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CHIO Aachen: Nationenpreis-Doppel für Deutschlands Voltigierer

Das CHIO-Wochenende im Juli 2018 war ein voller…


Das CHIO-Wochenende im Juli 2018 war ein voller Erfolg für die deutschen Voltigierer, die alle großen Prüfungen um den Preis der Sparkasse für sich entscheiden konnten. Zum krönenden Abschluss holten sie auch noch die ersten beiden Plätze im Nationenpreis – und lieferten sich dabei ein verdammt spannendes Duell!

 

Die Albert-Vahle-Halle in der Aachener Soers vibrierte geradezu, als sich der Nationenpreis der Voltigierer 2018 dem Ende näherte. Ein Highlight folgte aufs nächste. Aber alles wartete gespannt auf die beiden favorisierten Teams: Deutschland II mit dem Team Norka des VV Köln-Dünnwald sowie den Einzelvoltigierern Thomas Brüsewitz und Sarah Kay und Deutschland I mit Kristina Boe, Jannik Heiland und den Gruppensiegern von gestern, Fredenbeck I.

Deutschland II musste als erstes ran. Thomas Brüsewitz machte mit seiner „Truman Show“ auf Danny Boy an der Longe von Patric Looser den Anfang. Der dreifache Sieger der Herrenkonkurrenz beim CHIO Aachen turnte gut, aber nicht fehlerfrei, 8,442 Punkte. Sarah Kays Kür mit Sir Valentin an der Longe von Dr. Dina Menke war eine runde Sache, die mit 8,386 Punkten belohnt wurde.

Dann kam die Gruppe. Das Team Norka hatte hier noch eine Rechnung zu begleichen. Gestern musste ihr Picardo (Longe: Patric Looser) sich während der Kür erleichtern und hielt an. Das war teuer, das sollte heute nicht noch einmal passieren. Tat es auch nicht. Die Kölner demonstrierten so viel Kraft, Eleganz und Akrobatik mit ihren gewagten Hebefiguren und Sprungelementen, dass klar war: Dies zu schlagen würde schwer werden! 8,671 Punkte gaben die Richter dem Team.

Nun Einlauf Kristina Boe und Don de la Mar mit Winnie Schlüter an der Longe. Gestern hatte die Hamburgerin mit einer bravourösen Vorstellung zu ihrer neuen Kür bereits den Einzeltitel gewonnen. Würde ihr heute eine ähnliche Glanzleistung gelingen? Es würde! Passend zum gestrigen Welt-Schimpansen-Tag lautete das Motto von Kristina Boes Kür „Jane Godall“, die „Mutter der Schimpansen“. Nach ihrem gestrigen Sieg im Preis der Sparkasse hatte Boe gesagt, ihr gefiele der Gedanke, die positiven Botschaften dieser beeindruckenden Frau weiterzugeben, der die Welt nicht nur bahnbrechende Erkenntnisse über das Leben der Primaten verdankt, sondern die sich seither vor allem auch in großem Umfang für Natur- und Artenschutz engagiert. Einer Sache kann Kristina Boe sich gewiss sein: Ihre Kür hat niemanden kalt gelassen! Auch die Richter nicht: 8,756 Punkte.

Jannik Heiland hatte für seine Kür auf Dark Beluga (Longe: Barbara Rosiny) ebenfalls ein ernstes Thema gewählt: den Film „der Pianist“ über den polnischen Musiker Władysław Szpilman, der dank seiner Kunst den Holocaust überlebt. Heiland sagt: „Mir gefällt die Botschaft dieses Films, dass man an seinen Träumen festhalten soll, egal was passiert.“ Gestern war er noch Zweiter geworden hinter Thomas Brüsewitz. Heute drehte er den Spieß um. Seine Kür verzaubert und berührt, nicht nur durch die leisen, aber dennoch eindringlichen Klaviertöne des Frédéric Chopin, sondern auch durch Heilands Interpretation, der sein Programm heute ebenso weich und doch kraftvoll wie aus einem Guss von Anfang bis Ende durchturnte. 9,011 Punkte waren der Lohn von den Richtern.

