache Olympiasiegerin unumwunden zu. Im Grand Prix waren sie und ihr westfälischer Ehrenpreis-Sohn nämlich noch nicht in Bestform gewesen und mussten sich mit Rang zwei begnügen. Heute lief es wieder wie am Schnürchen, 78,275 Prozent. Gut, ein paar kleine Ecken und Kanten gab es schon in der Aufgabe, z.B. einen zu kurz gesprungenen fliegenden Wechsel. Ob das daran lag, dass Emilio sich vor seinem Schatten erschreckt hat? „Nee, das war ich, da war ich ein bisschen vor der Bewegung. Ist ja nicht so wie bei den Nichtschwimmern, bei denen immer die Badehose Schuld hat!“

 

Die Wundertüte

Platz zwei belegten mit 76,686 Prozent die beiden Grand Prix-Sieger, Helen Langehanenberg und Damsey FRH. „Ich bin überglücklich, nicht ganz so sprachlos wie vorgestern, aber überglücklich“, so die Mannschaftsweltmeisterin, deren Aachen-Fazit 2017 lautet: „Weit mehr als ich erwartet habe!“ Seit eineinhalb Jahren reitet sie den Hannoveraner Hengst Damsey. Und die beiden werden immer besser. Wo sie glaubt, dass die Reise noch hingeht? „Damsey ist eine totale Wundertüte. Er überrascht uns immer wieder. Und ich denke, von seiner Grundqualität hat er keine Limits.“ Da freuen wir uns auf Aachen 2018!

 

Das Stehaufmännchen

Rang drei ging wie schon im Grand Prix an die Dänin Anna Kasprzak auf ihrem 18-jährigen Donnerhall-Sohn Donnperignon. Der Dunkelfuchs hatte länger pausiert und meldet sich in Aachen in super Form zurück. Seine 18 Lenze sieht man ihm überhaupt nicht an. Im Gegenteil, manche sagen, so gut hätten sie den in Finnland gezogenen Wallach noch nie gesehen. 74,824 Prozent vergaben die Richter.

Neusser Quadrille toppt den Preis des Handwerks

Pferdesportler aus Neuss haben beim CHIO 2017 einen…


Pferdesportler aus Neuss haben beim CHIO 2017 einen Lauf. Nachdem das deutsche Team um die Voltigiergruppe des RSV Neuss-Grimlinghausen den Nationenpreis der Turner auf dem Pferderücken gewonnen hat, siegte heute das Quartett des Kreisverbands Neuss im Quadrillen Championat Aachen, dem Preis des Handwerks.

Kahra Alena Baumann auf Dance with me, Kerstin Lehmann mit Hermanito, Anke Roeb auf Waldero‘s Dream sowie Sabrina Stocks im Sattel von Filou le Bon konnten sich heute zusammen mit ihrer Mannschaftsführerin Anja Mede an dem einmaligen Gefühl erfreuen, im Deutsche Bank Stadion der Aachener Soers eine goldene Schleife an die Kandare gesteckt zu bekommen. 17,5 Punkte gaben die Unparteiischen, eine 8,0 für die A- und eine 9,5 in der B-Note.

Lediglich zwei Zehntel trennten die Ersten von den Zweitplatzierten. Silber ging an den Kreisverband Krefeld mit Christina Dahl/Las Vegas, Nicole Louven/Laurino, Angela Bißels/Faunus sowie Simone Weichert/Copyright, angeführt von Tanja Liepack.

Und Bronze wurde gewissermaßen ein Heimspiel für den Kreisverband Aachen unter der Leitung von Dr. Sandra Schermesser. Jennifer Bücken/Don Destillo, Katrin Sophie Lüthke/Bentley R, Ricarda Mombach/Imero und Monique Breuer/Djamilo sammelten 16,3 Zähler.

Etwas überraschend war das Abschneiden des Titelverteidigers, des Kreisverbands Wesel unter der Ägide von Helmi Abeck. Abeck und ihre Truppe sind Quadrillenspezialisten. Im vergangenen Jahr hatte die Reitlehrerin noch gebeichtet, dass sie sich gar nicht mehr erinnern kann, wie häufig sie den Preis des Handwerks beim CHIO mit ihren Reitern schon gewonnen hat. Diesmal belegten sie „nur“ Rang vier mit 16,2 Punkten. 2018 gibt es Revanche!

Hollands Anne Meulendijks ungeschlagen bei ihrer Aachen-Premiere im U25-Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung

Schon in der Intermédiaire II im Preis der…


Schon in der Intermédiaire II im Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung 2017, der U25-Tour auf dem Dressurviereck beim CHIO Aachen, war die Holländerin Anne Meulendijks die Beste. Heute gab es eine weitere goldene Schleife im Grand Prix der Serie.

