Springen
3 Stunden zuvor
Richard Vogel siegt im Rolex Grand Prix
Seine Reise im Rolex Grand Slam of Show Jumping schreibt das nächste Kapitel: Nach seinem Triumph bei den The Dutch Masters gewinnt Richard Vogel heute auch den Rolex Grand Prix von Aachen. Jetzt kann der 29‑Jährige im September bei den Spruce Meadows ‘Masters’ das schaffen, was in der Geschichte des Springsports bislang nur dem Briten Scott Brash gelungen ist – den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu vollenden.
Es gibt Geschichten, die kann nur der Sport schreiben. Geschichten, in denen Träume plötzlich greifbar werden, das scheinbar Unerreichbare auf einmal zum Greifen nah ist. Für Richard Vogel wurde genau eine solche Geschichte Realität. Vor ausverkauften Rängen im Hauptstadion von Aachen krönte sich der 29-Jährige im Sattel von United Touch S zum Sieger im Rolex Grand Prix – dem prestigeträchtigsten Springen des CHIO Aachen und Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping.
Drei Reiter hatten das Ticket ins Stechen gelöst – zwei davon aus Deutschland. Als Erste musste Sophie Hinners vorlegen. Mit ihrem Wallach Iron Dames Singclair zeigte die 28-Jährige eine fehlerfreie Runde, geritten mit klug dosiertem Risiko und großem Vertrauen in ihr Pferd. 51,62 Sekunden leuchteten auf der Anzeigentafel – ein Ritt, der das Publikum zu anerkennendem Jubel hinriss. Doch auf den Applaus folgte Sekunden später Mucksmäuschenstille. Jeder im Stadion wusste: Jetzt war der Moment gekommen, in dem es für Richard Vogel um alles ging. Nach seinem Sieg bei den The Dutch Masters im März war der Europameister als Anwärter auf den Rolex Grand Slam nach Aachen gereist. Alle Augen richteten sich auf ihn, als er und sein Star-Pferd United Touch S den heiligen Rasen betraten – der Druck von außen immens, die eigenen Erwartungen fast noch größer. „Du wachst morgens auf und weißt, dass dir heute Großes gelingen kann – oder eben nicht“, wird der 29-Jährige später seine Gedanken schildern. Kurz schien er sich noch einmal des richtigen Weges zu vergewissern, dann ein motivierendes Klopfen auf den Hals des westfälischen Hengstes. Voller Fokus auf das, was vor ihnen lag. In dem Moment, in dem United Touch S zum Angaloppieren ansetzte, hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.
Mit seiner bodenverachtenden Galoppade setzte sich der 14‑jährige Hengst in Bewegung. Zunächst wohldosiert. Nach Sprung drei nahmen die beiden so richtig Fahrt auf – um dann vor der zweifachen Kombination das Tempo kontrolliert herauszunehmen. United Touch S nahm sich perfekt zurück. Einsprung. Aussprung. Fehlerfrei. Auch die knifflige Wendung auf den vorletzten Oxer meisterten sie mit spielerischer Leichtigkeit. Ein Raunen begleitete Reiter und Pferd auf der finalen Linie. Für einen Moment flackerte im kollektiven Gedächtnis die Erinnerung an jenen Tag vor zwei Jahren auf, als im Rolex Grand Prix die letzte Stange fiel. Diesmal nicht. United Touch S hob ab und katapultierte sich mühelos über den finalen Steilsprung.
Das war nicht nur schnell, das war eine Demonstration von Harmonie, Präzision und schönem Reiten. 45,57 Sekunden! Die Führung – vorerst. Denn einer kam noch. Der Argentinier José María Jr. Larocca machte schon beim Einreiten ins Hauptstadion deutlich, dass er sich nicht kampflos geschlagen geben wollte. Hohe Grundschnelligkeit, enge Wendungen, volles Risiko – seine Runde ließ keinen Zweifel an seinem Siegeswillen. Doch sein 16-jähriger Wallach Finn Lente verfügt nicht über die raumgreifende Galoppade, die United Touch S auszeichnet. 47,36 Sekunden – Rang zwei.
Während das Aachener Publikum der Leistung des Argentiniers mit großem Respekt applaudierte, explodierte der Jubel auf dem Abreiteplatz. Alle waren sie da, die deutschen Aachen-Sieger vergangener Jahre, die genau wissen, was es bedeutet, den Rolex Grand Prix vor heimischem Publikum zu gewinnen: Bundestrainer Otto Becker, André Thieme, Marcus Ehning und Daniel Deußer gehörten zu den ersten Gratulanten eines sichtbar tief bewegten Richard Vogel. „Ich weine nicht oft. Aber heute ist es ein schöner Grund, Tränen in den Augen zu haben“, sagte der 29-Jährige. „Wenn du als Anwärter auf den Rolex Grand Slam ins Stechen einreitest, gibt es keinen Gedanken daran, Zweiter oder Dritter zu werden. Dann gibt es nur ein Ziel.“
Seine Leistung würdigten auch die beiden anderen auf dem Podest. „Ich könnte nicht glücklicher sein“, so José María Jr. Larocca. „Hinter Richie Zweiter zu werden, ist einfach großartig.“ Und auch Sophie Hinners durfte mit Recht stolz auf ihre Performance sein. Drei Nullrunden im Rolex Grand Prix von Aachen auf den heiligen Rasen zu zaubern – mehr kann man sich als Reiterin kaum wünschen. „Mein Pferd hat so toll für mich gekämpft. Hier auf dem Podium zu stehen, damit geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagte die 28-Jährige und fügte mit einem Lächeln an: „Mir war bewusst, dass ich es mit Richie nicht würde aufnehmen können.“
Und eben dieser feierte nach seinem Triumph bei den The Dutch Masters in ’s‑Hertogenbosch seinen zweiten Major‑Sieg in Folge – eine Siegesserie, die dem 29-Jährigen nicht nur einen Extra‑Bonus von 500.000 Euro zusätzlich zum Preisgeld einbringt, sondern auch die Tür zur ganz großen Geschichte öffnet: Im September in Spruce Meadows könnte Richard Vogel als erst zweiter Reiter überhaupt nach Scott Brash den Rolex Grand Slam of Show Jumping vollenden. Seine Reise geht weiter – und sie hat das Potenzial, eine ganze Generation von Pferdesportfans zu begeistern.
Mit dem Rolex Grand Prix endete der TSCHIO Aachen 2026. Das Fazit von Sportchefin Birgit Rosenberg fiel durchweg positiv aus: „Der Tag war ein perfektes Finish. Wir haben fantastische Leistungen gesehen, hatten jeden Tag eine tolle Mischung aus Weltklasse-Sport und stimmungsvollem Rahmenprogramm. Die Zuschauer haben die Pferde und die Reiter bei perfektem Sommerwetter gefeiert.“ Passend zu diesem sportlich perfekten Abschluss gab Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH, zudem bekannt, dass die langjährige Zusammenarbeit mit Rolex fortgeführt wird: „Wir blicken auf eine großartige gemeinsame Geschichte mit Rolex seit 1999 zurück und freuen uns sehr, dass wir diese langfristige Partnerschaft fortsetzen. Diese Verlängerung ist ein starkes Bekenntnis zu unserem Sport und zum CHIO Aachen. Gemeinsam mit Rolex werden wir die Erfolgsgeschichte des Rolex Grand Prix und des Rolex Grand Slam of Show Jumping weiterschreiben und unseren Sport auf höchstem Niveau weiterentwickeln.“