Und dann war es endlich so weit: Bühne frei für Fredenbeck I! Der tosende Begrüßungsapplaus für die neuen Publikumslieblinge verebbte allerdings recht schnell, als die fachkundigen Aachener Zuschauer sahen, dass Mannschaftspferd Wizaro doch sehr beeindruckt war von der Kulisse, zu der sich heute auch noch die Fernsehkameras des WDR gesellt hatten. Es war ein Meisterstück, wie Longenführerin Gesa Bührig den Wallach beruhigte und die Turner pünktlich beginnen konnten.

Viktor Brüsewitz gab zu, am Anfang noch ein wenig den Sicherheitsgedanken im Kopf gehabt zu haben, um Wizaro nicht zu überfordern. Aber von Übung zu Übung fand der Fuchs besser in sein Programm. Und „seine“ Gruppe auch. Die Fredenbecker turnten die Kür ihres Lebens. Die Herzen des Publikums hatten sie schon gestern erobert. Aber als Viktor Brüsewitz gegen Ende des Programms die neunjährige Mirja König stehend auf seinem seitlich ausgestreckten Arm in der Luft balancierte, da blieben die Münder staunend offen stehen – wobei man vielleicht dazu sagen sollte, dass dieser Mann es auf Anhieb ins Finale einer TV-Show mit dem vielsagenden Namen „Ninja Warriors“ geschafft hat. Da ist so ein 30 Kilo-Floh wahrscheinlich ein Klacks. Eines steht jedenfalls fest: Das war erneut eine absolute Spitzenleistung der Mannschaft aus Niedersachsen! Aber würde es reichen, um die Kölner, die designierten WM-Teilnehmer in Tryon, hinter sich zu lassen?

Nein, nicht ganz. Fredenbeck I erhielt 8,509 Punkte. Aber der Nationenpreissieg für Deutschland I und damit auch Fredenbeck stand fest. Mit einem Gesamtergebnis von 26,276 Punkten setzte sich die Truppe gegen Deutschland II (25,479) und Österreich durch (24,482). Auf den Plätzen folgten Italien (23,506), Schweiz I (23,195), USA (22,914), Schweiz II (22,172) und Russland (19,049).

Die Fredenbecker konnten ihr Glück kaum fassen: „Das ist einfach unbeschreiblich! Das hätten wir nie für möglich gehalten“, hieß es da. Und: „Man kann das einfach nicht in Worte fassen!“ Die fand dafür die Bundestrainerin Ursula Ramge, die sagte: „Die Fredenbecker sind hier über sich hinaus gewachsen!“ Lob gab es auch für die anderen Athleten. Aber das sei den Erwartungen entsprechend gewesen, so die Equipechefin, die wieder einmal feststellte: „Hier in Aachen herrschen beste sportfachliche Bedingungen. Und die Atmosphäre, die ist wie bei einer Weltmeisterschaft.“

Was sie dann wohl erst sagen wird, wenn Turnierleiter Frank Kemperman seine Pläne wie versprochen fertig „gemalt“ hat und die Soers eine neue Veranstaltungshalle hat, in die noch mehr Leute hineinpassen als die 3500, die am ersten Wochenende des CHIO 2018 in die Soers gepilgert waren um Weltklasse-Voltigiersport zu sehen?

CHIO Aachen: Jacobs und Bresch mit Paso Doble-Pas de Deux zum Sieg

2017 waren Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch als…


2017 waren Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch als Bonnie und Clyde zum Pas de Deux beim CHIO Aachen angetreten. Dieses Jahr verwandelten sie die Albert-Vahle-Halle in eine Stierkampf-Arena und tanzten Paso Doble zum Sieg.