Für die noch nicht ganz 24 Jahre junge Anne Meulendijks ist der CHIO 2017 ihre Premiere in der Soers. Wie das so ist? „Aufregend“, „spannend“, „überwältigend“, „unfassbar“ – die Adjektive, mit denen die nationale Meisterin aus dem aktuellen CHIO-Partnerland ihre Gefühle, Gedanken und Eindrücke beschreiben wollte, nahmen kein Ende. Trotz aller Überwältigung behielt Anne die Nerven. Schon in der Intermédiaire II hatten sie und ihr zwölfjähriger KWPN-Wallach MDH Avanti mit ihrem Ergebnis den Löwenanteil zum holländischen Sieg im ersten U25-Nationenpreis beim CHIO Aachen beigetragen. Heute setzten die beiden noch einen drauf. Die Richter vergaben 72,279 Prozent. Annes Taktik? „Alles wie immer machen. Wir brauchen unsere Routine.“ Dazu gehört es offenbar auch, in Siegerehrungen ganz rechts zu stehen. Gerechnet hatte Anne mit diesem Erfolg nicht. Wohl aber hatte sie es gehofft.

Allerdings war der Sieg ein knapper. Wie schon in der Intermédiaire II waren Maxime van der Vlist und der Negro-Sohn Bailey den beiden vor ihnen Platzierten dicht auf den Fersen. 72,233 Prozent lautete ihr Ergebnis. Hinter Anne und Maxime reihte sich mit Denise Nekeman im Sattel von Boston STH noch eine dritte Holländerin an der Spitze der Platzierung ein (71,236 Prozent). Damit haben die Mädels ihren Nationenpreissieg im Nachhinein noch einmal bestätigt.

Die drei deutschen Reiterinnen, Lisa Maria Klössinger auf Daktari, Bianca Nowag mit Fair Play BB sowie Juliette Piotrowski auf Sir Diamond wurden in dieser Reihenfolge Vierte (69,721), Fünfte (69,256) und Sechste (68,721).

Deutsche Dressurreiter übermächtig im Preis der Familie Tesch

Runde eins im Lambertz Nationenpreis der Dressurreiter, der…


Runde eins im Lambertz Nationenpreis der Dressurreiter, der Grand Prix um den Preis der Familie Tesch, war eine klare Sache. An Werth & Co. war kein Vorbeikommen.

„Wir sind sehr zufrieden“, lautete das Fazit von Deutschlands Dressurbundestrainerin Monica Theodorescu nach dem heutigen Grand Prix um den Preis der Familie Tesch, der ersten Wertungsprüfung im Lambertz Nationenpreis der Dressurreiter. Kein Wunder. Ihr Team führt mit Weile vor der Konkurrenz. Eine Tagesanalyse im Telegrammstil: Dorothee Schneider legte mit Aachen-Debütant Sammy Davis Jr. als erste Teamreiterin gut vor (74,529 Prozent). Hubertus Schmidt und Imperio hatten Pech und blieben unter den Erwartungen (71,371). Sönke Rothenberger und Cosmo verpassten die 80 Prozent, weil der Reiter ein Problem beim Zählen hatte (78,757) und Isabell Werth ritt mit Weihegold eine Prüfung, zu der ihr eigentlich nur einfiel: „Alles Tippitoppi!“, 83,171 Prozent.

236,457 Punkte stehen auf dem Konto der führenden Favoriten vor der Entscheidung im MEGGLE-Preis, dem Grand Prix Special am Samstag. Dahinter rangieren die USA mit 222,842 Punkten, für die Aachen das Saisonhighlight ist. Das Team bilden Adrienne Lyle/Salvino (71,814 Prozent), Kasey Perry-Glass/Goerklintgaards Dublet (68,929), Olivia Lagoy-Weltz/Lonoir (71,514) sowie Laura Graves und Verdades (79,514).

Auf dem dritten Platz liegen derzeit die Dänen mit 218,457 Punkten. Hier reiten Daniel Bachmann Andersen/Blue Hors Don Olymbrio (68,614 Prozent), Anders Dahl/Selten HW (68,886), Agnete Kirk Thinggaard/Jojo AZ (72,157) und Cathrine Dufour/Cassidy (77,414).

Vorteil Werth

Die Einzelwertung ging an Isabell Werth vor der US-Amerikanerin Laura Graves. Letztere, die Weltcup-Zweite von Omaha, hatte im Vorfeld des CHIO angekündigt, Isabell Werth schlagen zu wollen. Der erste Anlauf scheiterte unter anderem an Fehlern in den Fliegenden Wechseln zu zwei Sprüngen. Graves knapper Kommentar: „Wir versuchen es im Grand Prix Special erneut!“ Es seien Fehler gewesen wie sie einfach passieren. „Unglücklicherweise ist das der Sport.“

Isabell Werth war rundum zufrieden mit ihrer Runde. Kleine Irritationen nahm sie auf ihre Kappe. Vor allem sei sie stolz auf „Weihe“ alias Weihegold, die seit ihrem Sieg beim diesjährigen Weltcup-Finale Pause hatte und hier in Aachen ihr erstes Freiluftturnier geht. „Sie war absolut fokussiert.“ Fazit: So kann es weitergehen!