 

Der Applaus brandete auf, noch ehe Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs ihren Abgang nach der letzten Figur ihrer Kür auf Danny Boy an der Longe von Alexandra Knauf gemacht hatten. „Wir hatten uns vor allem vorgenommen, hier Stimmung in die Halle zu bringen“, berichteten die beiden hinterher. Man darf wohl sagen: Das ist ihnen gelungen! Zu mitreißenden spanischen Rhythmen zelebrierten die beiden sämtliche Höchstschwierigkeiten ihres Programms, das sie als eine Mischung zwischen Paso Doble und Stierkampf bezeichnen. Der Lohn: 9,066 Punkte für den heutigen Auftritt. Sie hatten aber auch keine Mühen gescheut, ihrer spanischen Nummer Authentizität zu verleihen. Der eigentlich blonde Jacobs kam plötzlich mit schwarzer Mähne daher, verriet aber: „Das ist ein Einmalspray. Nach dem Waschen ist das wieder draußen.“ Gelohnt hat es sich allemal. Nachdem sie am Samstag auch schon die erste Kür hatten für sich entscheiden können, war den Weltcupsiegern der Gesamtsieg im Pas de Deux beim CHIO Aachen 2018 nicht mehr zu nehmen. 8,848 Punkte kamen zusammen.

Platz zwei ging an die Vorjahressieger aus Italien, Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini auf Rosenstolz an der Longe von Laura Carnabuci. Sie waren auch gestern schon Zweite gewesen mit ihrem Samba-Auftritt zu Pferde, aber Silvia Stopazzini gab zu: „Heute war es viel besser als gestern! Wir haben wirklich sauber geturn.“ In der ersten Kür hatten sie 8,479 Punkte erhalten, heute waren es 8,960, machte 8,720 Zähler insgesamt. Fazit: „Wir sind sehr zufrieden!“

Dritte der Gesamtwertung wurden mit 8,478 Punkten Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes auf Caram OE (Longe: Claudia Döller-Ossenberg-Engels), die sich den Film Titanic als Thema ihrer Kür ausgesucht hatten. „Das hätten Leo und Kate auch nicht schöner machen können“, stellte Hallensprecher Arnaud Petit fest und erntete zustimmenden Applaus.

Dabei hatten Ossenberg-Engels und Gerdes sich heute „nur“ mit Rang vier begnügen müssen (8,584 Punkte). An ihnen vorbeiziehen konnten mit 8,646 Zählern Johannes Kay und Janika Derks, die sich gestern noch hatten mit Rang fünf begnügen müssen, nachdem ihr Abgang etwas missglückte und von den Unparteiischen am Zirkelrand als Sturz gewertet wurde. Die Scharte wetzten sie heute aus. Platz fünf gestern, Rang drei heute bedeuteten den vierten Platz insgesamt mit 8,220 Punkten auf Dark Beluga an der Longe von Barbara Rosiny.

CHIO Aachen: Hattrick für Thomas Brüsewitz im Preis der Sparkasse

Zum dritten Mal hintereinander sicherte sich Thomas Brüsewitz…


Zum dritten Mal hintereinander sicherte sich Thomas Brüsewitz die Einzelwertung der Herren um den Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen. Kein Zufall!

Thomas Brüsewitz kommt gerne nach Aachen: „Definitiv mein internationales Lieblingsturnier!“ Kein Wunder! 2016 stand er hier ganz vorne, 2017 ebenso und 2018 wieder. Mit insgesamt 8,219 Punkten setzte Brüsewitz sich gegen seinen ehemaligen Trainingskollegen und Mitbewohner Jannik Heiland durch (8,168). Dahinter reihte sich der aktuelle Weltcup-Sieger ein, Jannik Drewell (8,023).

Den Grundstein für den Erfolg legte Brüsewitz mit einer super Pflicht, der ersten von insgesamt drei Prüfungen auf dem Weg zum CHIO-Titel Nummer drei und dem ersten Aachen-Einzelsieg mit Danny Boy an der Longe von Patric Looser. In der Technik wurde er Dritter, die Kür gewann er – mit gerade mal einem tausendstel Punkt Vorsprung vor Jannik Heiland. Brüsewitz erhielt 8,752 Punkte, Heiland 8,751 Zähler. Knapper geht es wirklich nicht!

Jannik Heiland trug es mit Fassung: „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Kür“, so der Ingenieur, der auf Dark Beluga an der Longe von Barbara Rosiny  turnte. Der Erfolg bleibt ja auch sozusagen in der Familie: „Wir sind zwar nicht blutsverwandt, aber man kann wohl sagen, Thomas, Viktor und ich sind Brüder im Geiste. Wir haben vier Jahre lang zusammen gelebt und trainiert und nun wohne ich mit Viktor in Hamburg“, erklärte er die Nähe zwischen sich und den Brüsewitz-Brüdern, die übrigens beide in Aachen am Start waren.

Bei dem 28-jährigen Viktor Brüsewitz lief es dieses Jahr allerdings nicht so rund in der Albert-Vahle-Halle. Er wurde mit 7,850 Punkten Neunter. Die Bundestrainer führten dies darauf zurück, dass er und sein Pferd Claus (Longe: Gesa Bührig) sich hier nicht so ganz einig waren.

Zu den drei Sportlern an der Spitze sagte Kai Vorberg: „Sie haben physisch und athletisch alles, was man braucht! Da kann jeder gewinnen.“ Für ihn und seine Trainerkollegin Ursula Ramge sei das ein Vorteil: „Sie pushen sich gegenseitig. Sie wissen, die erste Hürde ist es, sich im eigenen Land durchzusetzen.“

Das gelang diesmal also erneut Thomas Brüsewitz. Der Kölner selbst weiß, woran es gelegen hat: „Jedes Mal wenn der Vorhang aufging, habe ich mir gesagt: ,Einlauf Aachen!‘“ Nicht nur für ihn ist dieses Turnier etwas Besonderes, weiß Kai Vorberg, der einst hier selbst Weltmeister wurde: „Nach Aachen wollen sie alle hin, darauf sind alle heiß!“

Voll des Lobes war Trainer Vorberg aber nicht nur für die zweibeinigen Athleten, sondern auch für die vierbeinigen, insbesondere den erst neunjährigen Oldenburger Qualimero von Jannis Drewell, der von Drewells Mutter Simone in Szene gesetzt wurde. Für das Trio ist Aachen erst das zweite gemeinsame Turnier. „Dieses Pferd ist ein Juwel“, so Kai Vorberg. „Die drei Sportler waren schon gut“, fuhr er fort, „aber die Pferde sind auch super gelaufen! Das ist wichtig für die nächsten Wochen“, spielte er auf die bevorstehenden Weltmeisterschaften im September in den USA an.

Aber jetzt müssen alle Beteiligten ihre Form erst mal abrufen, wenn es morgen um den Nationenpreis geht! Der ist allerdings nicht die einzige Entscheidung im Preis der Sparkasse, die für den Soerser Sonntag auf dem Programm steht beim CHIO 2018. Als erstes sind die Paare an der Reihe. Auch hier haben die Deutschen gut vorgelegt. Nach der heutigen ersten Runde führen die beiden amtierenden Weltcup-Sieger im Pas de Deux, Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch, auf Holiday on Ice an der Longe von Alexandra Knauf mit 8,630 Punkten. An zweiter Stelle rangiert das italienische Duo Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini auf Rosenstolz (Longe: Laura Carnabucci) mit 8,479 Zählern, gefolgt von und Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes auf Caram OE (Longe: Claudia Döller-Ossenberg-Engels), die aktuell 8,371 Punkte auf dem Konto haben.