Sönke Rothenberger wurde Dritter. Von den 80 Prozent sind er und sein mit nun zehn Jahren ja noch junger KWPN-Wallach Cosmo nicht mehr weit entfernt. Möglicherweise wären die sogar heute schon drin gewesen, hätte der Reiter nicht versäumt, das Rückwärtsrichten zu üben, wie die Bundestrainerin schmunzelnd anmerkte. Und dann hat der Mannschaftsolympiasieger sich auch noch bei den Zick-Zack-Traversalen verzählt. „Das ist doppelt ärgerlich, weil die Noten für diese Lektion zweifach zählen“, so Rothenberger. Dem gegenüber standen ausgesprochene Highlights in seiner Prüfung, z.B. die fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung, für die mehrere Richter eine 10,0 gaben.

Apropos Richter – Isobel Wessels (GBR) erklärte als Vorsitzende des Richterkollegiums, dies sei ein „absolut phänomenaler Tag“ für sie und die weiteren Unparteiischen gewesen, an dem auch die schwächeren Ritte ihre Höhepunkte hatten und insgesamt sehr harmonisch geritten wurde.

Flash Quotes

Tränenreicher Triumph im HAVENS Pferdefutter-Preis

Helen Langehanenberg kennt das Gefühl, wenn im Aachener…


Helen Langehanenberg kennt das Gefühl, wenn im Aachener Deutsche Bank-Stadion die deutsche Nationalhymne für sie gespielt wird. Mit Damon Hill durfte sie das häufiger erleben. Dass dies allerdings heute wieder passierte, machte sie schlichtweg sprachlos. Und rührte nicht nur sie zu Tränen.

Helen Langehanenberg ist zurück auf der Überholspur im Dressurviereck, zugegebenermaßen nicht erst seit heute. Aber wie sie selbst sagt: „Ein Sieg in Aachen ist etwas Besonderes!“ Ihr neues Pferd für ganz große Aufgaben ist der Hannoveraner Hengst Damsey FRH. Seit eineinhalb Jahren sitzt Langehanenberg im Sattel des Dressage Royal-Sohnes. Seitdem haben sie sich stetig gesteigert, „mit ein bisschen Auf und Ab“, wie die Reiterin sagt, aber die Tendenz zeigte immer nach oben. Das heute ist die vorläufige Krönung. Oder um es mit den – unter Freudentränen hervorgebrachten – Worten von Damseys US-amerikanischer Besitzerin Louise Leatherdale auszudrücken: „This was perfection!“ „Das war Perfektion!“

Tatsächlich lieferten die Mannschaftsweltmeisterin und der elegante Dunkelbraune einen wunderbar harmonischen Ritt, fehlerfrei und mit Esprit. 75,9 Prozent gab es von den Richtern. Olympiasiegerin Heike Kemmer rief Helen im Vorbeigehen zu: „Ich hätte Dir 78 Prozent gegeben!“ Die Reiterin selbst war derweil so gut wie sprachlos. Ihre Wangen glänzten feucht. „Ich bin hierher gefahren, um Attacke zu reiten. Und dann hat er so mitgemacht und so gekämpft … Ich bin so stolz auf ihn, wie wir zusammengefunden haben!“ Das nächste Ziel ist klar: Am Freitag im Grand Prix Special um den Lindt-Preis noch einmal ähnlich liefern.

Der Erfolg von Langehanenberg war heute umso größer, da sie die Dressurkönigin persönlich auf Rang zwei verwies: Isabell Werth mit dem Westfalen Emilio. Allerdings leistete die sechsfache Olympiasiegerin sich heute auch teure Fehler sowohl in den Zweier- als auch in den Einerwechseln. So musste das erfolgsverwöhnte Paar sich heute mit Rang zwei zufrieden geben. 75,040 Prozent vergaben die Unparteiischen am Richtertisch.

Über Rang drei mit 74,320 Prozent konnte sich die Dänin Anna Kasprzak freuen. Nicht nur wegen der Platzierung, sondern vor allem auch, weil ihr inzwischen 18-jähriger Donnerhall-Sohn hier in Aachen ein Comeback nach längerer Verletzungspause feiert. Ihm mussten mehrere Zähne gezogen werden. Nun ist er wieder da. Und wie! Donnperignon scheint ein bisschen wie ein guter Rotwein zu sein – je reifer desto besser!

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