CHIO Aachen: Kristina Boe gewinnt die Damenkonkurrenz im Preis der Sparkasse mit Botschaft

Kristina Boe voltigiert diese Saison in einer eigenen…


Kristina Boe voltigiert diese Saison in einer eigenen Liga. So siegte sie heute überlegen in der Damenkonkurrenz um den Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen 2018. Ausschlaggebend war die fantastische Kür, in der für die Hamburgerin nicht nur der sportliche Aspekt eine große Rolle spielt.

 

Mit 8,186 Punkten insgesamt setzte sich die Unfallchirurgin Kristina Boe auf Don de la Mar an der Longe von Winnie Schlüter gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Land durch: Sarah Kay wurde Zweite mit 7,927 Punkten vor Janika Derks, bei der am Ende 7,902 Zähler auf dem Konto standen. Starke Leistungen, zu denen die Bundestrainerin Ursula Ramge strahlend erklärte: „Auf einer Skala von 1 bis 10 bin ich gerade für eine 10 zufrieden! Und zwar mit allen vier Damen!“ Denn neben den drei Erstplatzierten lieferte auch Corinna Knauf eine hervorragende Kür, mit der sie in der Endabrechnung Sechste wurde (7,688). Die Plätze dazwischen machten die Italienerinnen Anna Cavallaro (7,809) und Silvia Stopazzini (7,728) unter sich aus.

 

In ihrer neuen Kür hat sich Kristina Boe von der britischen Verhaltensforscherin Jane Godall inspirieren lassen, die im Afrika der 1970er-Jahre maßgebliche Erkenntnisse über das Verhalten von Schimpansen gesammelt hat und schließlich von der Beobachterin zur Aktivistin wurde, um sich für die Rechte der Tiere und die Umwelt einzusetzen. „Ich habe diese Kür schon lange im Kopf gehabt“, berichtete Kristina Boe nach ihrem grandiosen Auftritt, für den sie 9,862 (!) Punkte erhielt. „Ich fand die Idee schön, die positiven Botschaften dieser beeindruckenden Frau weitergeben zu können!“ Das ist ihr gelungen. Die Weltcup-Siegerin, die zuletzt 2016 beim CHIO Aachen siegreich gewesen war, turnte eine herausragende Kür, zu der Bundestrainerin Ramge vielsagend bemerkte: „Das war erwartungsgemäß!“

Boe selbst erklärte, diese Kür sei eine, bei der sie immer das Gefühl habe, sie „von A bis Z unter Kontrolle“ zu haben. „Ich musste während des Programms paar mal nachjustieren. Das hat man von außen vielleicht gar nicht so gesehen. Aber bei dieser Kür weiß ich, das schaffe ich immer. Zumal mein Pferd hier drei fantastische Runden gezeigt hat und mich unterstützt hat, wo er nur konnte!“

Wie sich das anfühlt, wenn ein Voltigierpferd einem hilft? „Wenn ich etwas die Balance verliere, kann er entweder unter mich kommen und mir dadurch wieder Halt geben oder er könnte dem Druck ausweichen.“

Letzteres wäre die natürliche, instinktive Reaktion der Pferde. In dem Fall würde der Voltigierer sehr wahrscheinlich aus dem Takt geraten, wenn nicht sogar stürzen. Aber Don de la Mar und Kristina Boe sind ein eingespieltes Team. Seit sieben Jahren kennen sie sich, seit 2016 gehört er der Voltigiererin zusammen mit Longenführerin Winnie Schlüter. Die wiederum ist seit 2006 Boes Sportpartnerin. Boe sagt: „Das ist eine Basis des Vertrauens, die man mit Gold nicht aufwiegen kann!“

 

Und dieses Vertrauen sei es auch, was letztendlich zu außergewöhnlichen Leistungen befähige, erklärt Ursula Ramge. So müsse beispielsweise die drittplatzierte Janika Derks trotz einer technisch absolut sauberen Kür noch an der künstlerischen Ausgestaltung feilen. Dafür sei die Beziehung zum Pferd enorm wichtig. „Janika und Carousso Hit sind erst seit dieser Saison ein Team, haben sich aber nun zusammengefunden.“ Insofern dürfte noch einiges zu erwarten sein von der Vorjahressiegerin beim CHIO, die von Jessica Lichtenberg longiert wird.

 

Sichtlich glücklich war Ramge auch mit dem Auftritt der zweitbesten Dame des CHIO-Wochenendes, Sarah Kay auf Sir Valentin an der Longe von Dr. Dina Menke: „Sarah ist schon stark in die Saison gestartet. Ihr Programm kommt super rüber. Sie hat die Erwartungen voll erfüllt!“

Dabei standen die Vorzeichen alles andere als gut. Vor fünf Wochen hatte Kay sich zwei Außenbänder am Fuß gerissen, just vor der letzten Sichtung für den CHIO Aachen. „Weil meine Leistungen zu Beginn der Saison aber passten, durfte ich trotzdem herkommen“, erklärte sie. Und das hat sich gelohnt: „Insgesamt war ich sehr zufrieden. Klar, da waren noch Kleinigkeiten. Aber dafür, dass ich wirklich nur ein paar Trainingseinheiten für Technik und Kür absolvieren durfte, war es echt super! Und mein Pferd ist einfach ein Schatz! Der tut wirklich alles für mich!“ Wie Ursula Ramge schon sagte:  Keine außergewöhnlichen Leistungen ohne das Vertrauen zwischen Athlet und Pferd.

 

 

 

 

Training statt Party: Fredenbeck krönt Aachen-Premiere mit Gruppensieg im Preis der Sparkasse

Spannend bis zur letzten Minute war die Entscheidung…


Spannend bis zur letzten Minute war die Entscheidung der Gruppen im Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen 2018. Am Ende setzten sich die Voltigierer von Fredenbeck I durch, die hier gewissermaßen von null auf hundert durchgestartet sind.

 

Zum ersten Mal konnte sich Fredenbeck I für den CHIO Aachen qualifizieren. Allein das war schon ein Riesenerfolg für die Mannschaft um Longenführerin Gesa Bührig mit Viktor Brüsewitz, Kevin Greiner, Magdalena Holysz, Mirja Krone, Wienke Rademakers und Malte Möller. Nach der Pflicht am Freitag lagen sie in der Zwischenwertung an dritter Stelle. Heute kam es  drauf an. So lange haben sie für diesen Moment trainiert. So mancher Geburtstag und manche Abi-Party mussten hinter dem Training zurückstehen, verriet Magdalena Holysz, die eine der Voltigiererinnen der ersten Stunde in Fredenbeck ist. Zusammen mit Longenführerin Gesa Bührig und Pferd Wizaro hatten sie und auch noch andere Mitglieder der Gruppe sich von der Klasse A, also der Basis, bis zum CHIO Aachen nach oben gekämpft. Heute war nun der große Tag.

Alles klappte. Die vielen Trainingsstunden – jetzt zahlten sie sich aus. Nach der finalen Hebefigur und dem letzten Abgang brach tosender Applaus los in der Aachener Albert-Vahle-Halle. Eine super Kür! Longenführerin Gesa Bühring fand zwar, es hätten wohl „alle Übungen geklappt, aber wir waren heute nicht so im Flow“, doch den Richtern hatte es offenbar genauso gefallen wie dem Publikum: Satte 8,689 Punkte gaben sie. Doch noch war alles offen. Zwei Mannschaften kamen noch, beide rangierten in der Zwischenwertung vor den Fredenbeckern.

 

In Lauerposition hatten nach der Pflicht die Österreicher vom UVT Eligius auf Leokado an der Longe von Cornelia Trimmel gelegen. Sie turnten ihr Programm ohne große Patzer durch, aber nicht mit der Ausstrahlung, mit der die Fredenbecker in ihrer Kür zum Motto Faust das Publikum in ihren Bann gezogen hatten. 8,166 Punkte vergaben die Richter für die österreichische Mannschaft mit Theresa Tiel, Dominik Eder, Simone Bauer, Stefan Csandl, Chiara Christ und Isabel Fiala.

 

Und dann kam die letzte Mannschaft, die Favoriten, das Team Norka des VV Köln-Dünnwald, das dank seiner Spitzenform in dieser Saison bereits gesetzt ist für die Weltreiterspiele in Tryon im September. Im vergangenen Jahr hatten die Kölner sich dem Team vom RSV Neuss Grimlinghausen knapp geschlagen geben müssen. Die Neusser waren dieses Jahr gar nicht am Start. Der Weg wäre also frei gewesen das Team Norka. Theoretisch.

Doch ein dringendes Bedürfnis von Picardo an der Longe von Patric Looser machte den Kölnern einen Strich durch die Rechnung. Der Wallach legte mitten in der Kür einen Stopp ein, erleichterte sich, galoppierte zunächst im falschen Galopp an, ehe Patric Looser ihn zum Umspringen bewegen konnte. Das kostete Punkte. Bis dahin waren die Kölner super unterwegs gewesen. Und auch nach dem Zwischenfall turnten sie ihre Kür tapfer zu Ende. Doch das zweitbeste Ergebnis (8,173) reichte am Ende nicht, um die Fredenbecker in der Gesamtwertung abzufangen. Die siegten mit einem Endergebnis von 7,858 Punkten vor dem Team Norka (7,768) und dem UVT Eligius (7,624).

 

Justin van Gerven sprach aus, was seine Kölner Mannschaftskollegen Thomas Brüsewitz, Torben Jacobs, Jana Zelesny, Chiara Congia und Corinna Knauf dachten: „Das war natürlich bitter! Es hatte super angefangen. Wir waren super im Fluss und hätten eine top Leistung zeigen können. Schade, dass es so geendet ist! Aber das gehört dazu, es ist ja ein Pferdesport.“

 

In Fredenbeck hat man den Erfolg bislang offenbar noch gar nicht so richtig realisiert: „Ich glaube, was wir hier geschafft haben, wird uns erst nächste Woche so richtig klar werden“, sinnierte Magdalena Holysz. Sie und ihr Team können bald all die Parties nachfeiern, die sie wegen des Trainings verpasst haben. Aber noch nicht heute. Schließlich steht morgen noch der Nationenpreis im Preis der Sparkasse auf dem Programm!

Auftakt zum CHIO 2018 mit Voltigiersport vom Feinsten im Preis der Sparkasse

Die Voltigierer haben heute das Weltfest des Pferdesports,…


Die Voltigierer haben heute das Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen eröffnet. Im Preis der Sparkasse standen die Pflicht- und Technikwettbewerbe auf dem Programm. Sowohl bei den Damen als auch bei den Herren nehmen die deutschen Athleten aktuell die ersten drei Plätze ein. Und auch bei den Gruppen liegen sie in Führung.

Weltklassevoltigierer aus elf Nationen sind beim CHIO Aachen am Start, unter anderem aus Australien und den USA. Deutschlands Bundestrainerin Ursula Ramge weiß, dies zusammen mit dem hohen sportlichen Niveau und der Kulisse hier in Aachen bedeutet auch mental eine Herausforderung für ihre Sportler: „Hier ist der Druck sehr hoch!“

Los ging es wie immer mit Pflicht und Technikprogramm. In der Pflicht müssen die Voltigierer eine Reihe Übungen in festgelegter Reihe turnen. In der Technik werden ihnen fünf Übungen vorgegeben, die sie zeigen müssen. Sie können sie jedoch frei kombinieren, das ist also schon wie eine kleine Kür. Die eigentlichen Küren bringen dann die Entscheidungen, wer am Ende als Sieger im Preis der Sparkasse 2018 gefeiert wird.

Kein Problem mit dem von Ursula Ramge erwähnten Druck hatte heute die Titelverteidigerin bei den Damen, Kristina Boe. Auf ihrem bewährten Don de la Mar an der Longe von Winnie Schlüter hatte die Unfallchirurgin im Frühjahr bereits das Weltcup-Finale in Dortmund gewonnen. Diese Topform konnte das Trio halten: Platz zwei in der Pflicht und Sieg in der Technik brachten ihr in der Zwischenwertung die Führung mit aktuell 7,913 Punkten ein.

Ihr auf den Fersen ist mit derzeit 7,652 Punkten Janika Derks, die jahrelang zu den tragenden Säulen der erfolgsverwöhnten Gruppe des RSV Neuss-Grimlinghausen gehörte und nun als Einzelvoltigiererin Karriere macht. Mit Carousso Hit, longiert von Jessica Lichtenberg, gewann sie die Pflicht mit Abstand, verlor aber Punkte in der Technik – mehr als Rang zehn war heute nicht drin. Bundestrainerin Ursula Ramge erklärte: „In der Pflicht war Janika immer die absolut stärkste. In der Technik lief eine Übung nicht ideal und danach kam sie nicht mehr so in den Fluss. Das ist der Lerneffekt, den wir dann von solchen Turnieren mitnehmen: daran zu arbeiten, dass man sich nach einem kleinen Missgeschick sofort wieder auf die nächsten Aufgaben konzentriert.“

Nach ausgeglichenen Leistungen – Platz drei in der Pflicht, Vierte in der Technik – komplettiert Sarah Kay mit Sir Valentin an der Longe von Dr. Dina Menke das deutsche Trio an der Spitze bei den Damen. Sie hat aktuell 7,618 Punkte auf dem Konto.

 

Brüsewitz erneut an der Spitze

Aachen scheint das Turnier des Thomas Brüsewitz zu sein. 2016 siegte er im Preis der Sparkasse, 2017 ebenso und wenn er so weitermacht, dann wird er auch als 2018er-Sieger in die Annalen eingehen. Auf dem bewährten Danny Boy an der Longe von Patric Looser (der selbst mal Weltmeister war) gewann der 24-Jährige mit Abstand die Pflicht, so dass ihm in der Technik Rang drei genügte, um mit 7,953 Punkten in der Gesamtwertung immer noch deutlich in Führung zu liegen.

7,877 Zähler stehen bei dem derzeit Zweitplatzierten zu Buche, Jannik Heiland auf Dark Beluga an der Longe von Barbara Rosiny. Rang zwei war auch das Ergebnis in den beiden Prüfungen für den Trainingspartner von Thomas Brüsewitz.

Der Mitfavorit, der aktuelle Weltcup-Sieger Jannis Drewell, der hier in Aachen vor drei Jahren schon Europameister geworden war, konnte zwar die Technik für sich entscheiden, aber der Vorsprung reichte nicht, um den Rückstand von Rang vier in der Pflicht wettzumachen – Rang drei mit derzeit 7,758 Punkten auf Qualimero, den einmal mehr Jannis‘ Mutter Simone Drewell in Szene zu setzen wusste.

 

Führung für Team Norka

Im vergangenen Jahr hatte sich das Team Norka des VV Köln-Dünnwald mit Platz zwei im Preis der Sparkasse hinter dem RSV Neuss Grimlinghausen begnügen müssen. Dieses Jahr sind die Neusser nicht am Start und die Lücke wussten die Kölner auszufüllen. Nach der Pflicht der Gruppen führt das von Patric Looser geführte Team auf Picardo mit deutlichem Vorsprung. 7,362 Punkte gaben die vier Richter insgesamt.

Die nächstplatzierte Gruppe kam auf 7,082 Punkte. Das waren die Österreicher des UVT Eligius auf Leokado an der Longe von Cornelia Trimmel. Platz drei belegt vorerst die zweite deutsche Mannschaft Fredenbeck I, die mit Wizaro und Gesa Bührig an der Longe antreten.

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